Low Fat vs. Low Carb: Laut aktueller Studie unentschieden mit offenen Fragen

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Donnerstag, 3. Mai 2018

In einer aktuellen Studie waren die Ergebnisse nach einjähriger Low Carb- bzw. Low Fat-Diät vergleichbar. Die große Bandbreite der Gewichtsveränderungen der Probanden, die sich nicht durch genetische Unterschiede oder Unterschiede im Kohlenhydrat-/Insulinstoffwechsel erklären ließen, gibt den Wissenschaftlern neue Rätsel auf.

Wie lässt sich besser Gewicht abnehmen? Indem auf Fett oder auf Kohlenhydrate verzichtet wird? Während bei der Low Fat-Diät lediglich 10 bis 30 Prozent der aufgenommenen Energie aus Fett stammen sollte, wird bei der Low Carb-Diät die Kohlenhydrataufnahme (üblicherweise rund 50 Prozent der aufgenommenen Energie) in unterschiedlich starkem Umfang eingeschränkt. Ob eine der beiden Diäten bei der Gewichtsreduktion erfolgreicher ist, wird seit vielen Jahren kontrovers diskutiert. Unklar ist auch, inwieweit individuelle Faktoren, beispielsweise die genetische Veranlagung, der Kohlenhydrat-/Insulinstoffwechsel sowie die Besiedlung des Darms mit Mikroorganismen, den Erfolg von Abnehmkonzepten beeinflussen. „Wir haben alle Geschichten von einem Freund gehört, der eine Diät gemacht hat – es hat super geklappt – und dann hat ein anderer Freund die gleiche Diät versucht, und es hat überhaupt nicht funktioniert“, erläutert Prof. Christopher Gardner von der medizinischen Fakultät der Universität Stanford (USA). „Das liegt daran, dass wir alle sehr unterschiedlich sind, und wir beginnen gerade erst, die Gründe für diese Vielfalt zu verstehen. Vielleicht sollten wir nicht fragen, was die beste Diät an sich ist, sondern was die beste Diät für wen ist?“

Um mehr über den Zusammenhang zwischen verschiedenen Diäten, genetischen Dispositionen und dem Kohlenhydrat-/Insulinstoffwechsel zu verstehen, führten Gardner und seine Kollegen eine einjährige vergleichende Interventionsstudie durch, an der 609 18- bis 50-jährige übergewichtige Männer und Frauen (BMI zwischen 28 und 40 kg/m2) teilnahmen. Zu Beginn der Studie bestimmten die Wissenschaftler von allen Teilnehmern Varianten dreier Gene, die mit dem Fett- und Kohlenhydratstoffwechsel assoziiert sind. Außerdem wurde die Insulinsekretion nach oraler Glukosebelastung gemessen.

Die Probanden wurden nach dem Zufallsprinzip auf zwei Studiengruppen aufgeteilt. Die erste Gruppe sollte sich für ein Jahr nach den Prinzipien der Low Fat-Diät ernähren, während für die zweite Gruppe die Kriterien der Low Carb-Diät maßgebend waren. Zur Unterstützung der Ernährungsumstellung erhielten alle Probanden regelmäßige Schulungen, in denen auch auf die Bedeutung einer insgesamt gesunden und vollwertigen Ernährung Wert gelegt wurde, für die zum Beispiel der reichliche Verzehr von Gemüse sowie die Selbstzubereitung von Mahlzeiten bei Einschränkung des Verzehrs industriell verarbeiteter Lebensmittel charakteristisch ist.

Jede Gruppe startete mit einer achtwöchigen Einstiegsphase, in der die Probanden je nach Gruppe ihre Fett- beziehungsweise Kohlenhydrataufnahme auf maximal 20 Gramm täglich begrenzen sollten. Dies entspricht beispielsweise eineinhalb Scheiben Vollkornbrot pro Tag oder einer großen Handvoll Nüsse. Nach diesen acht Wochen sollten die Probanden schrittweise ihre Aufnahme von Fett oder Kohlenhydraten so lange erhöhen, bis sie ein Niveau erreicht hatten, das sie ihrer Meinung nach auf lange Sicht beibehalten konnten. Am Ende der einjährigen Studienphase verzehrten die Probanden der Low Fat-Gruppe durchschnittlich 30 Gramm weniger Fett als zu Beginn der Studie, und auch die Kohlenhydrataufnahme in der Low Carb-Gruppe hatte sich im Mittel um 115 Gramm reduziert.

Nach einem Jahr hatten die Teilnehmer der Low Fat-Gruppe im Schnitt 5,3 Kilogramm abgenommen, jene der Low Carb-Gruppe sogar 6,0 Kilogramm. Der Unterschied zwischen beiden Gruppen war allerdings statistisch nicht aussagekräftig, sodass laut dieser Studie keine der beiden Diäten überlegen ist. Auffällig ist indessen die große Schwankungsbreite der Gewichtsveränderungen. Während manche Probanden rund 27 Kilogramm in einem Jahr abgenommen hatten, nahmen andere sogar um 7 bis 9 Kilogramm zu. Beim Vergleich der Genprofile sowie des Glukose-/Insulinstoffwechsels fanden die Wissenschaftler keine Anhaltspunkte für einen Zusammenhang mit dem Erfolg der Gewichtsabnahme.„Diese Studie schließt die Tür bei einigen Fragen, aber sie öffnet neue Türen. Wir haben eine Menge Daten, die wir in sekundären explorativen Studien nutzen können“, stellt Gardner in Aussicht. Denkbar wären beispielsweise, dass epigenetische Unterschiede oder Unterschiede in der Darmbesiedlung mit darüber entscheiden, welches Abnehmkonzept sich für wen eignet.

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verfasst von am 3. Mai 2018 um 06:16

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