Positiver Nebeneffekt: Intervallfasten verbessert Lernen und Gedächtnisleistung

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Donnerstag, 15. Februar 2018

Intermittierendes Fasten stimuliert die Entwicklung von Nervenzellen und fördert das Lernen und die Gedächtnisbildung. Ob und wieweit diese aktuellen Forschungsergebnisse aus einem Tierversuch auch auf Menschen übertragbar sind, ist allerdings noch nicht geklärt.

Ob intermittierendes Fasten oder Intervallfasten – gemeint ist dasselbe: Im Unterschied zum „normalen“ Fasten wird nur für einen kürzeren, wiederkehrenden Zeitraum auf die Nahrungsaufnahme verzichtet (zum Beispiel über Nacht für 16 Stunden oder für einen Tag). Kalorienfreie Getränke wie Wasser und ungesüßter Tee dürfen weiter getrunken werden. Intervallfasten soll nicht nur zur Gewichtsabnahme führen, sondern auch das Tumorwachstum verlangsamen, vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ 2-Diabetes schützen und das Leben verlängern. Die meisten Studien zu den gesundheitlichen Vorteilen des Intervallfastens wurden allerdings an Tieren durchgeführt. Daher lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen, inwieweit die beobachteten positiven Effekte des Intervallfastens auch für Menschen gelten.

Vor kurzem berichtete der Wissenschaftler Dr. Mark Mattson vom Nationalen Institut für Altersforschung in Baltimore im Interview mit der britischen Zeitung Daily Mail nun von neuen Forschungsergebnissen in Bezug auf die kognitive Leistungsfähigkeit. Gemeinsam mit seinen Kollegen untersuchte er die Auswirkungen des Intervallfastens auf Lernprozesse und das Gedächtnis. Für die Studie ließen die Wissenschaftler Mäuse an jedem zweiten Tag fasten. In Verhaltenstests stellten die Forscher fest, dass die fastenden Tiere im Vergleich zu den nicht fastenden Kontrolltieren aufmerksamer waren und besser lernten. Durch das Intervallfasten stieg die Konzentration eines Proteins namens „brain-derived neutrophic factor“ (kurz BDNF) auf das 1,5-fache an. BDNF stimuliert das Wachstum und die Weiterentwicklung neuer Nervenzellen, neuronaler Bahnen und Synapsen. Mattson und seine Kollegen führen den BDNF-Anstieg auf das Intervallfasten zurück. Nach 10 bis 14 Stunden Nahrungskarenz nutzt der Körper seine Fettreserven zur Energiegewinnung. Aus dem Fettabbau gelangen immer mehr Ketonkörper in das Blut. „Ketone wirken direkt auf die Nervenzellen und stimulieren die Produktion von BDNF – einem Schlüsselprotein für das Wachstum von Neuronen – und können helfen, Kognition, Lernen und Gedächtnisaufbau zu optimieren“, erläutert Dr. Mattson. Allerdings blieb dieser positive Effekt nur ein bis zwei Wochen bestehen. „Es ist ein wenig wie bei der Bewegung“, veranschaulicht Dr. Mattson. „Wenn Sie nicht aktiv bleiben, verlieren Sie die Auswirkungen.“

Genügt es nicht auch, insgesamt weniger zu essen, anstatt regelmäßig Fastentage einzulegen? Diese Frage wird von Dr. Mattson klar verneint. Denn auch eine vergleichsweise geringe Energieaufnahme verteilt auf drei tägliche Mahlzeiten reiche aus, um die Energiespeicher der Leber wieder aufzufüllen und den Fettabbau damit zu verhindern. „So können sechs Stunden zwischen den Mahlzeiten vergehen, aber das ist nicht genug, um den Ketonkörperspiegel zu erhöhen“, erklärt Dr. Mattson. In Tierstudien wie seiner seien die Vorteile des Fastens „unabhängig von der gesamten Kalorienzufuhr“, sagt er, aber der „metabolische Wechsel von der Glukose zur Verstoffwechslung von Ketonen ist unserer Meinung nach sehr wichtig für die Gesundheit“. Das entscheidende Neuronenwachstum fände zwar in der „Ruhephase“ zwischen den Fastentagen statt, aber auch die Fastentage selbst bringen mentale Vorteile mit sich. So waren die Mäuse in der aktuellen Studie während des Fastens wacher und zeigten mehr Aktivität in Bereichen ihres Gehirns, die für das Lernen und das Gedächtnis verantwortlich waren. Letztendlich sei dies eine wichtige Überlebensfunktion, die möglicherweise auch für den Menschen überlebenswichtig war. „Man würde annehmen, dass Menschen, deren Gehirne in Fastenzeiten nicht gut funktionierten, in der Evolution wahrscheinlich nicht überleben hätten“, meint Dr. Mattson, „also haben wir uns daran angepasst, intermittierend zu essen, und es ist wichtig, dass das Gehirn gut funktioniert – vielleicht sogar optimal, wenn wir längere Zeit nicht essen konnten.

Ein 1:1 Fasten, bei dem auf jeden Tag mit Nahrungsaufnahme ein Fastentag folgt, würde wahrscheinlich heutzutage bei Menschen nicht funktionieren, räumt Dr. Mattson ein. Der Wissenschaftler könnte sich aber vorstellen, dass das zunehmend beliebte 5:2 Intervallfasten, bei dem auf fünf Tage mit Nahrungsaufnahme 2 Fastentage folgen, ähnliche wünschenswerte Effekte zeigt.

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verfasst von am 15. Februar 2018 um 07:16

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