Mais: Gemüse des Jahres 2021/2022

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Dienstag, 9. Februar 2021

Moderner Maisanbau erfolgt heute überwiegend mit Hybridsorten. Mit der Ernennung von Mais zum Gemüse des Jahres möchte der Verein zu Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt (VEN) einen Beitrag zur Erhaltung der Sortenvielfalt von Mais leisten, die durch den Massenanbau von Hybridsorten bedroht wird.

Die Geschichte des Mais begann in der Zeit von 4000 bis 3000 v.Chr. in Mexiko, wo er aus Wildgräsern domestiziert und weiterentwickelt wurde. Der Mais wurde zunächst in Amerika, der „neuen Welt“, heimisch, bevor Christoph Kolumbus ihn 1493 nach Spanien brachte. Nach Deutschland kam der Mais allerdings nicht über die Alpen, sondern aus dem Vorderen Orient. Noch heute zeugen Namen wie „Türkisch Korn“ oder „Welschkorn“ von seiner Herkunft.

Mais zeichnet sich durch seine große Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche klimatische Bedingungen, seinen hohen Ertrag und die vielfältige Nutzbarkeit aus. Auch wenn er auf nährstoffreichen, humosen und lockeren Böden am besten gedeiht, wächst er auf fast allen Böden (eine Ausnahme bilden nasse und kalte Tonböden) und unter fast allen klimatischen Bedingungen. Aufgrund seines C4-Photosynthesestoffwechsels gelingt es Mais, die Sonnenenergie besonderes wirkungsvoll umzusetzen, Wasser und Kohlendioxid besser auszunutzen und damit höhere Erträge bei geringerem Ressourcenverbrauch zu erwirtschaften.

Mit einem Eiweißgehalt von etwa 9 Prozent und einem Fettgehalt von 3 bis 4 Prozent toppt Mais andere Getreidearten. Mais enthält kein Klebereiweiß (Gluten) und ist daher eine Getreidealternative für Menschen mit einer Zöliakie. Aufgrund des fehlenden Klebereiweißes sind die Backeigenschaften von Maismehl allerdings schlechter als die von Weizenmehl.

Von der weltweiten Maisernte des vergangenen Jahres wurden 15 Prozent direkt verzehrt, zwei Drittel (und damit mehr als viermal so viel) wurden an Tiere verfüttert und über ein Fünftel (21 Prozent) wurde verarbeitet oder anderweitig genutzt (beispielsweise als Glukosesirup, Tapetenkleister, für die Herstellung von Bioethanol oder Maischips zum Verpacken). Für Menschen in Afrika und Südamerika ist Mais nach wie vor das wichtigste Grundnahrungsmittel. Dagegen dienen in Deutschland 37 Prozent der Maisanbaufläche zur Produktion von Biogas.

Trotz der großen Sortenvielfalt wird heutzutage häufig Hybridmais angebaut, dessen Anbau einen höheren Ertrag verspricht, allerdings der Biodiversität schadet und aufgrund des hohen Pestizideinsatzes zu Unkrautresistenzen führen kann. Ein weiterer Nachteil besteht darin, dass das Saatgut der auf diese Weise erzeugten Pflanzen nicht nachbaubar ist und daher jedes Jahr neues Saatgut (mit den dazugehörigen Pestiziden) gekauft werden muss. Derzeit sind etwa ein Drittel der weltweit angebauten gentechnisch veränderten Pflanzen Maispflanzen. Die Mitglieder des VEN bemühen sich, lokal gezüchtete, samenfeste Sorten zu erhalten und freuen sich über Interessenten, die ebenfalls eine Maissorte in ihrem Garten anbauen möchten.

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verfasst von am 9. Februar 2021 um 09:48

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