Keine Angst vor Allergenen in der Beikost

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Dienstag, 30. August 2011

Lange galt die Empfehlung, Lebensmittel, die h√§ufig Allergien ausl√∂sen (z. B. H√ľhnerei und Kuhmilch), erst sp√§t in der Beikostphase einzuf√ľhren. Dadurch sollte der Entstehung von Hauterkrankungen und Allergien bei Kindern vorgebeugt werden. Aktuelle Studienergebnisse stellen den Sinn dieser Bestrebungen infrage.

Milchglas
© Candie_N

Wissenschaftler aus den Niederlanden untersuchten den Zusammenhang zwischen dem Zeitpunkt der Einf√ľhrung bestimmter Lebensmittel und der Entstehung von Ekzemen und Atembeschwerden bei Kindern. F√ľr die Studie wurden die Eltern von insgesamt 6.905 Kindern befragt, ab welchem Alter ihre Kinder hoch allergene Nahrungsmittel (Kuhmilch, H√ľhnerei, Erdn√ľsse, N√ľsse, Soja und glutenhaltige Getreidesorten) mit der Beikost erhielten. Zur Vermeidung von Erinnerungsfehlern, die die Ergebnisse verf√§lschen w√ľrden, wurde diese Befragung w√§hrend der Beikostf√ľtterungsphase (im Alter von sechs und zw√∂lf Monaten) durchgef√ľhrt. In den darauffolgenden drei Jahren berichteten die Eltern einmal j√§hrlich √ľber das Vorliegen von Ekzemen oder Atembeschwerden bei ihren Kindern.

Die Studie ergab, dass √ľber fast jedes dritte Kind im Alter von zwei Jahren an Atembeschwerden litt, bei den Drei- und Vierj√§hrigen waren nur noch 14 Prozent davon betroffen. Deutlich h√∂her war der Anteil der Kinder mit Ekzemen: im Alter von zwei Jahren waren 38 Prozent der Kinder daran erkrankt, mit drei und vier Jahren litt immer noch jedes f√ľnfte Kind an der Hauterkrankung.

Die gemeinsame Auswertung der Ern√§hrungs- und Krankheitsdaten zeigte allerdings, dass der Zeitpunkt der Einf√ľhrung der untersuchten Lebensmittel in die Beikost nicht schuld war an diesen hohen Erkrankungsraten. Die Erkrankungsh√§ufigkeit von Kindern, die vor dem siebten Monat allergene Nahrungsmittel erhielten, unterschied sich nicht signifikant von Kindern, bei denen diese erst sp√§ter eingef√ľhrt wurden. Dies traf auch f√ľr Kinder mit erh√∂htem Risiko f√ľr Hauterkrankungen oder einer bereits bestehenden Kuhmilchallergie zu.

Damit widersprechen die Studienergebnisse Empfehlungen zu einer Einf√ľhrung von Lebensmitteln mit einem erh√∂hten allergenen Potential erst nach dem sechsten Monat. Zumindest hinsichtlich der Entstehung von Ekzemen und Atembeschwerden gab es keinen Unterschied zwischen den Gruppen mit fr√ľher und sp√§terer Einf√ľhrung. Die Autoren der Studie weisen allerdings auf weiteren Forschungsbedarf im Zusammenhang mit der Beikosteinf√ľhrung hin. Sie empfehlen eine fortlaufende Beobachtung ihrer Studiengruppe, um die Entstehung von Asthma und Ekzemen √ľber einen l√§ngeren Zeitraum erfassen zu k√∂nnen. Unklar sind auch die Konsequenzen einer sehr fr√ľhen Einf√ľhrung allergener Lebensmittel (vor dem vierten Monat).

Quelle:
Tromp, I. M. et al. (2011): The introduction of allergenic foods and the development of reported wheezing and eczema in childhood. the Generation R Study. Archives of Pediatrics & Adolescent Medicine. Online-Vorabveröffentlichung.

verfasst von am 30. August 2011 um 08:16

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