Kaffee in der Schwangerschaft

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Freitag, 12. April 2013

Nachteilige Effekte aufs Baby nicht ausgeschlossen

Schwangere, die regelmäßig Kaffee trinken, könnten ein geringeres Geburtsgewicht ihres Babys riskieren. Diesen Schluss zogen Wissenschaftler um Verena Sengpiel an der schwedischen Sahlgrenska Akademie. Sie untersuchten zusammen mit Forschern des Norwegischen Instituts für Öffentliche Gesundheit an 59.000 schwangeren Frauen die Auswirkungen von Koffein auf den Verlauf der Schwangerschaft und das Baby.

Kaffeetasse
© larryvincent

Koffein ist in einigen häufig konsumierten Getränken wie Kaffee, Tee, Kakao, Energydrinks und einigen Softdrinks enthalten. Es handelt sich dabei um eine pharmakologisch aktive Substanz, die ungehindert durch die Plazenta gelangt. Der Fetus besitzt jedoch noch nicht die Enzyme, um das Alkaloid unwirksam zu machen. Die Forscher gingen der Frage nach, ob Koffein einen nachteiligen Einfluss auf die Schwangerschaft oder das Baby haben kann.

Dazu verwendeten sie Daten von 59.123 Frauen mit unkomplizierter Schwangerschaft aus der Norwegischen Mutter und Kind Kohortenstudie. Ihnen lagen Angaben der werdenden Mütter dazu vor, wie viel Koffein sie zu drei Zeitpunkten während der Schwangerschaft aufnahmen. Die Aufnahme von Koffein bedingte bei den Frauen zwar keine erhöhte Frühgeburtenrate. Die Wissenschaftler fanden jedoch, dass Schwangere, die Koffein – in der Regel in Form von Kaffee – konsumieren, tendenziell eher Babys mit einem niedrigen Geburtsgewicht bekommen. Diesen Zusammenhang wiesen sie sogar bei Frauen nach, die sich an die für Schwangere empfohlene Höchstmenge von zwei Tassen Kaffee pro Tag hielten (1).

Bei ihren Betrachtungen berücksichtigten Verena Sengpiel und ihr Team Alter, Rauchverhalten, Gewicht und den Alkoholkonsum der Schwangeren als Faktoren, die sich ebenfalls auf die Entwicklung des Babys auswirken könnten. Unabhängig davon tat sich ein Zusammenhang zwischen der Koffeinaufnahme und dem Geburtsgewicht der Babys auf. Eine Bedingung, die neben einem niedrigen Geburtsgewicht bei einem täglichen Konsum von 200-300 Millilitern Koffein (etwa zwei bis drei Tassen à 200 Milliliter Kaffee) häufiger auftrat, war „SGE“. Als „SGE-Kinder“ werden Babys bezeichnet, die auf ihr Reifealter bezogen kleiner sind als die meisten anderen.

Was bedeutet es, wenn Kinder ein niedriges Geburtsgewicht haben oder sie als SGE-Kinder eingestuft werden? Kleine Babys erkranken häufiger und haben ein tendenziell höheres Sterberisiko. Wenn durch Koffein ein niedrigeres Gewicht und eine kleinere Größe begünstigt würden, wäre ein hoher mütterlicher Koffeinkonsum riskant für das Baby. Ob allerdings das Koffein dafür verantwortlich ist, dass Säuglinge bei der Geburt kleiner oder leichter sind, wurde in dieser Studie nicht untersucht. Auch ob bei den kleineren oder leichteren Neugeborenen in dieser Studie tatsächlich mehr gesundheitliche Probleme auftreten, wurde nicht geprüft.

(1) Die WHO empfiehlt Schwangeren, nicht mehr als 300 Milligramm Koffein pro Tag aufzunehmen. Nördliche Länder und die USA sprechen von 200 Milligramm. (Zwei Tassen à 200 Milliliter entsprechen in etwa einer Aufnahme von 200 Milligramm Koffein).

Quellen einblenden

  • Segpiel V et al.: Maternal caffeine intake during pregnancy is associated with birth weight but not with gestational length: results from a large prospective observational cohort study. BMC Medicine 2013, 11:42 doi:10.1186/1741-7015-11-42
  • Svahn K (University of Gothenburg, News, 21.02.2013): Coffee and Tea during Pregnancy Affect Fetal Growth.

verfasst von am 12. April 2013 um 05:48

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