Neugeborenen-Check: Später adipös oder nicht?

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Montag, 17. Dezember 2012

Online-Rechner macht Vorhersage

Schnell, kostengünstig und mit nur wenigen Daten – Forscher haben eine Formel entwickelt, mit der sich im Voraus sagen lässt, ob ein Neugeborenes später fettleibig sein wird. Mit etwa 80-prozentiger Sicherheit erlaubt die Kombination einiger gut bekannter Risikofaktoren diese Aussage.

Adipöse Kinder haben im Vergleich zu normalgewichtigen ein erhöhtes Diabetes-Risiko und erkranken später häufiger an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. „Wenn ein kleines Kind erst einmal adipös ist, tut es sich schwer wieder abzunehmen“, sagt  Phillippe Froguel, der am London Imperial College den Lehrstuhl für Genom-Medizin leitet. Deshalb ist Prävention seiner Meinung nach die beste Strategie, und sie sollte früh ansetzen.

Baby wird gefüttert.

Früh ansetzende Maßnahmen könnten eine Adipositas verhindern.

Zusammen mit einem Forscherteam formulierte Froguel besagte Gleichung. Dazu bestimmten die Wissenschaftler anhand von Angaben aus einer finnischen Langzeitstudie zunächst die belangvollsten Faktoren, die eine Fettleibigkeit begünstigen. Auf der Grundlage dieser Faktoren stellten sie eine Gleichung auf. Im Anschluss daran überprüften sie die Aussagekraft der Gleichung mit den Daten einer italienischen und denen einer amerikanischen Studiengruppe, um die Übertragbarkeit und den Effekt kultureller Einflüsse einschätzen zu können.

Die Treffsicherheit war in allen drei Studiengruppen gut. Gleichzeitig raten die Forscher zu lokalen Anpassungen, da dies die Gleichung genauer mache. Genetische Faktoren wurden wegen ihres geringen Beitrags nicht berücksichtigt. Eine gute Vorhersage erlaubte vor allem der Body-Mass-Index der Eltern. Weiter flossen das Geburtsgewicht, die Anzahl der Haushaltsmitglieder, der Berufsstand der Mutter und das mütterliche Rauchverhalten während der Schwangerschaft in die Formel ein (zur Formel).

Die Prävention soll nach Position der Forscher über die Eltern umgesetzt werden. Eltern Neugeborener seien vergleichsweise aufgeschlossen für gesundheitliche Empfehlungen, meinen sie. Es gehe keineswegs darum, das Baby auf Diät zu setzen. Vielmehr sollte ein Überfüttern vermieden werden. Wesentlich dafür sei, dass Eltern erkennen, wann das Baby satt ist. Stillen trage dazu bei, Übergewicht zu vermeiden. Wenn später feste Kost eingeführt wird, sollten die Baby-Mahlzeiten in ihrer Zusammensetzung und Größe den Empfehlungen entsprechen. Fernsehen und süße Getränke seien zu vermeiden. Auch sollte Essen nicht mit einer Belohnung verbunden werden.

Mit den Neugeborenen, deren via Formel geschätztes Risiko größer als 75 Prozent ist, werden wahrscheinlich über zwei Drittel der zukünftig adipösen Kinder erfasst. Wenn diese Interventionen erhalten würden, die in der Hälfte der Fälle wirksam wären, dann würde das das Auftreten der Adipositas um gut ein Drittel senken, schätzen die Forscher. Sie weisen darauf hin, dass die Formel allerdings nicht alle gefährdeten Kinder ausweise und raten aus diesem Grund zu Nachkontrollen der Gewichtsentwicklung.

Quellen einblenden

  • Morandi A, Meyre D, Lobbens S, Kleinman K, Kaakinen M, et al. (2012) Estimation of Newborn Risk for Child or Adolescent Obesity: Lessons from Longitudinal Birth Cohorts. PLoS ONE 7(11): e49919. doi:10.1371/journal.pone.0049919
  • Kelland K, Casciato P: (Reuters, 28.11.2012): Simple formula can predict child obesity risk at birth.

verfasst von am 17. Dezember 2012 um 14:09

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