Personenwaagen: Vielversprechend oder viel versprechend?

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Dienstag, 4. Februar 2014

Alle Jahre wieder nimmt das Abnehmen einen Spitzenplatz unter den Vorsätzen für das neue Jahr ein. Wichtiger Verbündeter im Kampf gegen die überflüssigen Kilos ist die Personenwaage zuhause. Möglichst zuverlässig sollte sie sein und evtl. auch gleich den Körperfettanteil mit messen. Die Stiftung Warentest ermittelt…

Im Test standen 19 Personenwaagen mit einem Preis von 13 bis 150 Euro. Drei der Waagen funktionierten mechanisch, die überwiegende Mehrheit elektronisch. Mit elf Geräten war außerdem eine Körperfettanalyse möglich.

Körperfettwaage
© exercism

Wie wurde getestet? Die Prüfer der Stiftung Warentest ermittelten mit Hilfe von vier Gewichten (20 bis 140 Kilogramm) die Abweichung jeder Waage zum Maßgewicht. Jeder Versuch wurde fünfmal wiederholt. Die Messgenauigkeit wurde bestimmt, indem 100 Gramm-Zusatzgewichte als Zulage verwendet wurden. Außerdem wurden Abweichungen beim Wiegen auf geneigter Fläche ermittelt.

Für die Prüfung der Körperfettanalyse wurden die Messergebnisse von je 16 Männern und Frauen mit den Referenzwerten eines medizinischen Analysesystems (Bioimpedanzanalyse mit Messung von Hand zu Fuß) verglichen.

Die gute Nachricht zuerst: Fast alle Personenwaagen zeigten das Gewicht treffsicher an. Ein Erfolg des technischen Wandels, glaubt Stephan Scherfenberg von der Stiftung Warentest. „Es gibt noch ein paar mechanische Waagen, aber die eindeutige Mehrheit ist digital. Diese haben auch den Vorteil, dass sie deutlich genauer wiegen – so auf 100 Gramm genau messen die fast alle.“ Voraussetzung für gute Messergebnisse ist der richtige Standort der Waage. Der Untergrund sollte fest und eben sein. Ansonsten drohen erhebliche Abweichungen des Gewichts (im Test bis zu 32 Kilogramm), da die Wiegezellen sich bei digitalen Personenwaagen in den Standfüßen befinden. Für vergleichbare Ergebnisse sollte man sich -dies ist allseits bekannt- stets unter den gleichen äußeren Bedingungen wiegen, zum Beispiel morgens direkt nach dem Aufstehen und/oder Entleerung der Blase.

Bei der Körperfettanalyse indessen konnte keine der Personenwaagen überzeugen. Die Messwerte wichen oft stark vom tatsächlichen Fettgehalt ab. Auch zwischen den Waagen gab es erhebliche Unterschiede, beispielsweise zeigte eine Waage einen Körperfettgehalt von 17 Prozent, die nächste maß 35 Prozent bei derselben Person. Für die Stiftung Warentest ist das Problem systembedingt. „Die Personenwaagen in unserer Untersuchung haben alle nur Fußelektroden. Durch diese Fußelektroden fließt ein schwacher, kaum wahrnehmbarer Strom in den Körper. Dieser fließt allerdings meist nur durch die Beine, das Bauchfett wird somit überhaupt nicht erfasst. Und da sitzt ja gerade bei den meisten Menschen der Speck.“ Als Folge bekommen Menschen mit schlanken Beinen und dickem Bauch (Apfeltyp) tendenziell ein zu gutes Ergebnis. Schade, denn gerade diese Figur birgt ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Doch sind Körperfettanalysen zuhause überhaupt notwendig? Die Prüfer sind da skeptisch: „Eigentlich gibt es keinen Grund, warum jeder jeden Tag sein Körperfett analysieren müsste. Aber in der Fitnesswelle gibt es natürlich Bestrebungen, dass Menschen ihren Erfolg dadurch zeigen wollen, dass das Körperfett gesunken ist.“ Die Stiftung Warentest empfiehlt Menschen mit Übergewicht, ihren Bauchumfang beim Arzt bestimmen zu lassen oder auch nach entsprechender Anleitung selbst zu kontrollieren

Generell gilt: Schwangere und Träger von Herzschrittmachern sollten Waagen mit Körperfettanalyse nicht verwenden.

Geprüft wurden außerdem Handhabung, Kippsicherheit, Rutschfestigkeit und die Dauerbelastungsfähigkeit (3500 Messungen).

Ergebnis: Mit einem Preis von 30 Euro lag der Testsieger im unteren Bereich. Sparsam und trotzdem gut ist die Personenwaage einer Drogeriekette (15 Euro), die gut wiegt, deren Körperfettanalyse aber ebenso wenig zu empfehlen ist wie die der anderen Waagen.

Quellen einblenden

  • D. Nürnberger (2014): Personenwaagen: Gewicht und Körperfett im Blick. Deutschlandfunk, Beitrag vom 06.01.2014
  • Stiftung Warentest (2014): Personenwaagen: Die besten für Kontrolleure, Bequeme und Nostalgiker. Beitrag vom 02.01.2014

verfasst von am 4. Februar 2014 um 08:04

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