Prost!

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung ErnĂ€hrung und Gesundheit

Dienstag, 17. Juni 2014

Ein Bier zum WM-Spiel muss schon sein. Oder zwei. Oder drei
? Im Hinblick auf den Alkoholkonsum nimmt Europa die Spitzenposition unter allen Regionen weltweit ein und auch im LĂ€ndervergleich mĂŒssen wir uns nicht verstecken, wie der kĂŒrzlich veröffentlichte Statusreport der Weltgesundheitsorganisation WHO zeigte. Fragt sich nur: Wie erstrebenswert ist diese Spitzenposition?

im Fußballstation mit Bier

© JasonParis

FĂŒr den Bericht zu Alkohol und Gesundheit 2014 wurden Daten aus 194 MitgliedslĂ€ndern der Vereinten Nationen zusammengestellt und vergleichend analysiert. Alle Angaben beziehen sich auf die Jahre 2008 bis 2010, stimmen aber zumindest fĂŒr Deutschland auch gut mit den Angaben der Deutschen Hauptstelle fĂŒr Suchtfragen fĂŒr 2012 ĂŒberein.

Nach Angaben der WHO nimmt jeder Deutsche ĂŒber 15 Jahren durchschnittlich 11,8 Liter reinen Alkohol pro Jahr zu sich – so viel, wie in gut 500 Flaschen Bier (zu je einem halben Liter) enthalten ist. Die tatsĂ€chlichen Mengen pro alkoholkonsumierender Person liegen höher, da bei dieser Berechnung nicht berĂŒcksichtigt wurde, dass manche BĂŒrger ganz auf Alkohol verzichten. Mit einer Durchschnittsmenge von 16,8 Litern Alkohol pro Jahr trinken MĂ€nner mehr als doppelt so viel Alkohol als Frauen (7 Liter). Bei der Auswahl der GetrĂ€nke decken sich die Vorlieben der Deutschen weitgehend mit den Klischees: Über die HĂ€lfte des Alkohols in Deutschland (53,6 Prozent) wird in Form von Bier getrunken, gefolgt von Wein (27,8 Prozent) und harten GetrĂ€nken (18,6 Prozent).

Mit seinem jĂ€hrlichen Pro-Kopf-Verbrauch von 11,8 l positioniert sich Deutschland im globalen Vergleich ziemlich weit vorne: Mehr Alkohol als hierzulande wird unter anderem in Frankreich, Finnland, der Ukraine und Russland getrunken. An der Spitze der LĂ€nder steht Weißrussland mit einem jĂ€hrlichen Alkoholkonsum von sage und schreibe 17,5 Litern.

Ein Vergleich der Zahlen des weltweiten jĂ€hrlichen Alkoholkonsums, der bei 6,2 Litern reinem Alkohol liegt, mit dem europĂ€ischen Durchschnitt (10,9 Liter) lĂ€sst schon ahnen, welche Faktoren den Alkoholkonsum eines Landes beeinflussen: die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes, Kultur, Politik und sicher auch die VerfĂŒgbarkeit von Alkohol. Allgemein gilt: Je grĂ¶ĂŸer der wirtschaftliche Wohlstand eines Landes ist, desto mehr Alkohol wird konsumiert und desto geringer ist der Anteil derjenigen, die auf Alkohol verzichten.

Die Prognosen fĂŒr die Entwicklung des Alkoholkonsums bis zum Jahr 2025 variieren zwischen den LĂ€ndern: FĂŒr Europa wird ein leichter RĂŒckgang des Alkoholkonsums erwartet, zugleich werden die Menschen in China und Indien wohl mehr Alkohol trinken als heute.

