Mediterrane Ernährung fördert gesundes Altern

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Donnerstag, 26. März 2020

In einer multinationalen Studie konnte eine Ern√§hrung nach mediterranem Vorbild den Abbau kognitiver F√§higkeiten und die zunehmende Gebrechlichkeit mit voranschreitendem Alter eind√§mmen. Beteiligte Wissenschaftler f√ľhren dies auf eine positive Ver√§nderung der Darmflora zur√ľck.

Mit dem Alter verschlechtert sich eine Vielzahl von K√∂rperfunktionen, und die Anzahl entz√ľndlicher Prozesse, die in ihrer Summe die Entstehung von Gebrechlichkeit beg√ľnstigen, nimmt zu. √Ąltere, gebrechliche Menschen haben h√§ufig wenig Appetit und ern√§hren sich einseitig. Zugleich geht eine einseitige Ern√§hrung laut Studien mit einer Ver√§nderung der Zusammensetzung der Darmflora einher. Dagegen wirkt sich die Einhaltung einer Mediterranen Ern√§hrung (Mittelmeerkost) g√ľnstig auf die Gesundheit aus, indem beispielsweise das Risiko f√ľr Herz-Kreislauf-Erkrankungen gesenkt und entz√ľndlichen Prozessen entgegengewirkt wird.

Vor diesem Hintergrund untersuchten Wissenschaftler aus Frankreich, Italien, den Niederlanden, Polen und dem Vereinigten K√∂nigreich, wie sich die Mediterrane Ern√§hrung auf die Darmflora von Senioren auswirkt, und ob durch diese Ern√§hrungsweise die Erhaltung oder gar Vermehrung von Bakterienarten gef√∂rdert wird, die mit einem „gesunden Altern“ in Verbindung gebracht werden.

An der Studie nahmen 612 √§ltere Menschen im Alter von 65 bis 79 Jahren teil. Etwa ein Drittel der Probanden war bereits zu Beginn der Studie gebrechlich oder befand sich am Rande der Gebrechlichkeit, die anderen Probanden zeigten keine Anzeichen einer Gebrechlichkeit. Gut die H√§lfte der Probanden (323 Probanden) wurden dazu angehalten, sich im Beobachtungszeitraum von einem Jahr nach den Prinzipien einer altersadaptierten Mediterranen Ern√§hrung zu ern√§hren, also reichlich Obst und Gem√ľse, N√ľsse, H√ľlsenfr√ľchte, Oliven√∂l und Fisch zu verzehren und auf rotes Fleisch sowie Lebensmittel mit ges√§ttigten Fetten m√∂glichst zu verzichten. Die anderen 289 Probanden sollten ihre bisherige Ern√§hrungsweise beibehalten. Zu Beginn der Studie und nach einem Jahr wurde die Zusammensetzung der Darmflora der Probanden analysiert.

Ein Jahr sp√§ter beobachteten die Wissenschaftler erfreuliche Ver√§nderungen der Darmflora bei den Probanden der Mediterranen Ern√§hrungsgruppe: Der altersbedingte Verlust der Bakterienvielfalt wurde einged√§mmt und die Anzahl von Bakterien, die in fr√ľheren Studien mit einer geringeren Gebrechlichkeit in Verbindung gebracht wurden, hatte sogar zugenommen. Unter den vermehrt anzutreffenden Darmbakterien waren Arten, welche g√ľnstige kurzkettige Fetts√§uren bilden. Dagegen hatte die Anzahl von Bakterien, die an der Synthese bestimmter Gallens√§uren beteiligt sind, abgenommen. Eine √úberproduktion dieser Gallens√§uren erh√∂ht die Gefahr von Zellsch√§den, einer Fettleber, Insulinresistenz und Darmkrebs. Dar√ľber hinaus sorgten die nun vermehrt vorkommenden g√ľnstigen Bakterien f√ľr ein stabiles „Darm√∂kosystem“, indem sie die mit Gebrechlichkeit assoziierten Mikroben verdr√§ngten.

Diese g√ľnstigen Effekte f√ľhrten die Wissenschaftler haupts√§chlich auf die erh√∂hte Aufnahme von Ballaststoffen sowie Vitaminen und Mineralstoffen (insbesondere Vitamin C, B6 und B9 sowie Kupfer, Kalium, Eisen, Mangan und Magnesium) zur√ľck.

Ob allerdings tats√§chlich die Mediterrane Ern√§hrung diese g√ľnstigen Effekte bewirkt hat, k√∂nnen die Wissenschaftler nicht mit Bestimmtheit sagen, da einige Zielgr√∂√üen der Studie nur abgeleitet und nicht direkt gemessen werden konnten. Auch in anderen Bereichen besteht weiterhin Forschungsbedarf. „Das Zusammenspiel von Ern√§hrung, Mikrobiom und Wirtsgesundheit [gemeint ist der Mensch] ist ein komplexes Ph√§nomen, das von mehreren Faktoren beeinflusst wird“, schreiben sie. „W√§hrend die Ergebnisse dieser Studie einige der Regeln dieses Drei-Wege-Zusammenspiels beleuchten, k√∂nnen verschiedene Faktoren wie Alter, Body-Mass-Index, Krankheitsstatus und anf√§ngliche Ern√§hrungsgewohnheiten eine Schl√ľsselrolle bei der Bestimmung des Erfolgs dieser Interaktionen spielen.“

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verfasst von am 26. März 2020 um 07:02

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