Obst und Gemüse: Schönheitsfehler haben ihren Preis

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Dienstag, 4. April 2017

Würden Sie auch Obst oder Gemüse kaufen, das in seiner Größe, Form oder Farbe von der Norm abweicht? Für die Mehrheit der Verbraucher ist der Preis das entscheidende Argument, wie eine aktuelle Umfrage offenbart.

Das Analytikunternehmen Blue Yonder hat 2000 Konsumenten aus dem Vereinigten Königreich, den USA, Frankreich und Deutschland dazu befragt, ob und unter welchen Bedingungen sie dazu bereit wären, mangelhaftes Obst und Gemüse einzukaufen.

Die Bereitschaft, Obst und Gemüse mit „Schönheitsfehlern“ einzukaufen, hängt unter anderem von der Einkaufsstätte ab. Grundsätzlich sind vier von fünf Supermarkt- und Discounterkunden (81 Prozent) dazu bereit, allerdings nur jeder zweite Onlinekäufer (51 Prozent).

Schönheitsfehler in der Obst- und Gemüseauslage haben allerdings ihren Preis: Neun von zehn Befragten wünschen sich in diesem Fall Rabatte als Kaufanreiz, wobei die Vorstellung über angemessene Preisnachlässe variiert. Drei von fünf Kunden plädieren für mindestens 20 Prozent Rabatt, jeder achte Kunde würde erst bei einem Preisnachlass von mindestens 50 Prozent zuschlagen. Von kleineren Preisnachlässen lassen sich insbesondere die US-Amerikaner überzeugen. 74 Prozent der US-Amerikaner, also drei von vier Befragten, würden sich für mangelhaftes Obst und Gemüse entscheiden, wenn dieses mit zwanzigprozentigem Rabatt angeboten würde. Hierzulande würden 67 Prozent der Deutschen das rabattierte Obst und Gemüse kaufen, in Frankreich 59 Prozent und im Vereinigten Königreich lediglich 46 Prozent, also knapp die Hälfte der Befragten. Möglicherweise ist dies auch ein Resultat der deutschen und französischen Kampagnen zur Verbesserung der Akzeptanz von Obst und Gemüse mit Schönheitsfehlern und Verringerung von Lebensmittelabfällen.

Die Akzeptanz von Obst und Gemüse, das nicht der Norm entspricht, variiert mit dem Alter und dem Geschlecht der Kunden. Im Allgemeinen sind jüngere Kunden toleranter. Besonders kritisch scheint dagegen die Generation 55+ zu sein. Zwei von fünf Befragten dieser Altersgruppe (42 Prozent) gibt an, den Kauf von fehlerhaftem Obst und Gemüse nicht einmal in Erwägung zu ziehen. Außerdem haben Männer in dieser Beziehung mehr Vorbehalte als Frauen: Gut jeder fünfte Mann (21 Prozent), aber nur jede sechste Frau (17 Prozent), spricht sich dagegen aus, fehlerhaftes Obst und Gemüse aus dem Supermarkt oder Discounter zu kaufen.

Einzelhandelsdirektor Matt Hopkins von Blue Yonder erläutert: „Die Diskontierung von unvollkommenen Produkten hilft, das Abfallproblem in der Lieferkette zu überwinden. Um jedoch einen wirklichen Einfluss auf die Abfallreduzierung zu haben, müssen die Einzelhändler die Nachfrage nach Produkten – ob mangelhaft oder nicht – verstehen, um genau die richtige Menge an ‚unvollkommenem‘ versus ‚perfektem‘ Obst und Gemüse bereitzuhalten. Es wäre sinnlos, Abfälle in der Lieferkette zu reduzieren, wenn die Einzelhändler die Produkte schließlich aus den Supermarktregalen/Verteilungszentren entsorgen müssten.“ „Die Ergebnisse zeigen auch“, fährt Hopkins fort, „dass eine genaue Preisherabsetzung erforderlich ist, um unvollkommenes Obst und Gemüse erfolgreich zu verkaufen. Die Festlegung von Preisen für ‚unvollkommene Früchte und Gemüse‘ versus ‚perfekte Früchte und Gemüse‘ wird die Komplexität und Anzahl der Entscheidungen in einer Welt, in der Lebensmittelgeschäfte bereits jetzt kämpfen, um Schritt zu halten, erhöhen“ Abhilfe könnten moderne Algorithmen des maschinellen Lernens bieten, die laut Hopkins zugleich Preis und Nachschub optimieren. Sie helfen Einzelhändlern, die richtige Menge an mangelhaftem und erstklassigem Obst und Gemüse zu bevorraten, das Lager rechtzeitig wieder aufzufüllen und keine Einbußen des Profits zu riskieren.

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verfasst von am 4. April 2017 um 06:04

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