Lebensmittelzutat mit Zukunft: Lupinen

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Dienstag, 4. November 2014

F√ľr die Entwicklung eines Verfahrens zur Gewinnung von Pflanzenprotein wurden Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts f√ľr Verfahrenstechnik und Verpackung (IVV) f√ľr den Deutschen Zukunftspreis 2014 nominiert. Lupinenprotein k√∂nnte aufgrund seiner besonderen Eigenschaften zuk√ľnftig von zunehmender Bedeutung f√ľr die menschliche Ern√§hrung werden.

Hinsichtlich der Ern√§hrung sieht sich die Weltgemeinschaft mit zwei Herausforderungen konfrontiert: Die Weltbev√∂lkerung w√§chst stetig, sodass mit der vorhandenen landwirtschaftlichen Nutzfl√§che immer mehr Menschen ern√§hrt werden m√ľssen. Zugleich √§ndern sich die Ern√§hrungsgewohnheiten in Schwellenl√§ndern derart, dass dort immer mehr tierische Lebensmittel verzehrt werden. Da zur Erzeugung von einem Kilogramm tierischen Proteins rund f√ľnfmal soviel Protein aus Pflanzen ben√∂tigt wird, versch√§rft dieser Trend die Weltern√§hrungssituation weiter.

Nicht zuletzt deshalb werben Vegetarierverb√§nde daf√ľr, √∂fter auf tierische Lebensmittel (allen voran Fleisch und Wurstwaren) zu verzichten, und das Sortiment pflanzlicher Ersatzprodukte w√§chst. Allein der weltweite Markt f√ľr Isolate aus Sojabohnen liegt bei ungef√§hr einer halben Milliarde Euro j√§hrlich. W√§hrend viele Vegetarier auf Sojaprodukte wie Tofuw√ľrstchen, Sojamilch, Sojajoghurt und Sojaaufstriche schw√∂ren, lassen sich ‚Äěechte‚Äú Fleischliebhaber nur schwer von diesen pflanzlichen Alternativen √ľberzeugen. Denn Sojabohnen besitzen einen intensiven Eigengeschmack, der nur durch starkes W√ľrzen √ľberdeckt werden kann. Hinzu kommen Unterschiede in der Konsistenz der Lebensmittel und Sorgen, dass zur Herstellung der Lebensmittel gentechnisch ver√§nderte Sojabohnen eingesetzt wurden oder f√ľr den Sojabohnenanbau Regenwald gerodet wurde.

Dr. Stephanie Mittermaier, Dr. Peter Eisner und Katrin Petersen vom Fraunhofer-Institut f√ľr Verfahrenstechnik und Verpackung (IVV) in Freising suchten daher nach einer alternativen pflanzlichen Proteinquelle ‚Äď und wurden bei der in Deutschland heimischen Lupine f√ľndig. Lupinen werden in Mitteleuropa traditionell als Vor- und Zwischenfrucht angebaut. Die Pflanze wurde nicht gentechnisch ver√§ndert und steht nicht in Konkurrenz zu Weizen, Mais, Raps und anderen Nutzpflanzen. Allerdings besitzen auch Lupinen einen Eigengeschmack, der bei Lebensmitteln als unangenehm empfunden werden k√∂nnte. Hier setzte die Forschung der Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts an. Sie entwickelten ein umweltvertr√§gliches Verfahren, mit dem unangenehme Geruchs- und Geschmacksstoffe in mehreren Schritten aus Lupinen entfernt werden. Das Ergebnis: pflanzliches Lupinenprotein, das fast neutral im Geschmack ist und sich daher als Ausgangsbasis f√ľr verschiedenste Lebensmittel eignet. Inzwischen haben die Wissenschaftler sich sogar an die Herstellung von Milchersatzprodukten aus Lupinen gewagt ‚Äď eine Art K√∂nigsdisziplin beim Ersatz von tierischen durch pflanzliche Proteine.

F√ľr die Weiterentwicklung und Vermarktung von Lebensmittelzutaten auf Lupinenbasis wurde vor vier Jahren die Firma Prolupin GmbH gegr√ľndet. Inzwischen werden dort Lupinen in gro√üem Stil verarbeitet, beispielsweise zu veganem Speiseeis.

Nun wurden die Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts neben zwei weiteren Forschungsgruppen f√ľr den diesj√§hrigen Deutschen Zukunftspreis nominiert. Der Preis des Bundespr√§sidenten f√ľr Technik und Innovation wird am 19. November in Berlin verliehen.

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verfasst von am 4. November 2014 um 10:03

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Ein Kommentar zu “Lebensmittelzutat mit Zukunft: Lupinen”

  1. Hallo,
    das ist ein interessantes Thema… Lupinen machen sich √ľbrigens auch die Hersteller von Formula-Di√§ten zu Nutze. Vor einiger Zeit hatte ich die Gelegenheit, ein Di√§t-Produkt auf Lupinenbasis zu testen. Beworben wurde es mit dem Gesundheitsweirt von Lupineneiwei√ü. Leider schmeckte es mir pers√∂nlich nicht, doch ich bin gespannt, wohin sich der Einsatz von Lupinen f√ľr unsere Ern√§hrung entwickeln wird.

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