Low fat, low sugar, low energy, …: Werbung mit niedrigen N√§hrstoffgehalten oft irref√ľhrend

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Dienstag, 9. Mai 2017

Die „Low fat“-Angabe auf einer Pizzaverpackung ist nicht unbedingt gleichbedeutend mit der „Low fat“-Angabe einer anderen Pizza oder eines anderen Lebensmittels. Dies beeintr√§chtigt laut einer aktuellen Studie Verbraucher darin, ern√§hrungsphysiologisch wertvolle Lebensmittel auszuw√§hlen.

Gesundheit, Convenience und Nachhaltigkeit: diese Kriterien bestimmen immer h√§ufiger unseren Lebensmitteleinkauf. L√§ngst hat auch die Ern√§hrungsindustrie auf die zunehmende Gesundheitsorientierung von Verbrauchern reagiert und viele Produkte mit n√§hrwert- und gesundheitsbezogenen Aussagen (sogenannten „Health Claims“) ausgestattet. Zwar existieren seit Inkrafttreten der Health Claims Verordnung 2007 Vorschriften, die bei der Verwendung von Begriffen wie „geringer Fett- oder Zuckergehalt“ („low fat/sugar“), „energie- oder salzreduziert“ eingehalten werden m√ľssen, diese Angaben beziehen sich allerdings auf ein „vergleichbares Lebensmittel“ und geben Herstellern damit einen gewissen Auslegungsspielraum. Ist die „low“-Kennzeichnung von Lebensmitteln damit tats√§chlich ein zuverl√§ssiges Kriterium zur schnellen Erkennung ern√§hrungsphysiologisch h√∂herwertiger Lebensmittel?

In einer Studie, deren Ergebnisse aktuell im „Journal of the Academy of Nutrition and Dietetics“ ver√∂ffentlicht wurde, analysierten amerikanische Wissenschaftler die Eink√§ufe von 40.000 US-amerikanischen Haushalten aus den Jahren 2008 bis 2012. Sie bestimmten den Anteil der Lebensmittel und Getr√§nke mit „low/no“-Kennzeichnung und Faktoren, die den Einkauf solcher Produkte beg√ľnstigten. Im Forschungsinteresse stand au√üerdem der Zusammenhang zwischen der Lebensmittelkennzeichnung (Produktversprechen) und dem tats√§chlichen N√§hrstoffgehalt.

Von den √ľber 80 Millionen dokumentierten gekauften Lebensmitteln und Getr√§nken trug mehr als jedes achte Lebensmittel (13 Prozent) und mehr als jedes dritte Getr√§nk (35 Prozent) eine „low“-Angabe, wobei dieser Anteil √ľber die Jahre hinweg stabil blieb. „Low-fat“-Kennzeichnungen waren am st√§rksten vertreten (10 Prozent der Lebensmittel, 19 Prozent der Getr√§nke), gefolgt von Angaben zu einem geringeren Energiegehalt (3 Prozent der Lebensmittel, 9 Prozent der Getr√§nke), einem geringeren Zuckergehalt (2 Prozent der Lebensmittel, 8 Prozent der Getr√§nke) und Angaben zum Salzgehalt (jeweils 2 Prozent). W√§hrend die ethnische Herkunft der K√§ufer die Entscheidung f√ľr den Kauf von Lebensmitteln mit „low“-Kennzeichnungen nicht signifikant zu beeinflussen scheint, stellten die Wissenschaftler fest, dass Menschen mit einem mittleren oder hohen Sozialstatus sich h√§ufiger f√ľr derart gekennzeichnete Lebensmittel entscheiden.

Und wie war es um die ern√§hrungsphysiologische Qualit√§t der „low“-Lebensmittel bestellt? Im Vergleich zu Lebensmitteln, die nicht mit einem niedrigen N√§hrstoffgehalt beworben wurden, hatten Lebensmittel mit „low“-Kennzeichnung zwar tats√§chlich im Mittel einen geringeren Energie-, Zucker-, Fett- beziehungsweise Salzgehalt, die einzelnen Produkte wiesen allerdings nicht unbedingt den besten N√§hrwert innerhalb ihrer Lebensmittelgruppe auf.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass bei den verpackten Nahrungsmitteln und Getr√§nken K√§ufe, die mit einer „low/no“-Kennzeichnung versehen sind, im Vergleich zu solchen mit nicht gekennzeichneten Produkten nicht notwendigerweise bessere Gesamtn√§hrstoffprofile oder sogar bessere Profile f√ľr die entsprechend beworbenen N√§hrstoffe aufweisen“, erkl√§rt die Studienleiterin Dr. Lindsey Smith Taillie, Assistenzprofessorin an der Universit√§t von North Carolina. Dies sei wahrscheinlich darauf zur√ľckzuf√ľhren, dass sich die Angaben zu einem „niedrigen“ oder „reduzierten“ N√§hrstoffgehalt auf bestimmte Marken oder Lebensmittelgruppen beziehen, so die Wissenschaftlerin. Daher kann es beispielsweise vorkommen, dass ein mit einem geringem Zuckergehalt beworbener Keks tats√§chlich weniger Zucker enth√§lt als seine „regul√§re“ Variante, was aber nicht bedeutet, dass andere Kekssorten einen geringeren Zuckergehalt besitzen. „Mit anderen Worten“, bemerkt Dr. Smith Taillie, „bedeutet eine „low/no“-Kennzeichnung Verschiedenes f√ľr verschiedene Lebensmittel.“ Dies k√∂nnte zu Verwirrung f√ľhren, wenn Verbraucher sich darauf konzentrieren, Produkte mit spezifischen N√§hrwertversprechen ausfindig zu machen oder die Angaben dazu verwenden, den Kauf von weniger gesunden Lebensmitteln zu rechtfertigen, meint Dr. Smith Taillie. „In der Tat deuten die Ergebnisse darauf hin (sind aber nicht schl√ľssig), dass in einigen F√§llen Produkte mit tendenziell hohem Kalorien-, Natrium-, Zucker- und Fettgehalt eher „low/no“-Kennzeichnungen tragen“, warnt Dr. Smith Taillie.

Als Kernfragen f√ľr zuk√ľnftige Forschungsprojekte sieht Dr. Smith Taillie den Einfluss dieser n√§hrwertbezogenen Versprechen auf Einkaufsentscheidungen der Konsumenten sowie die Untersuchung von Interaktionen zwischen „low/no“-Kennzeichnungen und anderen Strategien zur Beeinflussung des Einkaufsverhaltens wie Abverk√§ufe und Sonderangebote.

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verfasst von am 9. Mai 2017 um 09:13

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