Muttermilch für kluge Kinder

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Freitag, 10. Februar 2012

Muttermilch gilt als optimale Säuglingsnahrung während der ersten Lebensmonate. Sie ist auf den Nährstoffbedarf des Säuglings abgestimmt, die enthaltenen Inhaltsstoffe sind gut verfügbar und leicht verdaulich. Außerdem schützt Muttermilch das Neugeborene vor akuten Erkrankungen und vor Übergewicht. Forscher aus Großbritannien kennen noch einen weiteren Vorteil: Ehemals gestillte Kinder sollen ihrer Studie zufolge Flaschenkindern in ihrer kognitiven Entwicklung voraus sein.

Babyflasche
© nerissa's ring

Stillen hat gegenüber Flaschennahrung zahlreiche Vorteile.

In York wertete eine Gruppe von Wissenschaftlern um Prof. Dr. Amanda Sacker die Daten von 11.879 Eltern-Kind-Paaren aus. Die Forscher interessierten sich in erster Linie für die Ernährung der Säuglinge im ersten Lebensjahr (Stillen ja/nein, Stilldauer) sowie die kognitive Entwicklung des Kindes. Hierfür wurden verschiedene Tests mit den inzwischen fünfjährigen Kindern durchgeführt. Geprüft wurden der Wortschatz der Kinder und ihre Fähigkeit, Muster zu konstruieren und ähnliche Bilder zu erkennen.

Bei ihren Auswertungen haben die Forscher soziale und ökonomische Unterschiede zwischen stillenden und nicht stillenden Müttern und deren Familien herausgerechnet. Berücksichtigt wurden zum Beispiel Schul- und Berufsausbildung der Mutter, Einkommen sowie Tabak- und Alkoholkonsum während der Schwangerschaft.

Es zeigte sich, dass vormals gestillte Kinder ihren gleichaltrigen ehemaligen Flaschenkindern in ihrer kognitiven Entwicklung überlegen waren: Reif Geborene, die mindestens sechs Monate gestillt worden waren, waren in ihrem Wortschatz etwa zwei bis drei Monate weiter als nie gestillte Kinder. Kürzer gestillte Säuglinge hatten ebenfalls einen, wenn auch geringer ausgeprägten Vorsprung (ein bis zwei Monate). Auch in den anderen Bereichen konnten die gestillten Kinder punkten: Bereits ab einer Stilldauer von zwei Monaten waren die Kinder den nicht gestillten Gleichaltrigen um zwei bis drei Monate in Bezug auf die Erkennung ähnlicher Bilder und ca. einen Monat bei der Konstruktion von Mustern voraus.

Noch deutlicher profitierten Frühchen (1) von Muttermilch: Kinder, die früher mindestens ein halbes Jahr gestillt worden waren, hatten im Vergleich zu nie gestillten Frühchen einen Vorsprung von fünf Monaten bezüglich ihres Wortschatzes, sechs bis acht Monaten bei der Erkennung ähnlicher Bilder und drei bis vier Monaten bei der Konstruktion von Mustern.

Wie lassen sich diese Unterschiede erklären? Die Wissenschaftler vermuten, dass bestimmte Inhaltsstoffe in der Muttermilch die geistige Entwicklung des Kindes fördern. Im Gespräch sind vor allem die langkettigen, mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Zwar werden inzwischen auch einige Säuglingsanfangsnahrungen mit langkettigen, mehrfach ungesättigten Fettsäuren angereichert, diese sind allerdings möglicherweise weniger wirksam als die in Muttermilch enthaltenen. Muttermilch enthält außerdem Wachstumsfaktoren und Hormone, die an der Entwicklung des kindlichen Gehirns beteiligt sein könnten. Es wird auch spekuliert, dass Flaschenkinder vergleichsweise häufiger an Infektionen erkranken und dies Auswirkungen auf die Geschwindigkeit der geistigen Entwicklung haben könnte.

Zu diesen biochemisch-physiologischen Erklärungsversuchen kommt ein nicht zu vernachlässigender emotionaler Aspekt hinzu. Vielleicht fördert auch der intensive Kontakt zwischen Mutter und Kind während des Stillens, das gegenseitige physische und soziale Geben und Nehmen und das Gefühl der Geborgenheit den Lernfortschritt des Kindes. Wie dem auch sei – die Ergebnisse sprechen eindeutig für das Stillen des Nachwuchses in den ersten vier bis sechs Monaten.

(1) 778 der Kinder waren Frühchen (geboren in der 28-36. Schwangerschaftswoche), die anderen Kinder kamen ungefähr zum normalen Termin (37.-42. Schwangerschaftswoche) zur Welt.

Quelle:
M.A. Quigley, C. Hockley, C. Carson, Y. Kelly, M. Renfrew, A. Sacker (2012): Breastfeeding is associated with improved child cognitive development: A population-based cohort study. The Journal of Pediatrics 160:25-32

verfasst von am 10. Februar 2012 um 07:44

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