FrĂŒhstĂŒckscerealien: Nicht alles ist Gold, was glĂ€nzt

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung ErnĂ€hrung und Gesundheit

Donnerstag, 5. MĂ€rz 2015

Auf der Verpackung von FrĂŒhstĂŒckscerealien wird beispielsweise deren hoher Gehalt an „gutem“ Getreide, Vitaminen, Calcium und Eisen beworben. Vergleicht man allerdings das gesamte NĂ€hrwertprofil dieser Produktgruppe, schneiden deutsche FrĂŒhstĂŒckscerealien und insbesondere KinderfrĂŒhstĂŒckscerealien nicht gut ab. Dass es auch anders geht, zeigt ein Vergleich mit Norwegen.

Gesa Maschkowski von der Abteilung Marktforschung der Agrar- und ErnĂ€hrungswirtschaft der UniversitĂ€t Bonn untersuchte im Rahmen ihrer Doktorarbeit das NĂ€hrwertprofil von insgesamt 239 deutschen und norwegischen FrĂŒhstĂŒckscerealien. Bei der Erstellung von NĂ€hrwertprofilen werden sowohl wertgebende Bestandteile (zum Beispiel der Gehalt an Ballaststoffen, Obst und GemĂŒse) als auch wertmindernde Bestandteile (Gehalt an Zucker, Fett oder Salz) berĂŒcksichtigt. Dies ermöglicht eine umfassende Aussage ĂŒber den Gesundheitswert eines Produkts.

Mittlerweile haben sich verschiedene NĂ€hrwertprofile etabliert, darunter das besonders strenge skandinavische „Keyhole“ (SchlĂŒsselloch). Norwegische Hersteller, die dessen vergleichsweise strenge Anforderungen erfĂŒllen, dĂŒrfen mit dem SchlĂŒsselloch-Logo werben. FĂŒr die EU wurde 2009 ebenfalls ein NĂ€hrwertprofil vorgeschlagen, mit dem gesundheits- und nĂ€hrwertbezogene Angaben reguliert werden sollten. Obwohl die Anforderungen dieses Modells deutlich geringer sind als die des Keyhole-ErnĂ€hrungsprofils, wurde das EU-Modell bis heute nicht umgesetzt.

Bei der GegenĂŒberstellung der Inhaltsstoffe der FrĂŒhstĂŒckscerealien mit den Anforderungen von verschiedenen NĂ€hrwertprofilen schnitten deutsche Produkte wenig erfreulich ab: Obwohl ein Großteil der FrĂŒhstĂŒckscerealien mit gesundheitsrelevanten Informationen auf der Verpackung beworben wurde (etwa Hinweisen auf einen besonderen NĂ€hrwert oder Gesundheitswert oder „frei von…„-Angaben), erfĂŒllten 2010 nur vier Prozent der deutschen Produkte die Anforderungen des skandinavischen Keyhole-NĂ€hrwertprofils, 2012 lag der Anteil mit sieben Prozent nur geringfĂŒgig höher. Wurden stattdessen die Anforderungen des großzĂŒgigeren EU-Modells zugrunde gelegt, erfĂŒllten 2010 immerhin 28 Prozent der deutschen FrĂŒhstĂŒckscerealien die Vorgaben, 2012 waren es sogar 36 Prozent.

Wenig rĂŒhmlich war das Ergebnis insbesondere fĂŒr Kindercerealien, obwohl diese speziell fĂŒr die Zielgruppe der Kinder vermarktet werden. Nicht zuletzt aufgrund ihres hohen Zucker- und geringen Ballaststoffgehalts erfĂŒllten keine der 58 deutschen Kindercerealien 2010 die Anforderungen des skandinavischen Keyhole-Profils. Von den 13 norwegischen Kindercerealien hielten immerhin zwei Produkte alle Kriterien des Keyhole-Profils ein und könnten sich daher auf ihrer Verpackung mit dem SchlĂŒsselloch-Logo schmĂŒcken.

Unterm Strich werden auf Verpackungen von FrĂŒhstĂŒckscerealien insbesondere in Deutschland einzelne positive Aspekte eine Produkts (zu) stark in den Vordergrund gestellt. Dies lĂ€sst allerdings keinen RĂŒckschluss auf den gesamten Gesundheitswerts eines Produktes zu. FrĂŒhstĂŒckscerealien ohne Hinweise auf gesundheitsrelevante NĂ€hrstoffen oder Zutaten können genauso gute oder sogar bessere NĂ€hrwertprofile aufweisen als speziell beworbene Produkte. Insbesondere bei FrĂŒhstĂŒckscerealien, die speziell fĂŒr Kinder beworben werden, besteht weiterhin Handlungsbedarf. Laut einer Studie des Verbraucherzentrale Bundesverbands gehen 40 Prozent der befragten deutschen Eltern davon aus, dass diese Produkte speziell auf die BedĂŒrfnisse von Kindern abgestimmt sind. Brauchen Kinder tatsĂ€chlich viel Zucker, Energie und wenig Ballaststoffe?

In ihren Schlussfolgerungen empfehlen Gesa Maschkowski und ihre Kolleginnen die EinfĂŒhrung eines rechtlich verbindlichen NĂ€hrwertprofils. Nur wenn die Vorgaben dieses NĂ€hrwertprofils erfĂŒllt werden, so der Vorschlag der Wissenschaftlerinnen, sollte ein Lebensmittel mit gesundheitsrelevanten Informationen beworben werden dĂŒrfen. FĂŒr Verbraucher wĂ€re es außerdem hilfreich, wenn entsprechende Produkte mit einem Zeichen oder Symbol versehen wĂ€ren. Dann wĂŒrde beim Lebensmitteleinkauf ein kurzer Blick auf die Verpackung genĂŒgen, um Auskunft ĂŒber den Gesundheitswert eines Produkts zu erhalten.

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verfasst von am 5. MĂ€rz 2015 um 07:21

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