Alkohol tötet

© Rennett Stowe

Die WHO warnte erneut vor den gesundheitlichen und sozialen Konsequenzen von ĂŒbermĂ€ĂŸigem Alkoholkonsum. Weltweit ist fast jeder sechzehnte Todesfall (5,9 Prozent) auf Alkohol zurĂŒckzufĂŒhren. Exzessives Trinken erhöht das Risiko fĂŒr ĂŒber 200 Erkrankungen. Hierzu zĂ€hlen Lebererkrankungen und Krebs, aber auch Tuberkulose, LungenentzĂŒndungen und weitere Infektionskrankheiten. Laut WHO zĂ€hlt jeder sechste Alkoholkonsument zu den sogenannten „Kampftrinkern“, die in kurzer Zeit große Mengen Alkohol bis hin zum völligen Kontrollverlust trinken.

Angesichts dieser Zahlen forderte die WHO eine VerstĂ€rkung der Maßnahmen gegen Alkoholmissbrauch weltweit. „Es muss mehr getan werden, um die Bevölkerung vor den negativen Folgen des Alkoholkonsums zu schĂŒtzen“, fordert Oleg Chestnow, Leiter der WHO-Abteilung fĂŒr nichtĂŒbertragbare Krankheiten und psychische Gesundheit bei der Vorstellung des WHO-Reports in Genf. Im GesprĂ€ch sind unter anderem eine Erhöhung der Steuern auf alkoholische GetrĂ€nke sowie eine stĂ€rkere Regulierung des Marktes fĂŒr Alkoholisches.

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verfasst von am 17. Juni 2014 um 06:49

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3 Kommentare zu “Prost!”

  1. Dominik sagt:

    Problematisch sehe ich den Alkoholkonsum vor allem in jungen Jahren. Immer mehr Jugendliche (zum Teil eigentlich noch Kinder!) trinken regelmĂ€ĂŸig Alkohol. Und das oftmals nicht in geringen Mengen, getrunken wird bis zum Erbrechen oder teilweise sogar bis zum Koma. FĂŒr junge Menschen ist Alkohol noch viel schĂ€dlicher als fĂŒr den Erwachsenen, da die Entwicklung noch nicht vollstĂ€ndig abgeschlossen ist. Körper und Gehirn können irreparabel geschĂ€digt werden. Alkohol wirkt in jungen Körper stĂ€rker und schneller als bei Ă€lteren Menschen. Die Folge sind stĂ€rkere RauschzustĂ€nde und ein erhöhtes Komarisiko. Ich persönlich wĂŒrde das Alkoholverbot generell auf 18 Jahre rauf setzen und bin fĂŒr strengere Kontrollen in Bars und Diskotheken.

  2. Hermann Kux sagt:

    Schön und gut dieser Aufsatz dass nicht zuviel Bier und andere alkoholische GetrĂ€nke getrunken werden sollen. Wieviel ist denn eigentlich „gesund“ ? Es gibt ja den Spruch „Rotwein ist fĂŒr alte Knaben eines von den schönsten Gaben“. Ist er richtig ? In welchem Masse ?

    • Christina BĂ€chle sagt:

      Sehr geehrter Herr Kux,

      sie haben Recht: wenn Alkohol in geringen Mengen verzehrt, werden ihm gefĂ€ĂŸschĂŒtztende Wirkungen nachgesagt. Der gesundheitliche „Nutzen“ von Alkohol ist allerdings umstritten, da mit dem Alkoholkonsum das Krebsrisiko ansteigt. Deshalb rĂ€t die Deutsche Gesellschaft fĂŒr ErnĂ€hrung ausdrĂŒcklich davon ab, tĂ€glich Alkohol zu trinken. Als maximal tolerierbare Aufnahmemenge nennt die DGE 20 Gramm Alkohol pro Tag fĂŒr MĂ€nner und 10 Gramm Alkohol pro Tag fĂŒr Frauen. Als Faustregel kann man sich an der „GlĂ€ser-Regel“ orientieren: 1 Glas Bier, Wein oder Schnaps enthĂ€lt etwa 10 Gramm Alkohol. Es sollte also möglichst bei einem „GlĂ€schen in Ehren“ bleiben…

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