Placebo-Effekt wirkt auch bei Sport

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Donnerstag, 27. Juli 2017

Die Einschätzung der eigenen Sportlichkeit, antizipierte positive gesundheitliche Auswirkungen und der Glaube an hilfreiche Sportprodukte können das Anstrengungserleben bei sportlichen Aktivitäten beeinflussen. Vielleicht sollten wir Sporteinsteigern viel mehr zur Verwendung von Funktionskleidung etc. raten?

An der Albert-Ludwigs-Universit√§t Freiburg haben Wissenschaftler Faktoren untersucht, die Einfluss darauf haben, wie anstrengend eine Sporteinheit empfunden wird. F√ľr die Studie baten Diplompsychologe Hendrik Mothes und seine Kollegen 78 Frauen und M√§nner im Alter von 18 bis 32 Jahren, ihre eigene sportliche Leistungsf√§higkeit einzusch√§tzen. Danach wurden die Probanden in vier Gruppen eingeteilt. Vor der folgenden 30-min√ľtigen Sporteinheit erhielten alle Probanden Kompressionsshirts eines bekannten Sportartikelherstellers. Au√üerdem zeigten die Wissenschaftler einzelnen Gruppen Kurzfilme, in denen entweder die gesundheitlichen Effekte des anstehenden Ergometertrainings besonders betont oder die Erwartungen eher ged√§mpft wurden. Je nach Gruppenzugeh√∂rigkeit wurden auch die von den Probanden getragenen Kompressionsshirts beschrieben: In einem Kurzfilm wurde ihre (angeblich) unterst√ľtzende Wirkung bei der Radfahraktivit√§t gelobt, w√§hrend in anderen Filmen nur erw√§hnt wurde, dass dadurch das Schwitzen der Probanden besser vergleichbar w√ľrde. „Was die Teilnehmenden dabei nicht ahnten, war, dass auf diese Weise ihre Erwartungen an das nachfolgende Radfahren beeinflusst werden sollten“, erl√§utert Mothes r√ľckblickend. W√§hrend der folgenden Sporteinheit wurden alle Probanden in f√ľnfmin√ľtigen Abst√§nden gefragt, wie anstrengend sie das Training aktuell erlebten.

Ganz im Sinne sich selbst erf√ľllender Prophezeiungen zeigten die Ergebnisse, dass das Anstrengungsempfinden des Trainings bei den Probanden geringer war, wenn sie davon ausgingen, dass es ihnen gesundheitlich gut tat. Dieser Effekt nahm mit der selbst eingesch√§tzten Sportlichkeit der Probanden weiter zu. Dagegen waren positive gesundheitliche Erwartungen unter den Probanden, die sich eher als unsportlich einstuften, weitgehend wirkungslos. Unabh√§ngig davon, ob in dem zuvor gesehenen Film von einem gesundheitlichen Nutzen die Rede war oder die Erwartungen ged√§mpft wurden: Das Training war und blieb f√ľr die Gruppe der Probanden mit geringerer sportlicher Leistungsf√§higkeit anstrengend. Dagegen war der Glaube an eine unterst√ľtzende Wirkung des getragenen Kompressionshirts in dieser Gruppe entscheidend: „Allein der Glaube daran, dass das Kompressionsshirt ihnen hilft, verhalf den ‚ÄöUnsportlichen‘ zu geringerem Anstrengungserleben w√§hrend der Sportaktivit√§t“, erl√§utert Mothes.

Mothes und seine Kollegen sehen in ihren Ergebnissen einen weiteren Beleg f√ľr die Pr√§senz eines Placebo-Effekts beim Sporttreiben. Dabei scheint es wichtig zu sein, was man √ľber die eigene sportliche Leistungsf√§higkeit, Sport an sich und dessen gesundheitliche Wirkungen denkt. „Nicht zuletzt zeigen die Befunde eindrucksvoll f√ľr alle, die sich nicht f√ľr eine Sportskanone halten: Entsprechende Produkte k√∂nnen Sport tats√§chlich angenehmer machen, wenn man ‚Äönur‘ daran glaubt“, frohlockt Mothes.

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verfasst von am 27. Juli 2017 um 09:13

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