K√∂nnen Nahrungserg√§nzungsmittel vor COVID-19 sch√ľtzen?

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Donnerstag, 22. Oktober 2020

Solange ein wirksamer Impfstoff gegen COVID-19 auf sich warten lässt, bleibt nur, das Infektionsrisiko durch eigene Umsicht möglichst gering zu halten. Einige Anbieter von Nahrungsergänzungsmitteln nutzen die Verunsicherung in der Bevölkerung aus und versprechen einen Schutz vor COVID-19 durch die Einnahme ihrer Produkte. Zu Recht?

Bei Nahrungserg√§nzungsmitteln handelt es sich rechtlich gesehen um Lebensmittel. Sie sind nicht zur Pr√§vention, Linderung oder Therapie von Erkrankungen gedacht und k√∂nnen ohne Zulassung und beh√∂rdliche Pr√ľfung auf den Markt gebracht werden. Wirbt ein Lebensmittelhersteller mit gesundheitsbezogenen Aussagen, m√ľssen diese im Vorfeld auf der Basis von wissenschaftlich haltbaren Belegen f√ľr das konkrete Produkt explizit zugelassen worden sein. Da SARS-CoV-2 erst seit kurzem bekannt ist, gibt es noch keine gesicherten Erkenntnisse zur Wirksamkeit bestimmter Pflanzen, Vitamine und/oder Mineralstoffe aus fundierten Interventionsstudien an Menschen. Werden in der Werbung f√ľr Nahrungserg√§nzungsmittel Studien zitiert, handelt es sich entweder um Studien an anderen (Corona-)Viren oder um theoretische Abhandlungen m√∂glicher Wirkmechanismen, die noch nicht wissenschaftlich untersucht wurden, warnt die Verbraucherzentrale. Die Verbraucherzentralen und die Wettbewerbszentrale haben in den vergangenen Monaten mehrfach Hersteller abgemahnt und sind auch schon gerichtlich gegen unzul√§ssige Werbeaussagen vorgegangen.

Verboten sind beispielsweise folgende Werbeaussagen: „Es gibt bestimmte Pflanzen, Getr√§nke und Vitamine, die du zu dir nehmen kannst, um jeden viralen und bakteriellen Eindringling abzuwehren, einschlie√ülich des neuartigen Corona-Virus“, „sch√ľtzt vor Viren“ oder auch nur „wehrt Viren ab“. Sie geben eine falsche Sicherheit vor und sind in Bezug auf das aktuelle Corona-Virus wissenschaftlich nicht belegbar. Zu den derart beworbenen Wirkstoffen z√§hlen h√§ufig sekund√§re Pflanzeninhaltsstoffe, darunter Polyphenole, Flavonoide, Anthocyane oder Senf√∂le. Verbraucher sollten wissen, dass Extrakte mit diesen Inhaltsstoffen bei Nahrungserg√§nzungsmitteln nicht definiert sind, so die Verbraucherzentrale. Jeder Extrakt ist anders und vermutlich gleicht keiner der beworbenen Extrakte dem in den zitierten Studien verwendeten Wirkstoff, gibt die Verbraucherorganisation zu bedenken.

Aussagen √ľber Wirksamkeit gegen Corona wurden beispielsweise f√ľr Gr√ľnteextrakte (darin enthalten: Epigallocatechingallat), Rhodiola (Rosenwurz), Aloe vera, Chili, Propolis und Holunder formuliert. Hinzu kommen Nahrungserg√§nzungsmittel mit Ingwer, Kurkuma, Zimt oder Apfelessig, welche die K√∂rperabwehr st√§rken sollen. Allerdings sind nicht alle Anbieter solcher Inhaltsstoffe unseri√∂s, macht die Verbraucherzentrale aufmerksam. Rosenwurz und Chili sind beispielsweise Bestandteile gut erforschter, apothekenpflichtiger Arzneimittel. Unrechtm√§√üig wird es erst dann, wenn Nahrungserg√§nzungsmittel mit Aussagen beworben werden, die einen Schutz vor Viren allgemein oder gar speziell vor SARS-CoV-2 suggerieren.

Zur St√§rkung des eigenen Immunsystems r√§t die Verbraucherzentrale, sich viel im Freien zu bewegen ‚Äď idealerweise so, dass die Haut in Kontakt mit Sonnenlicht kommt (Anregung der k√∂rpereigenen Vitamin D-Produktion). Obst und Gem√ľse liefern f√ľr die Immunabwehr wichtige Vitamine und Mineralstoffe. Zur Vermeidung trockener Schleimh√§ute, die ein Einfallstor von Viren darstellen, sollte gen√ľgend getrunken und gut gel√ľftet werden. Au√üerdem ist es wichtig, ausreichend zu schlafen, auf die eigene K√∂rperhygiene sowie die Hygiene bei der Lebensmittelzubereitung zu achten.

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verfasst von am 22. Oktober 2020 um 06:06

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Ein Kommentar zu “K√∂nnen Nahrungserg√§nzungsmittel vor COVID-19 sch√ľtzen?”

  1. Klaus sagt:

    „Aussagen √ľber die Wirksamkeit von XYZ wurden √ľber … formuliert“. Solche S√§tze, zeigen doch ganz deutlich wie wenig wir (Schulmedizin und Alternativmedizin) wirklich wissen. Und die Verbraucherzentrale „setzt“ noch einen darauf und r√§t zu viel Bewegung an frischer Luft. Dann ist es doch besser, sich auf die Abmahnung von Firmen zu konzentrieren, die einfach nur die Situation mit unlauteren Heilversprechen ausnutzen m√∂chten um Kasse zu machen.

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