Kann Kaffee vor Typ-2-Diabetes sch√ľtzen?

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Donnerstag, 5. März 2020

Schenkt man Beobachtungsstudien Glauben, erkranken Kaffeeliebhaber seltener an Typ-2-Diabetes. Aber Kaffee ist nicht gleich Kaffee…

Die M√∂glichkeiten, seinen Kaffee zuzubereiten, sind vielf√§ltig. Manche schw√∂ren auf Filterkaffee aus der klassischen Kaffeemaschine, andere bevorzugen Kaffee auf Knopfdruck aus Vollautomaten, Kapsel- oder Padmaschinen. Ist keine Kaffeemaschine vorhanden, darf es auch mal Instantkaffee sein. Und dann sind da noch die Puristen, denen nichts √ľber eine Tasse von Hand aufgebr√ľhten Kaffees oder Kaffee aus der Cafeti√®re geht. Wenn Schweden Kaffee kochen, verbirgt sich dahinter eine Zubereitungsmethode, die hierzulande weniger gel√§ufig sein d√ľrfte: Grob gemahlener Kaffee wird einfach direkt in kochendes Wasser gegeben und dann einige Minuten ziehen gelassen.

Nachdem die Hinweise auf positive gesundheitliche Wirkungen von Kaffee zunehmen, hat ein multinationales Forscherteam untersucht, ob die Art der Kaffeezubereitung seine gesundheitsf√∂rdernde Wirkung beeinflusst. Im Fokus stand der Schutz vor einer Typ-2-Diabetes-Erkrankung. Grundlage ihrer Studie bildeten Daten einer fortlaufenden schwedischen Kohortenstudie aus den Jahren 1991 bis 2005. Im Laufe von 7 Jahren waren 421 Probanden neu an Typ-2-Diabetes erkrankt. Die Wissenschaftler verglichen den Kaffeekonsum dieser Probanden mit jenem von 421 Probanden derselben Studie ohne Diabetes. Dar√ľber hinaus wurden aufbewahrte Blutproben der Probanden auf Kaffeemetabolite (Biomarker) analysiert.

„Wir haben bestimmte Molek√ľle – ‚Biomarker‘ – im Blut der an der Studie Beteiligten identifiziert, die auf die Aufnahme verschiedener Kaffeesorten hinweisen. Diese Biomarker wurden dann in der Analyse verwendet, um das Typ-2-Diabetes-Risiko zu berechnen“, erl√§utert Prof. Rikard Landberg von der Technischen Hochschule Chalmers (G√∂teborg), zugleich au√üerordentlicher Professor an der Abteilung f√ľr √∂ffentliche Gesundheit und klinische Medizin der Universit√§t Ume√•. „Unsere Ergebnisse zeigen jetzt deutlich, dass gefilterter Kaffee das Typ-2-Diabetes-Risiko reduziert, w√§hrend keine derartige Wirkung von gekochtem Kaffee ausgeht.“ Anhand dieser Biomarker konnten die Forscher zeigen, dass Menschen, die zwei bis drei Tassen gefilterten Kaffee pro Tag tranken, ein um 60 Prozent geringeres Risiko hatten, an Typ-2-Diabetes zu erkranken, als Menschen, die weniger als eine Tasse gefilterten Kaffee pro Tag tranken. Der Konsum von gekochtem Kaffee hatte keinen Einfluss auf das Diabetesrisiko in der Studie. Wurden anstelle der Biomarker Selbstangeben der Probanden zu ihrem Kaffeekonsum analysiert, zeigte sich ein vergleichbarer Zusammenhang zum Typ-2-Diabetes-Risiko.

Laut Landberg gehen viele Menschen f√§lschlicherweise davon aus, dass Kaffee sich ausschlie√ülich negativ auf die Gesundheit auswirkt. Wom√∂glich ist dies darauf zur√ľckzuf√ľhren, dass in fr√ľheren Studien ein Zusammenhang zwischen gekochtem Kaffee und einem erh√∂hten Risiko f√ľr Herz-Kreislauf-Erkrankungen gefunden wurde. Dieser Effekt wird einer in gekochtem Kaffee enthaltenen Molek√ľlart, den Diterpenen, zugeschrieben. „Es hat sich jedoch gezeigt, dass die Diterpene beim Filtern von Kaffee im Filter aufgefangen werden“, versucht Landberg die Bedenken zu entkr√§ften. „Dadurch erh√§lt man [durch den Konsum von gefiltertem Kaffee] die gesundheitlichen Vorteile der vielen anderen vorhandenen Molek√ľle, z. B. verschiedener phenolischer Substanzen. In moderaten Mengen wirkt sich auch Koffein g√ľnstig auf die Gesundheit aus“, f√§hrt Landberg fort.

Nun stellt sich die Frage, ob die in gekochtem Kaffee enthaltenen Diterpene auch den Zuckerstoffwechsel beeintr√§chtigen und auf diese Weise die Entstehung von Typ-2-Diabetes beg√ľnstigen. Dies k√∂nnte eine Erkl√§rung f√ľr die unterschiedliche Wirkung von gefiltertem und gekochtem Kaffee sein. Bislang k√∂nnen die Forscher diese Frage noch nicht beantworten, ebenso wenig welche Bedeutung der verwendeten Kaffeebohnensorte zukommt.

Unklar ist ferner, wie sich andere Zubereitungsmethoden auf das Diabetesrisiko auswirken. Da Espresso aus klassischen Kaffeemaschinen ebenso wie Kaffee aus Padmaschinen und der Cafeti√®re filterlos aufgebr√ľht wird, mutma√üt Landberg, dass diese Zubereitungsarten nicht mit einem geringeren Diabetesrisiko einhergehen, vergleichbar den Effekten von gekochtem Kaffee.

Quellen einblenden

 

verfasst von am 5. März 2020 um 07:00

Was ist das?

DEBInet-Ern√§hrungsblog - √ľber uns

Unsere Autoren schreiben f√ľr Sie √ľber Aktuelles und Wissenswertes aus Ern√§hrungswissenschaft und Ern√§hrungsmedizin. Die redaktionell aufbereiteten Texte richten sich nicht nur an Experten, sondern an alle, die sich f√ľr das Thema "Ern√§hrung" interessieren.

Sie k√∂nnen sich die Beitr√§ge per Newsletter zuschicken lassen oder diese √ľber RSS-Feed oder Twitter abonnieren.

F√ľr die Schriftenreihe der Gesellschaft f√ľr Rehabilitation bei Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten e.V. (GRVS) wurden 222 unserer Blog-Artikel ausgew√§hlt. Das dabei entstandene Ern√§hrungs-Lesebuch ist 2017 im Pabst Science Publishers Verlag erschienen und steht Ihnen hier kostenlos zum Download zur Verf√ľgung

Der "DEBInet-Ernährungsblog"
ist ein Projekt der


© 2010-2020 Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Ein Kommentar zu “Kann Kaffee vor Typ-2-Diabetes sch√ľtzen?”

  1. Thomas sagt:

    Hallo, sehr interessanter Beitrag. In der Hoorn-Studie konnte nachgewiesen werden, dass der Blutzucker bei den Vieltrinkern zwei Stunden nach einem Zucker-Belastungstest deutlich niedriger lag. Man nimmt an, dass der regelmäßige Konsum von Kaffee in gewissen Grade der Entwicklung von Diabetes entgegenwirkt. Vollständig ist dieses Phänomen noch nicht geklärt, aber vieles weißt darauf hin.

Kommentar abgeben