Perinatale Prägung: Gesunde Ernährung sollte bereits in der Schwangerschaft beginnen

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Freitag, 6. Oktober 2017

Bereits im Mutterleib und w√§hrend der Stillzeit werden die Weichen f√ľr sp√§tere Erkrankungen wie √úbergewicht, Typ-2-Diabetes und Fettstoffwechselst√∂rungen gestellt. Auf einer Tagung der Deutschen Gesellschaft f√ľr Ern√§hrung (DGE) referierten Experten √ľber den Einfluss der m√ľtterlichen Ern√§hrung und gaben entsprechende Tipps.

personenfotos_debinet

Ist eine werdende Mutter √ľbergewichtig, erh√∂ht sich auch das Risiko ihres Kindes, sp√§ter √ľbergewichtig zu werden, und zwar um das Zwei- bis Dreifache. Mittlerweile gibt es belastbare Belege f√ľr diesen Zusammenhang, berichtet Professor Berthold Koletzko, Kinder- und Jugendarzt an der Maximilians-Universit√§t M√ľnchen. Ob Organe wie die Leber etwa ein Leben lang gut funktionieren, werde laut Koletzko √ľberraschend fr√ľh sozusagen programmiert ‚Äď und k√∂nne durch die Ern√§hrung der Mutter teils sogar schon bei der Ausbildung der Eizelle beeinflusst werden. Schleichen sich bei der (werdenden) Mutter Fehler in der Ern√§hrung ein, k√∂nnte dies langfristige Folgen f√ľr die Gesundheit der Kinder nach sich ziehen, beispielsweise die Entstehung von Krankheiten wie Typ-2-Diabetes oder √úbergewicht beg√ľnstigen. Daher empfiehlt Koletzko schwangeren Frauen und jungen M√ľttern, auf folgende drei Punkte zu achten: das eigene K√∂rpergewicht im Griff zu haben, Fisch zu essen und zu stillen. Dies sei ohnehin der beste Schutz vor Krankheiten, Unterversorgung oder Diabetes und zudem f√∂rderlich f√ľr die Entwicklung des Gehirns, betont Koletzko.

Weitere Hinweise zur Ern√§hrung w√§hrend der Schwangerschaft und im ersten Lebensjahr des Kindes gibt Maria Flothk√∂tter vom Netzwerk „Gesund ins Leben“ im Bundeszentrum f√ľr Ern√§hrung (Bonn). „Nicht mehr, aber besser“ sollten sich manche schwangere Frauen ern√§hren. Gesundheitsf√∂rderlich seien insbesondere pflanzliche Lebensmittel wie Obst und Gem√ľse, Vollkornprodukte sowie Fisch und Milchprodukte. Entscheidend f√ľr „die besten Startchancen f√ľr lebenslange Gesundheit“ sei au√üerdem ausreichend Bewegung – bereits in der Schwangerschaft.

Die Empfehlung des Volksmundes, in der Schwangerschaft mengenm√§√üig „f√ľr zwei zu essen“ h√§lt Prof. J√∂rg D√∂tsch, leitender Kinder- und Jugendarzt an der Uni-Kinderklinik K√∂ln, f√ľr keinen guten Ansatz. „Nat√ľrlich muss die Mutter zunehmen, aber kalkuliert“, stellt D√∂tsch klar. Zu viel zu essen sei ein Problem, zu wenig aber auch. Eine vegane Ern√§hrung sollte w√§hrend der Schwangerschaft nur unter √§rztlicher Kontrolle erfolgen, warnt D√∂tsch. Und bereits bei der weniger restriktiven vegetarischen Ern√§hrungsweise empfiehlt er fachliche Begleitung. „Es ist nach wie vor schwer zu kalkulieren, wann das Kind welche N√§hrstoffe braucht“, erl√§utert D√∂tsch.

Zwar waren sich alle Experten einig darin, den Druck auf werdende M√ľtter nicht weiter erh√∂hen zu wollen. Dennoch gebe es aber wohl keine Zeit im Leben, in der man mit Ern√§hrungstipps auf so offene Ohren sto√üe wie w√§hrend der Schwangerschaft und im ersten Lebensjahr des Kindes, vermutet Prof. Grimm von der baden-w√ľrttembergischen Sektion der Deutschen Gesellschaft f√ľr Ern√§hrung. Eltern seien nie wieder so bereit, etwas an ihren Ern√§hrungs- oder Lebensgewohnheiten zu √§ndern, wie in der Zeit der Schwangerschaft und direkt danach. Mit Pr√§ventionsma√ünahmen bis zur Kita zu warten sei „zu sp√§t“, erg√§nzt D√∂tsch. Wer da schon zu dick sei, habe ein 80-Prozent-Risiko, ein Leben lang so zu bleiben.

verfasst von am 6. Oktober 2017 um 06:27

Was ist das?

DEBInet-Ern√§hrungsblog - √ľber uns

Unsere Autoren schreiben f√ľr Sie √ľber Aktuelles und Wissenswertes aus Ern√§hrungswissenschaft und Ern√§hrungsmedizin. Die redaktionell aufbereiteten Texte richten sich nicht nur an Experten, sondern an alle, die sich f√ľr das Thema "Ern√§hrung" interessieren.

Sie k√∂nnen sich die Beitr√§ge per Newsletter zuschicken lassen oder diese √ľber RSS-Feed oder Twitter abonnieren.

F√ľr die Schriftenreihe der Gesellschaft f√ľr Rehabilitation bei Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten e.V. (GRVS) wurden 222 unserer Blog-Artikel ausgew√§hlt. Das dabei entstandene Ern√§hrungs-Lesebuch ist 2017 im Pabst Science Publishers Verlag erschienen und steht Ihnen hier kostenlos zum Download zur Verf√ľgung

Der "DEBInet-Ernährungsblog"
ist ein Projekt der


© 2010-2019 Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

- noch keine Kommentare -

Kommentar abgeben