Kinder und die Wahl ihrer Snacks: Erfahrungen mit Geld wichtiger als Markenbekanntheit

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Donnerstag, 12. Oktober 2017

Wissenschaftler aus den USA und Deutschland haben in einem gemeinsamen Experiment untersucht, wie Marken und Preise die Kaufentscheidungen von acht- bis elfj√§hrigen Kindern beeinflussen – mit √ľberraschenden Ergebnissen.

Die Kaufkraft der Kinder und Jugendlichen in Deutschland ist so hoch wie nie zuvor. Von dem ihnen zur Verf√ľgung stehenden Geld investieren viele Heranwachsende einen betr√§chtlichen Anteil in Snacks und Getr√§nke. In einer Verbraucheranalyse aus dem Jahr gaben zwei Drittel der befragten 6- bis 13-j√§hrigen Kinder (66 Prozent) an, ihr Taschengeld unter anderem f√ľr S√ľ√üigkeiten und Kaugummis auszugeben. Hinzu kamen mehr als ein Drittel der Befragten (37 bis 39 Prozent), die mit ihrem Taschengeld Fast Food bzw. Essen unterwegs, Getr√§nke oder Eis bezahlten. Umso mehr erstaunt es, dass die Frage nach den treibenden Kr√§ften bei der Auswahl von Snacks bislang kaum untersucht wurde. Zumal chronische ern√§hrungsmitbedingte Erkrankungen wie Fettleibigkeit (Adipositas), Typ-2-Diabetes und koronare Herzerkrankungen weltweit bereits im Kindesalter auf dem Vormarsch sind. „Wir wissen nicht viel dar√ľber, wie Kinder ihr Geld f√ľr Snacks ausgeben“, erl√§utert auch Prof. Dr. Sean Cash, √Ėkonom an der Friedman School of Nutrition Science and Policy in Boston und Koautor der aktuellen Studie, die vor kurzem in der Fachzeitschrift „Appetite“ ver√∂ffentlicht wurde. „Es ist ein von der Forschung bislang vernachl√§ssigtes Feld. Derzeit haben viele Kinder Geldbetr√§ge, √ľber die sie verf√ľgen k√∂nnen – in der Regel Taschengeld. Sie entscheiden selbst, wie sie ihr Geld f√ľr Snacks ausgeben, aber wir wissen sehr wenig dar√ľber, wie sie diese Entscheidungen treffen.“ Dies gelte insbesondere daf√ľr, wie Kinder Abw√§gungen zwischen Preisen und anderen Nahrungsmittelattributen vorn√§hmen.

F√ľr ihre Studie konnten Cash und seine Kollegen von der Tufts Universit√§t und der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universit√§t Bonn 116 acht- bis elfj√§hrige Kinder einer offenen Ganztagsschule aus der Region Boston zur Teilnahme gewinnen. Die Studie bestand aus drei Teilen: einer einleitenden Umfrage, daran anschlie√üenden kognitiven Tests und einem finalen Kaufexperiment. Als Belohnung f√ľr die beiden absolvierten kognitiven Tests erhielt jedes Kind zwei US-Dollar, die als Einsatz f√ľr das folgende Kaufexperiment dienten. Hier pr√§sentierten die Forscher den Kindern zehn Fotos verschiedener Snacks (Kekse, Apfelscheiben sowie Joghurt). Auf jedem Bild waren zwei Snacks abgebildet, die sich in ihrem Preis, ihrer Marke oder ihrer Art unterschieden. Die Aufgabe der Kinder bestand nun darin, sich zu entscheiden, ob sie mit ihrem neu verdienten Geld eines der beiden abgebildeten Produkte kaufen wollten. Dabei gingen sie davon aus, dass am Ende des Experiments eine ihrer zehn Entscheidungen nach dem Zufallsprinzip gezogen w√ľrde und sie gegebenenfalls das von ihnen gew√§hlte Produkte erhalten w√ľrden und auch bezahlen m√ľssten. Durch dieses experimentelle Studiendesign wollten die Wissenschaftler erreichen, dass die Kinder ihre Entscheidungen unter m√∂glichst realistischen Bedingungen treffen.

Es stellte sich heraus, dass die Entscheidung der Kinder in erster Linie durch die Art des Produktes (Kekse vs. Apfelscheiben oder Joghurt) bestimmt wurde. Am beliebtesten waren Schokoladenkekse, gefolgt von Apfelscheiben. Erstaunlicherweise war der Einfluss einer Marke auf die Kaufentscheidung weniger stark ausgepr√§gt. „Wir stellten fest, dass die Markenbekanntheit kein wesentlicher Faktor f√ľr den Kauf eines Snacks war„, erl√§utert die Erstautorin der Studie Prof. Dr. Monika Hartmann vom Institut f√ľr Lebensmittel- und Ressourcen√∂konomik der Universit√§t Bonn. „Vielmehr kam es darauf an, ob das Kind die Marke mag oder nicht“, so Hartmann weiter.

Bei der Bedeutung des Preises zeigte sich eine deutliche Spaltung der Probanden je nachdem, ob die Kinder von ihren Eltern Taschengeld erhielten oder nicht. Kinder, die es gewohnt waren, Taschengeld zu erhalten, reagierten wie erwartet auf h√∂here Preise; jene, die bislang wenig Erfahrungen mit Geld gesammelt hatten, eher nicht. Dies unterst√ľtzt bisherige Studienergebnisse, wonach die Erfahrung mit Geld wichtig f√ľr das Erlernen der Bedeutung von Preisen ist.

Bislang gibt es kaum Studien √ľber die Reaktion von Kindern auf die Bekanntheit von Marken und die H√∂he von Preisen. Da die aktuelle Studie allerdings verh√§ltnism√§√üig klein und regional begrenzt war und nur wenige verschiedene Produkte im Kaufexperiment angeboten wurden, sollten die Ergebnisse dieser Studie als Ausgangspunkt f√ľr weitere Forschungsprojekte angesehen werden. Folgestudien k√∂nnten sich beispielsweise mit dem Einfluss von Preisen und der Pr√§sentation von Produkten (Verpackung, Branding, …) auf Kaufentscheidungen befassen. Die in solchen Projekten gewonnenen Erkenntnisse k√∂nnten dazu beitragen, Kinder gezielt dazu motivieren zu k√∂nnen, ges√ľndere Snackoptionen auszuw√§hlen.

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verfasst von am 12. Oktober 2017 um 09:36

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