Lebensmittelbedingte Krankheitsausbrüche: Rohmilch besonders gefährlich

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Mittwoch, 22. Februar 2017

Mit Campylobacter verunreinigte Rohmilch war in Deutschland 2015 die mit Abstand häufigste zuordenbare Ursache für lebensmittelbedingte Krankheitsausbrüche. Dies geht aus dem ersten nationalen Bericht über lebensmittelbedingte Krankheitsausbrüche in Deutschland hervor.

Insgesamt 384 lebensmittelbedingte Krankheitsausbrüche wurden 2015 an das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) und das Robert Koch-Institut (RKI) gemeldet. Hierzu zählen Krankheitsausbrüche durch Infektionen mit bakteriellen, viralen oder parasitären Erregern sowie Lebensmittelvergiftungen durch vorwiegend mikrobielle Toxine. In Zusammenhang mit diesen Krankheitsausbrüchen erkrankten mindestens 2.072 Menschen. Außerdem wurden 224 Krankenhausaufenthalte mit den Krankheitsausbrüchen in Verbindung gebracht.

Lediglich 28 der 384 lebensmittelbedingten Krankheitsausbrüche konnten mit hoher Evidenz einem Lebensmittel zugeschrieben werden. Mit insgesamt 43 Prozent der Fälle (12/28 Ausbrüche) wurden die meisten Krankheitsausbrüche durch den Erreger Campylobacter in nicht abgekochter Rohmilch verursacht. Bei drei dieser Ausbrüche hatten Gruppen, unter anderem eine Schulklasse, Rohmilch vom Bauernhof getrunken. Vier weitere Ausbrüche wurden dadurch verursacht, dass Rohmilch von Rohmilchabgabeautomaten (sog. „Milchtankstellen“) nicht gemäß der Hinweise vor dem Verzehr erhitzt wurde. Aufgrund der zunehmenden Anzahl solcher Abgabeautomaten hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) 2016 noch einmal deutlich auf das Risiko hingewiesen, das der Verzehr nicht erhitzter Rohmilch mit sich bringt. Im Unterschied zu abgepackter Vorzugsmilch aus dem Handel, die nur für besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen (Säuglinge und Kleinkinder, ältere oder immungeschwächte Menschen) abgekocht werden sollte, empfiehlt das BfR, Rohmilch generell nicht ohne vorheriges Erhitzen zu verzehren.

Knapp jeder fünfte zuordenbare lebensmittelbedingte Krankheitsausbruch war auf Histamin zurückzuführen (5/28 Ausbrüche, 18 Prozent), das beispielsweise in Thunfisch vorhanden sein kann. Weitere Erreger und Agenzien waren Salmonellen (3/28 Ausbrüche, 11 Prozent), Bacillus cereus (2/28 Ausbrüche, 7 Prozent) sowie Staphylococcus aureus, Norovirus, Listeria monocytogenes, Trichinella, Clostridium perfringens und Ciguatoxin (jeweils ein Ausbruch, 4 Prozent).

Nicht selten sind von einem lebensmittelbedingten Krankheitsausbruch mehrere Menschen betroffen. Der Ausbruch mit den meisten Erkrankungsfällen wurde 2015 durch eine Infektion mit Listeria monocytogenes verursacht. Insgesamt 149 Kinder und 10 Erwachsene waren davon betroffen. Im Nachhinein wurden sehr hohe Konzentrationen von Listeria monocytogenes in einem von einem Caterer gelieferten Milchreis nachgewiesen.

Fachleute gehen davon aus, dass die 2015 gemeldeten 384 lebensmittelbedingten Krankheitsausbrüche nur die Spitze des Eisbergs darstellen. Daher fordern BVL und RKI gemeinsame, interdisziplinäre Untersuchungen der Krankheitsausbrüche durch die zuständigen Gesundheitsämter und Lebensmittelüberwachungsbehörden mit dem Ziel, die Ausbruchsursachen zu erkennen, geeignete Maßnahmen zu ergreifen und Empfehlungen auszusprechen, aktuelle Ausbrüche zu beenden und weitere Ausbrüche zu verhindern.

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verfasst von am 22. Februar 2017 um 08:06

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