Fr√ľhjahrs-Lockdown hatte gewichtige Folgen

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Montag, 3. Mai 2021

Wissenschaftler des Robert-Koch-Instituts haben anhand von Daten einer bundesweiten Gesundheitsstudie  untersucht, wie sich ausgewählte Gesundheitsindikatoren, darunter Körpergewicht und Body Mass Index (BMI), während des ersten Lockdowns im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verändert haben.

Seit dem ersten, strikten Lockdown in Deutschland ist inzwischen √ľber ein Jahr vergangen. Die umfangreichen, Mitte und Ende M√§rz von der Bundesregierung in Abstimmung mit den Bundesl√§ndern beschlossenen Eind√§mmungsma√ünahmen haben das √∂ffentliche Leben nahezu zum Stillstand gebracht. Die Schlie√üung von Schwimmb√§dern und Fitnessstudios sowie geltende Kontaktbeschr√§nkungen machten organisierte Sportangebote w√§hrend des Lockdowns unm√∂glich, wohingegen die st√§ndige Verf√ľgbarkeit von Nahrungsmitteln zuhause zu einer vermehrten Nahrungsaufnahme gef√ľhrt haben k√∂nnte. Sowohl das Bewegungs- als auch das Ern√§hrungsverhalten beeinflussen das K√∂rpergewicht und den Body-Mass-Index, das Verh√§ltnis zwischen K√∂rpergewicht und K√∂rpergr√∂√üe. Haben sich diese beiden Gr√∂√üen w√§hrend des Lockdowns ver√§ndert?

Unter Verwendung von Daten der Studie „Gesundheit in Deutschland aktuell“ (GEDA 2019/2020-EHIS) verglichen Wissenschaftler des Robert-Koch-Instituts (RKI) das Gewicht und den BMI von √ľber 22.000 Teilnehmern von April bis Ende August 2020 (Kalenderwoche 15-35) mit demselben Vorjahreszeitraum. Eigentlich wurden die Ma√ünahmen des Lockdowns ab Ende April schrittweise gelockert. Der im Vergleich zur Dauer des Lockdowns verl√§ngerte Beobachtungszeitraum wurde gew√§hlt, da ein verz√∂gerter Effekt auf das K√∂rpergewicht und den BMI der Teilnehmer erwartet wurde. Die Befragung erfolgte in Form eines standardisierten Telefoninterviews. Bei den statistischen Analysen wurden Unterschiede bez√ľglich des Bundeslands, in dem die Teilnehmer lebten, Alter und Geschlecht der Teilnehmer sowie deren Bildung ber√ľcksichtigt.

Verglichen mit dem Vorjahreszeitraum 2019 hat das K√∂rpergewicht der Teilnehmer im Mittel um 1,1 Kilogramm (2019: 77,1 Kilogramm, 2020: 78,2 Kilogramm) zugenommen. Dementsprechend ist auch der BMI um 0,5 Einheiten (von 25,9 auf 26,4) angestiegen. √Ąhnliche Ergebnisse wurden aus zwei weiteren Befragungen berichtet, deren methodische Qualit√§t allerdings eingeschr√§nkt war und die im Gegensatz zur RKI-Studie nicht repr√§sentativ f√ľr die Bev√∂lkerung Deutschlands ab 15 Jahren waren. In der nu3-Corona-Studie gab knapp jeder vierte Befragte (24 Prozent) an, im Zeitraum von f√ľnf Wochen ab Mitte M√§rz zugenommen zu haben, wobei die Mehrheit der Befragten zwischen ein und drei Kilogramm zugenommen hatte. Auch eine Onlinebefragung der Organisation You-Gov von Mitte Mai 2020 ergab, dass 14 Prozent der Befragten zwischen ein und zwei Kilogramm und 12 Prozent sogar zwischen zwei und f√ľnf Kilogramm zugenommen hatten. Als Gr√ľnde f√ľr die Gewichtszunahme nannten die Befragten h√§ufiges und ungesundes Essen sowie mangelnde Bewegung.

Eine durchschnittliche Gewichtszunahme von einem Kilogramm, wie in der aktuellen RKI-Studie berichtet wurde, mag zun√§chst einmal als gering und nicht von gesundheitlicher Relevanz anmuten. Vergleicht man diese allerdings mit dem Durchschnitt aus fr√ľheren Kohortenstudien der Jahre 1994 bis 2007, war die mittlere Gewichtszunahme w√§hrend des 21-w√∂chigen Beobachtungszeitraums mehr als viermal so hoch als damals pro Jahr (1994-2007: 240 Gramm/Jahr bei 45-64-j√§hrigen Frauen, 250 Gramm/Jahr bei 45-64-j√§hrigen M√§nnern), wobei allerdings ber√ľcksichtigt werden muss, dass sich das Alter der Probanden beider Studien unterschied. Daher r√§t das RKI, die Entwicklung von K√∂rpergewicht und BMI in der Bev√∂lkerung weiter zu beobachten.

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verfasst von am 3. Mai 2021 um 10:09

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