Mit dynamischen Preisreduzierungen gegen Lebensmittelverschwendung

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Donnerstag, 26. September 2019

In einem Pilotprojekt testet die niederl√§ndische Supermarktkette Albert Heijn, wie sich das Abfallaufkommen und der Warenumsatz ver√§ndern, wenn die Preise f√ľr Lebensmittel mit geringer verbleibender Haltbarkeit dynamisch reduziert werden. F√ľr Supermarktkunden winken Preisnachl√§sse um bis zu 60 Prozent.

Dass in Deutschland (wie auch in vielen anderen europ√§ischen Staaten) zu viele Lebensmittel weggeworfen werden, ist l√§ngst keine Neuigkeit mehr. Doch die Strategien, dagegen vorzugehen, werden immer raffinierter ‚Äď und technikaffiner. So setzt die niederl√§ndische Supermarktkette Albert Heijn seit diesem Jahr auf k√ľnstliche Intelligenz im Kampf gegen Lebensmittelverschwendung. Lebensmittel, deren Haltbarkeitsdatum kurz bevorsteht, werden automatisch um 10 bis 60 Prozent im Preis reduziert, wobei der genaue Wert durch einen von dem israelischen Start-Up-Unternehmen ‚ÄěWasteless‚Äú entwickelten Algorithmus ermittelt wird. In die Rechenformel gehen √ľber drei Dutzend Informationen ein, wie zum Beispiel die verbleibenden Tage bis zum Ablauf des Haltbarkeitsdatums, Wetterdaten, Rabattangebote, historische Verkaufsdaten und Werbeangebote der Konkurrenz. Daher ist das dynamische Preissystem beispielsweise in der Lage, bei einem drohenden Wetterumschwung mit Regen den Preis f√ľr Grillfleisch stark zu reduzieren, das bei normalem Preis wom√∂glich sonst zum Ladenh√ľter werden w√ľrde. Au√üerdem lernt das System durch die Analyse neu gesammelter Daten st√§ndig dazu. So soll f√ľr jedes Produkt zu jedem Zeitpunkt der Preis ermittelt werden, der dessen Abverkauf optimiert. Idealerweise werden deutlich weniger Lebensmittel weggeworfen ‚Äď und der Supermarkt freut sich √ľber zus√§tzliche Ums√§tze.

M√∂glich wird dies durch elektronische Preisschilder, die neben dem Normalpreis in einem separaten Feld auf Spezialpreise f√ľr die Ware mit kurzer Haltbarkeit hinweisen. In den Balkencodes der verpackten Lebensmittel werden zus√§tzlich Informationen zur Haltbarkeit der Lebensmittel gespeichert, sodass die Rabatte an der Kasse automatisch abgezogen werden k√∂nnen.

Das neue Verfahren st√∂√üt nicht nur auf Gegenliebe. Verbrauchersch√ľtzer bef√ľrchten, dass damit tankstellen√§hnliche Verh√§ltnisse mit st√§ndigen Preisschwankungen in Superm√§rkte einziehen. Bei Albert Heijn sind allerdings nur Preisreduzierungen vorgesehen, der Normalpreis bleibt konstant. Auch f√ľr den Supermarkt selbst ist das System nicht ohne Risiken. Wenn beispielsweise Kunden nur noch auf Schn√§ppchenjagd gehen und nicht reduzierte Ware liegen lassen, k√∂nnte dies zu Umsatzeinbu√üen f√ľhren. Die Ergebnisse eines Testlaufs in Spanien erscheinen jedoch vielversprechend. Hier wurde das Abfallaufkommen nach drei Wochen um ein Drittel gesenkt, wobei zugleich der Umsatz um immerhin 6,3 Prozent anstieg.

Albert Heijn testet das System zun√§chst f√ľr Gefl√ľgel- und Fischprodukte in einer Filiale. Bei positivem Ergebnis sollen die Produktpalette erweitert werden und mehr Filialen hinzukommen. In Deutschland setzten Superm√§rkte bislang √ľberwiegend auf manuelle Preisreduzierungen, beispielsweise in Form von Rabattaufklebern. Auf eine Anfrage der Zeitung ‚ÄěWelt‚Äú im Juni 2019, ob die Supermarktkette Edeka plane, auf den Zug der dynamischen Preisreduzierungen aufzuspringen, wollte man sich dazu in Hamburg „aus Wettbewerbsgr√ľnden“ nicht √§u√üern.

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verfasst von am 26. September 2019 um 06:53

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