Gut versorgt? DGE veröffentlicht Ergebnisse zur Verpflegung in Kitas

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Mittwoch, 15. Juni 2016

Bis der neue Ern√§hrungsbericht der Deutschen Gesellschaft f√ľr Ern√§hrung ver√∂ffentlicht wird, wird es wohl noch bis Ende 2016 dauern. Interessierte k√∂nnen aber bereits jetzt die Ergebnisse zur Verpflegung in Senioreneinrichtungen und Kitas einsehen. Einige Ergebnisse zur Verpflegung in Kitas haben wir im Folgenden f√ľr Sie zusammengefasst.

Seit dem 1. August 2013 besteht f√ľr jedes Kind in Deutschland ab einem Alter von einem Jahr ein Rechtsanspruch auf einen √∂ffentlich gef√∂rderten Betreuungsplatz in einer Kindertageseinrichtung (Kita) oder Kindertagespflege (fr√ľher: Tagesmutter). Durch den Ausbau dieser Einrichtungen hat auch die Verpflegung der dort betreuten Kindern an Relevanz gewonnen. Mittlerweile werden in Deutschland fast drei Millionen Kinder in Kitas betreut und zwei von drei Kindern (etwa zwei Millionen) werden dort √ľber Mittag verpflegt. Dies entspricht einer Verdopplung der Anzahl der Kinder mit Mittagsverpflegung seit dem Jahr 2000.

Doch wie gut ist die Verpflegung in Kitas? An der Hochschule f√ľr angewandte Wissenschaften in Hamburg wurde aktuell im Auftrag des Bundesministeriums f√ľr Ern√§hrung und Landwirtschaft (BMEL) die Ern√§hrungssituation in Kitas untersucht. Zum Studiendesign z√§hlte eine bundesweite schriftliche Befragung, an der sich 1.408 Kitas beteiligten, also ein F√ľnftel der angeschriebenen 7.000 Kitas. Von knapp der H√§lfte der Einrichtungen konnten au√üerdem 4-Wochen-Speisepl√§ne anhand der „DGE-Qualit√§tsstandards f√ľr die Verpflegung in Tageseinrichtungen f√ľr Kinder“ evaluiert werden. Erg√§nzt wurden diese Auswertungen durch N√§hrwertberechnungen und chemische Analysen an kleineren Stichproben.

Vieles ist gut, manches l√§sst sich aber auch noch verbessern: so lassen sich die Ergebnisse der Wissenschaftler zusammenfassen. Positiv bewertet wurde die starke Orientierung an der Zielgruppe. Beispielsweise wird die Zufriedenheit der Kinder schon an zweiter Stelle der Herausforderungen f√ľr die Kitas genannt, direkt nach dem Kostenmanagement. In den meisten Kitas wird daher die Zufriedenheit der Kinder regelm√§√üig erfasst. Geschmackliche Vorlieben der Kinder werden bei der Gestaltung des Speiseplans ebenso ber√ľcksichtigt wie ihre speziellen und kulturellen Bed√ľrfnisse. Honoriert wurde au√üerdem die Fokussierung vieler Einrichtungen auf Ern√§hrungssozialisation und -bildung. In vielen Kitas isst das Personal gemeinsam mit den Kindern, erkl√§rt ihnen, welche Lebensmittel sie gerade essen, und pflegt Regeln und Rituale. Au√üerdem werden auch au√üerhalb der Mahlzeiten Aktivit√§ten im Bereich der Ern√§hrungsbildung angeboten.

Bei der Auswertung der 4-Wochen-Speisepl√§ne der Kitas stellten die Wissenschaftler fest, dass fast alle Kitas (96,5 Prozent) die Anforderung des DGE-Qualit√§tsstandards erf√ľllen, h√∂chstens viermal in 20 Verpflegungstagen Paniertes oder/und Frittiertes anzubieten. Gut die H√§lfte der Einrichtungen (55,4 Prozent) hat maximal achtmal Fleisch oder Wurst auf dem Speiseplan wie im Qualit√§tsstandard vorgesehen. In immerhin 86 Prozent der ausgewerteten Speisepl√§ne werden die Speisen eindeutig bezeichnet und in knapp 12 Prozent der Speisepl√§ne sind Allergene vollst√§ndig gekennzeichnet (ein Jahr vor der verpflichtenden Kennzeichnung mit Inkrafttreten der Lebensmittelinformationsverordnung).

Verbesserungsbed√ľrftig ist dagegen das Angebot an Salat und Rohkost. Ein Viertel der Kitas (25,8 Prozent) erf√ľllen die Anforderungen des DGE-Qualit√§tsstandards in diesem Bereich nicht und ein weiteres Drittel (35,3 Prozent) erf√ľllt die Anforderungen lediglich „√ľberwiegend“.

Laut N√§hrwertberechnungen werden die Referenzwerte f√ľr die Zufuhr von Fols√§ure, Eisen, Vitamin B1 (Thiamin) und Ballaststoffen mit der Mittagsmahlzeit im Wochendurchschnitt nur in wenigen Kitas unterschritten. Mindestens drei Viertel aller Kitas (75 Prozent) √ľberschreiten mit ihren Mittagsmahlzeiten die Empfehlung f√ľr die Aufnahme von Vitamin C, Magnesium, Fols√§ure, Vitamin B1 und Ballaststoffen; alle Werte liegen allerdings im gesundheitlich unbedenklichen Bereich. In gut der H√§lfte der Kitas werden die Referenzwerte f√ľr die Aufnahme von Energie, Kohlenhydraten und Fett √ľberschritten, w√§hrend die empfohlenen Mengen an Eiwei√ü, Vitamin E und Calcium h√§ufig nicht erreicht werden. Auch wenn die Aussagekraft dieser Ergebnisse durch die stark unterschiedlichen Portionsgr√∂√üen in den verschiedenen Kitas limitiert wird, raten die Wissenschaftler den Einrichtungen, zur Unterst√ľtzung des Knochenwachstums ausreichend calciumreiche Lebensmittel anzubieten und verst√§rkt Vitamin-E-reiche √Ėle f√ľr die Zubereitung der Speisen zu verwenden.

Kritisiert werden au√üerdem fehlende Ressourcen in Bezug auf die finanzielle und materielle Ausstattung, R√§umlichkeiten und Fachpersonal, die dem Angebot einer hochwertigen, gesundheitsf√∂rdernden Verpflegung im Wege stehen. Insbesondere in der Zusammenarbeit zwischen hauswirtschaftlichem und p√§dagogischem Personal besteht Verbesserungspotential, beispielsweise bei der Planung von Aktionen zur Ern√§hrungsbildung oder dem Austausch von R√ľckmeldungen zum Essen. Dies ergab auch die schriftliche Befragung: Zwei von drei zertifizierten Kitas (65,4 Prozent) w√ľnschen sich mehr Informationen zur Gestaltung der Zusammenarbeit zwischen hauswirtschaftlichem und p√§dagogischem Personal.

Weitere Informationen, Ergebnisse sowie die resultierenden Empfehlungen der DGE finden Sie in der Vorver√∂ffentlichung des zweiten Kapitels des Ern√§hrungsberichts 2016 „Verpflegung in Kindertageseinrichtungen (VeKiTa): Ern√§hrungssituation, Bekanntheitsgrad und Implementierung des DGE-Qualit√§tsstandards“.

verfasst von am 15. Juni 2016 um 07:41

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