Jedes zehnte Grundschulkind frühstückt nicht zuhause

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Donnerstag, 5. September 2019

Langsam aber sicher fängt in ganz Deutschland die Schule wieder an. Doch obwohl das Frühstück unter den Eltern als wichtigste Mahlzeit für Grundschüler angesehen wird, verlassen rund 300.000 Grundschüler ihr Elternhaus ohne vorher gefrühstückt zu haben.

Dies geht aus einer Studie zur Chancengerechtigkeit für Grundschüler hervor, die das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag des Discounters Lidl durchgeführt hat. Betroffen sind insbesondere Kinder aus weniger wohlhabenden Haushalten und von alleinerziehenden Müttern oder Vätern. Während 10 Prozent der Grundschüler zuhause gar nicht frühstücken, bereiten 11 Prozent ihr Frühstück selbst zu und 9 Prozent frühstücken alleine zuhause.

„Leider decken sich die Ergebnisse dieser Studie mit den Erfahrungen zahlreicher Lehrkräfte vor Ort“, erläutert der Präsident des Deutschen Lehrerverbands Heinz-Peter Meidinger. Während auf der einen Seite eine wachsende Gruppe von „Helikoptereltern“, ihren Kindern das vergessene Pausenbrot auch noch über 20 Kilometer in die Schule nachführen, gebe es auf der anderen Seite immer mehr Eltern, die sich um das Wohlergehen ihrer Kinder kaum kümmerten. Angesichts des großen Anteils der Schüler, die ohne Frühstück in den Schultag starten, plädiert Meidinger, der Schulleiter im niederbayerischen Deggendorf ist, für Hilfen für betroffene Kinder: „Wenn Schulen mit Unterstützung von Land und Kommunen für solche Fälle ein Notfrühstück bereithalten, ist das sicher sinnvoll.“ Früher habe es in manchen Bundesländern flächendeckend Schulmilch und Schulobst gegeben. Ein fehlendes Frühstück wirke sich massiv auf die schulische Leistungsfähigkeit aus, warnt Meidinger. Obwohl laut der aktuellen Studie sich jede fünfte Familie ein Frühstücksangebot an Grundschulen wünscht, wird es in den wenigsten Schulen realisiert.

Aus der Umfrage geht außerdem hervor, dass die Mehrheit der Eltern weiß, worauf es bei einer gesunden Ernährung ankommt. Allerdings zeigen sich auch hier soziale Unterschiede. 82 Prozent der Eltern, also vier von fünf, sind davon überzeugt, ihre Kinder gut zu versorgen. Zugleich räumt aber über die Hälfte der Befragten ein (57 Prozent), dass es im Alltag oft nicht leicht sei oder sogar überhaupt nicht gelingen würde, ihre Idealvorstellung von guter Kinderernährung umzusetzen. Auch hier scheinen alleinerziehende Mütter und Väter überdurchschnittlich häufig betroffen zu sein (76 Prozent). Nur 5 Prozent aller Eltern gelingt dies ohne Probleme, der Rest zeigt sich unentschlossen.

Für die Studie, deren Ergebnisse online eingesehen werden können, wurden 1.088 Mütter und Väter interviewt, die mindestens ein Kind im Grundschulalter haben.

Quellen einblenden

 

verfasst von am 5. September 2019 um 07:13

Was ist das?

DEBInet-Ernährungsblog - über uns

Unsere Autoren schreiben für Sie über Aktuelles und Wissenswertes aus Ernährungswissenschaft und Ernährungsmedizin. Die redaktionell aufbereiteten Texte richten sich nicht nur an Experten, sondern an alle, die sich für das Thema "Ernährung" interessieren.

Sie können sich die Beiträge per Newsletter zuschicken lassen oder diese über RSS-Feed oder Twitter abonnieren.

Für die Schriftenreihe der Gesellschaft für Rehabilitation bei Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten e.V. (GRVS) wurden 222 unserer Blog-Artikel ausgewählt. Das dabei entstandene Ernährungs-Lesebuch ist 2017 im Pabst Science Publishers Verlag erschienen und steht Ihnen hier kostenlos zum Download zur Verfügung

Der "DEBInet-Ernährungsblog"
ist ein Projekt der


© 2010-2019 Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

- noch keine Kommentare -

Kommentar abgeben