Macht Vollkorn schlank?

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Mittwoch, 3. Mai 2017

Durch eine Umstellung auf vollkornhaltige Lebensmittel steigt der Energieumsatz um rund 100 Kalorien pro Tag an. Vollkorn wirkt sich zudem günstig auf die Darmflora und das Immunsystem aus, wie eine aktuelle Studie zeigt.

Vollkornprodukte sind Produkte aus Getreide, das seine äußeren Randschichten und den Keimling behalten hat und daher mehr Vitamine der B-Gruppe, Eisen und Ballaststoffe enthält als geschältes, verarbeitetes Getreide. Aufgrund ihres höheren Ballaststoffgehalts werden Vollkornprodukte langsamer verdaut, der enthaltene Zucker wird über einen längeren Zeitraum freigesetzt und die Darmtätigkeit wird angeregt. In früheren Studien wurde gezeigt, dass Vollkornprodukte vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und weiteren chronischen Erkrankungen schützen können. Die zugrunde liegenden Mechanismen sind bislang allerdings nicht bekannt. Auch wird nach wie vor kontrovers diskutiert, inwieweit Vollkorn eine Gewichtsabnahme begünstigt.

Wissenschaftler des „Human Nutrition Research Centers on Aging“ an der Tufts-Universität (Boston) haben diese Fragestellungen in einer randomisierten, kontrollierten Interventionsstudie untersucht. Für ihre Studie konnten sie 49 Männer und 32 Frauen im Alter von 40 bis 65 Jahren gewinnen. Laut BMI (Body Mass Index, Körpermasseindex) war kein/e Proband/in adipös (fettleibig). Während der achtwöchigen Studienphase erhielten die Probanden sämtliche Mahlzeiten aus der Versuchsküche des Forschungszentrums, sodass die Wissenschaftler die aufgenommene Energie, enthaltene Nährstoffe und andere Inhaltsstoffe genau bestimmen konnten. Um eine Verfälschung der Ergebnisse zu vermeiden, wurden alle Probanden eindringlich gebeten, während des Studienzeitraums keine weiteren Lebensmittel zu sich zu nehmen.

In der ersten zweiwöchigen „Auswaschphase“ erhielten alle Probanden dasselbe Essen. Danach wurden die Probanden für die eigentliche Testphase nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen eingeteilt. Die Vollkorngruppe erhielt in den folgenden sechs Wochen alle Getreideprodukte in ihrer Vollkornvariante, also beispielsweise Vollkornbrot, Vollkornreis und Vollkornnudeln. Probanden der Kontrollgruppe verzehrten dagegen Getreideprodukte aus geschältem, verarbeitetem Getreide. Während dieser Testphase und danach nahmen die Wissenschaftler in regelmäßigen Abständen Stuhlproben zur Bestimmung von Darmbakterien, Botenstoffen und dem Gehalt kurzkettiger Fettsäuren. Die Wissenschaftler bestimmten außerdem das Körpergewicht und die Blutzuckerwerte aller Probanden sowie deren Stoffwechselrate.

Stoffwechselrate und Körpergewicht
Beim Vergleich der Stoffwechselrate zwischen der Vollkorn- und der Kontrollgruppe zeigte sich, dass die Probanden, die eine vollkornhaltige Kost erhielten, durchschnittlich pro Tag 100 Kalorien mehr umsetzten. Die Wissenschaftler führten dies auf einen erhöhten Grundumsatz und die bessere Darmtätigkeit der Probanden zurück. „Die zusätzlich verbrannten Kalorien entsprechen dem Effekt eines zügigen halbstündigen Walkings oder dem Verzicht auf einen leckeren Keks pro Tag“, erläutert Koautorin Dr. Susan Roberts. Der erhöhte Energieumsatz sei nicht auf die erhöhte Ballaststoffaufnahme der Vollkorngruppe zurückzuführen, betont Roberts. Denn der Effekt des Ballaststoffanteils sei zuvor bereits herausgerechnet worden. „Unsere Studie bestätigt damit frühere Hinweise, dass ein erhöhter Vollkorn- und Ballaststoffkonsum mit geringerem Körpergewicht und besserer Gesundheit verknüpft ist“, unterstreicht der Erstautor der Studie Dr. Phil Karl.

Darmflora und Immunsystem
Anhand der Stuhlproben der Probanden stellte sich heraus, dass die vollkornreiche Ernährung das Wachstum von entzündungsfördernden Bakterien im Darm hemmt. Stattdessen erhöhte sich der Anteil von Bakterien der Gattung Lachnospira, die kurzkettige Fettsäuren produzieren. In früheren Studien konnte gezeigt werden, dass kurzkettige Fettsäuren vor einer Erkrankung an Asthma schützen und die Reifung bestimmter Gehirnzellen beeinflussen. In der aktuellen Studie beobachteten die Wissenschaftler außerdem eine vergleichsweise höhere Aktivität der Immunzellen bei Teilnehmern der Vollkorngruppe. In ihrem Blut wurden mehr T-Gedächtniszellen nachgewiesen, und die Immunantwort auf bakterielle Proteine fiel aktiver aus. Dies stützt die Hypothese, dass sich eine vollkornreiche Ernährung positiv auf das Immunsystem auswirkt und die Entzündungsneigung dämpft. Allerdings sei dieser Effekt bei den gesunden Probanden nicht besonders groß gewesen, räumen die Autoren ein. Sie gehen aber davon aus, dass die immunologischen Effekte einer vollkornreichen Kost bei weniger gesunden Menschen möglicherweise stärker zum Tragen kommen.

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verfasst von am 3. Mai 2017 um 06:39

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