Mit Achtsamkeitstraining gegen riskanten Alkoholkonsum

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Donnerstag, 28. September 2017

Nach einer elfmin√ľtigen Achtsamkeits-basierten Trainingseinheit, verbunden mit der Ermunterung diese √úbung regelm√§√üig durchzuf√ľhren, tranken Menschen mit riskantem Alkoholkonsum in der darauffolgenden Woche deutlich weniger Alkohol als die Kontrollgruppe mit Entspannungstechniken.

Im Mittelpunkt der Achtsamkeit steht die Beachtung des Moments (das „hier“ und „jetzt“), ohne ihn zu bewerten, und die k√∂rperliche und geistige Anwesenheit. Was zun√§chst einmal trivial und selbstverst√§ndlich klingt, ist es f√ľr viele Menschen nicht (mehr), denn oftmals sind wir zwar k√∂rperlich anwesend, h√§ngen mit den Gedanken aber in der Vergangenheit oder sind unserer Zeit gedanklich voraus. Durch Achtsamkeitstrainings oder -meditationen sollen Zufriedenheit und Freude am Leben gesteigert werden, es kann bei der Stressbew√§ltigung helfen und wird als Bestandteil Psychotherapien eingesetzt.

Wissenschaftler des University Colleges London haben nun untersucht, ob ein kurzes Achtsamkeitstraining auch Menschen mit riskantem Alkoholkonsum helfen kann, ihr Verlangen nach Alkohol besser zu kontrollieren. An der Studie nahmen 68 M√§nner und Frauen mit riskantem Alkoholkonsum teil, das hei√üt einem w√∂chentlichen Alkoholkonsum von mindestens 170 Gramm (ca. 8 Flaschen Bier) bei M√§nnern beziehungsweise 110 Gramm (ca. 5 Flaschen Bier) bei Frauen. Voraussetzung f√ľr die Teilnahme an der Studie war eine Vorliebe f√ľr Bier. Alle Probanden waren nicht alkoholabh√§ngig und hatten keine psychische St√∂rung.

Zun√§chst f√ľhrten die Wissenschaftler verschiedene psychophysiologische Tests durch, um das Verlangen der Probanden nach Alkohol (den sogenannten Alkoholdruck) zu bestimmen. Danach wurden die Probanden nach dem Zufallsprinzip auf zwei Gruppen verteilt.

Die Teilnehmer der Interventionsgruppe wurden im Rahmen einer speziellen, elfmin√ľtigen Achtsamkeits-basierten Therapie angeleitet, auf ihr Verlangen nach Alkohol und entsprechende k√∂rperliche Symptome zu achten, ohne diese zu bewerten. Durch das bewusste Registrieren des Verlangens sollten sie in die Lage versetzt werden, nicht mehr reflexartig auf dieses zu reagieren und so wieder mehr Kontrolle √ľber ihren K√∂rper zu erhalten. Die Teilnehmer der Kontrollgruppe erhielten dagegen Entspannungs√ľbungen, die vermeintlich helfen sollten, k√∂rperliche und geistige Spannungen abzubauen ohne daf√ľr auf Alkohol zur√ľckgreifen zu m√ľssen. Beide Verfahren wurden als Audioaufnahme √ľber Kopfh√∂rer abgespielt. Im Anschluss daran wurden alle Probanden gebeten, f√ľr die ihnen ausgeh√§ndigte Audio-Anleitung und entsprechendes √úbungsmaterial t√§glich mindestens 15 Minuten einzuplanen.

Eine Woche sp√§ter wurden die Probanden erneut untersucht. Der Vergleich zwischen beiden Gruppen ergab, dass die Probanden √§hnlich h√§ufig ge√ľbt hatten und ihre jeweilige Methode in Bezug auf Glaubw√ľrdigkeit und Zielf√ľhrung vergleichbar einstuften. Unterschiede zeigten sich allerdings hinsichtlich des Alkoholdrucks der Probanden. Dieser war in beiden Gruppen gesunken, jedoch in der Kontrollgruppe mit den Entspannungs√ľbungen tendenziell etwas st√§rker. Umso √ľberraschender war es, dass der tats√§chliche Alkoholkonsum in der Gruppe mit der Achtsamkeits-basierten Intervention mit 74 Gramm pro Woche st√§rker zur√ľckgegangen war als in der Kontrollgruppe (Reduktion um 24 Gramm pro Woche).

„Wir haben festgestellt, dass eine sehr kurze, einfache Achtsamkeits√ľbung starken Alkoholtrinkern helfen kann, ihren Alkoholkonsum zu drosseln, und die Vorteile kamen schnell zum Tragen“, fasst Dr. Sunjeev K. Kamboj, Erstautor der Studie, die k√ľrzlich online im International Journal of Neuropsychopharmacology ver√∂ffentlicht wurde, zusammen.

Die Ergebnisse der aktuellen Studie erscheinen besonders interessant, da das Achtsamkeitstraining Menschen mit riskantem Alkoholkonsum mit vergleichsweise geringem Aufwand dabei helfen k√∂nnten, wieder Kontrolle √ľber ihren Alkoholkonsum zur√ľckzugewinnen und sie dadurch davor sch√ľtzen k√∂nnte, tiefer in die Alkoholsucht abzurutschen. Interventionen bei alkoholkranken Menschen sind dagegen bislang selten erfolgreich. Die Wissenschaftler hoffen nun, dass ihre Ergebnisse in weiteren Studien reproduziert werden und w√ľnschen sich weitere Erkenntnisse dar√ľber, wie das Achtsamkeitstraining in der Praxis am effektivsten gestaltet werden kann. Zuk√ľnftig wollen die Forscher auch mit der Frage befassen, ob und inwieweit eine Achtsamkeits-basierte Therapie bei Menschen mit anderem Suchtmittelmissbrauch wirksam ist.

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verfasst von am 28. September 2017 um 07:41

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