Nährwertangaben: immer beliebter, aber vielfach missverstanden

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Dienstag, 3. Mai 2016

Im Wettbewerb um Konsumenten nutzen Lebensmittelhersteller gezielt freiwillige N√§hrwertangaben auf der Verpackungsvorderseite. Kurioserweise verkaufen sich insbesondere die aus ern√§hrungsphysiologischer Sicht ung√ľnstigeren Lebensmittel mit N√§hrwertangabe besser. Denn viele Verbraucher achten nicht auf den feinen Unterschied.

An der Universit√§t von G√∂ttingen werteten Wissenschaftler Daten zum Lebensmitteleinkauf in √ľber 1.500 britischen Superm√§rkten √ľber einen zweij√§hrigen Zeitraum aus. In diese Zeit fiel auch die Einf√ľhrung freiwilliger N√§hrwertangaben auf der Vorderseite von Lebensmittelverpackungen. Im Gegensatz zu den bald gesetzlich vorgeschriebenen N√§hrwertangaben auf der R√ľckseite der Packung k√∂nnen die Hersteller hier die Portionsgr√∂√üe, auf die sich die N√§hrwertangaben beziehen, nach ihrem Gusto beliebig w√§hlen. Was liegt da n√§her, als bei ern√§hrungsphysiologisch ung√ľnstigeren Produkten die Portionsgr√∂√üe m√∂glichst klein zu halten, um die Wettbewerbsf√§higkeit eines Lebensmittels zu erh√∂hen?! Und: Wie reagieren die K√§ufer auf die Schummelei?

Dies untersuchten die Wissenschaftler um Dr. Ossama Elshiewy. F√ľr ihre Auswertung nutzten sie die Verkaufszahlen von insgesamt 61 gesunden und ungesunden Lebensmitteln, darunter Joghurts und Kekse. Sie stellten fest, dass das Absatzvolumen eines Lebensmittels nach der Einf√ľhrung der freiwilligen N√§hrwertangaben auf der Verpackungsvorderseite umso st√§rker anstieg, je geringer die zugrunde gelegte Portionsgr√∂√üe der N√§hrwertangaben war. „Viele Konsumenten bewerten ein Produkt offenbar ausschlie√ülich nach der angegebenen Kalorienzahl oder anderen N√§hrwerten und ignorieren dabei die Vergleichsbasis pro Portion„, folgert Dr. Ossama Elshiewy. Demnach dienen diese N√§hrwertangaben weniger der Aufkl√§rung der Verbraucher, sondern vielmehr der Produktvermarktung, so die Wissenschaftler.

Ein genauerer Blick auf die Lebensmittel offenbarte au√üerdem, dass bei tendenziell ern√§hrungsphysiologisch ung√ľnstigeren Lebensmitteln kleinere Portionsgr√∂√üen gew√§hlt wurden. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass kleinere Portionsangaben die Verbraucher, die N√§hrwertinformationen als Richtlinie nutzen, in die Irre f√ľhren k√∂nnen und somit f√ľr diese Gruppe eine Gefahr in Bezug auf ihre Ern√§hrungsgewohnheiten darstellen„, warnt Dr. Elshiewy. Gemeinsam mit seinen Kollegen fordert er eine Standardisierung der Portionsgr√∂√üen. Einstweilen bleibt dem kritischen Verbraucher nur der Blick auf die R√ľckseite der Verpackung. Auch wenn die gesetzliche Regelung erst Ende 2016 in Kraft tritt, befinden sich hier bereits bei vielen Produkten N√§hrwerttabellen mit Angaben pro 100 Gramm beziehungsweise 100 Milliliter eines Lebensmittels, die so einen direkten Vergleich erm√∂glichen.

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verfasst von am 3. Mai 2016 um 07:50

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