Gesunde Lebensmittel: Die Verpackung macht den Unterschied

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Freitag, 17. Juli 2015

Manchmal kommt es doch auf das Äußere an. Zumindest, wenn es darum geht, Kindern gesunde Lebensmittel schmackhaft zu machen, haben Verpackungen mit Zeichentrickfiguren ganz klar die Nase vorn. Dies berichten Wissenschaftler des Forschungsinstituts für Kinderernährung unter Federführung der Universität Bonn aktuell in der Fachzeitschrift „Frontiers in Psychology“.

Kinder sind besonders empfänglich für Produkte, deren Verpackung attraktiv gestaltet ist. Das ist auch der Lebensmittelindustrie längst bekannt und wird besonders häufig bei Lebensmitteln mit geringem ernährungsphysiologischen Wert angewendet. „Die Süßigkeitenindustrie hat sehr viel Erfahrung damit, wie sich mit Marketingeffekten der Produktabsatz bei Kindern steigern lässt“, weiß Prof. Dr. Bernd Weber vom Center for Economics and Neuroscience (CENs) an der Universität Bonn. Lassen sich solche Marketingeffekte auch für gesunde Lebensmittel nutzen? Darüber war bisher nur wenig bekannt. In Zusammenarbeit mit der Universität Bonn hat das Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) daher ein Projekt initiiert, in dem untersucht wurde, welchen Einfluss die Gestaltung der Verpackung auf das Auswahlverhalten und die Geschmacksbewertung von Grundschulkindern hat.

An der Studie nahmen insgesamt 179 acht- bis zehnjährige Jungen und Mädchen aus verschiedenen Grundschulen Dortmunds teil. Allen Schülern wurde ein Joghurt-Früchtemüsli-Snack angeboten, der entsprechend der Empfehlungen des FKE zubereitet worden war. Das Besondere daran: Derselbe Snack wurde jeweils in drei verschiedenen Verpackungen offeriert:

  • einer schlichten Standardverpackung,
  • einer Verpackung, auf der zusätzlich Gesundheitshinweise abgedruckt waren sowie
  • einer Verpackung mit bei den Kindern bislang unbekannten Zeichentrickfiguren.

Um festzustellen, wie groß die Motivation der Kinder war, an ihre Wunschpackung zu gelangen, verwendeten die Wissenschaftler ein Messgerät, das die Handgriffstärke misst. „Wir konnten mit diesem Handdynamometer ablesen, wieviel Anstrengung die Kinder bereit waren, für das Produkt zu leisten“, erklärt die Erstautorin der Studie, Laura Enax. Als nächstes probierten alle Kinder von den Snacks aus den drei Verpackungen und bewerteten deren Geschmack.

Es stellte sich heraus, dass die mit Zeichentrickfiguren gestaltete Verpackung für die Kinder besonders attraktiv war. Sie wendeten nicht nur besonders viel Kraft auf, um an einen derart verpackten Snack zu gelangen. Auch im Geschmackstest wurde dieses Produkt am besten bewertet. Dagegen waren die Müsli-Snacks mit Gesundheitsofferten oder Standardverpackung deutlich weniger beliebt und schmeckten den Kindern auch weniger gut.

Die Ergebnisse dieser Studie beschreiben einen klassischen Marketingplaceboeffekt, wie Prof Dr. Weber erläutert. Jeder Becher enthielt identische Joghurt-Früchtemüsli-Snacks, dennoch meinte die große Mehrheit der Grundschulkinder (88 Prozent) zu erkennen, dass der Geschmack der verschieden verpackten Snacks sich unterschied.

Attraktiv gestaltete Lebensmittelverpackungen können Kinder zu ungesunden Lebensmitteln verführen. Solche Marketingeffekte lassen sich jedoch auch dazu nutzen, den Nachwuchs für gesunde Lebensmittel zu gewinnen“, resümiert Frau Prof. Dr. Kersting vom FKE. Mit dieser Methode ließe sich zum Beispiel gezielt die Attraktivität bestimmter Lebensmittel, die in Schulen angeboten werden (beispielsweise Schulmilch oder Vollkornsandwiches), steigern.

Aufbauend auf ihren bisherigen Ergebnissen wollen die Wissenschaftler nun untersuchen, ob Kinder mit Übergewicht besonders stark auf Marketingplaceboeffekte auf Verpackungen ansprechen.

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verfasst von am 17. Juli 2015 um 06:19

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Ein Kommentar zu “Gesunde Lebensmittel: Die Verpackung macht den Unterschied”

  1. T. Behrens sagt:

    Zwar ist der Artikel schon etwas her, aber ich finde es dennoch interessant. Die Verpackung ist doch ziemlich wichtig, wenn es darum geht die passende „Zielgruppe“ anzusprechen. In Ihrem Fall die Kinder, die mit Freude die Möhren essen, wenn ihnen schon die Verpackung zusagt .

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