Quetschies: Baby-Fast Food in der Kritik

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung ErnĂ€hrung und Gesundheit

Mittwoch, 8. Mai 2019

Die Stiftung Kindergesundheit rĂ€t ausdrĂŒcklich vom Verzehr von Fruchtzubereitungen aus Quetschbeuteln ab. Die sogenannten Quetschies sind nicht nur teuer und mĂŒlllastig, sie enthalten auch viel Energie und Zucker, was die Entstehung von Übergewicht und Karies fördert. Außerdem kann das Erlernen des Essens vom Löffel und des Kauens und Beißens fester Lebensmittel erschwert werden.

Die scheinbaren Vorteile von Quetschies liegen auf der Hand: Schon kleine Kinder können die Extraportion Obst selbst halten und dank des Saugaufsatzes schnell und unproblematisch austrinken ohne sich zu verschlucken oder etwas zu verschĂŒtten. In Quetschies steckt „100% Frucht“ „ohne Zuckerzusatz“, was viele Eltern annehmen lĂ€sst, dass es sich dabei um einen gesunden Snack handelt. Doch ist dies tatsĂ€chlich so?

Die Stiftung Kindergesundheit warnt mit deutlichen Worten vor dem Konsum von Quetschies. Verglichen mit normalem Obst enthalten Quetschies extrem viele Kalorien und viel Zucker. In vielen Produkte steckt sogar mehr Zucker als in Cola. Da der in Quetschies enthaltene Zucker ĂŒberwiegend oder sogar vollstĂ€ndig aus dem Zucker der verwendeten Fruchtzubereitungen stammt, dĂŒrfen Quetschies die Aufschrift „ohne Zuckerzusatz“ tragen, selbst wenn das Produkt zum Beispiel durch Zugabe von konzentriertem Fruchtmus oder Fruchtsaft zusĂ€tzlich gesĂŒĂŸt wurde. „Dies kann bei Eltern fĂ€lschlicherweise den Eindruck erwecken, es wĂŒrde sich um ein zuckerarmes Produkt handeln“, warnt Prof. Berthold Koletzko, Stoffwechselexperte der UniversitĂ€ts-Kinderklinik MĂŒnchen und Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit. „Aber nicht nur ‚zugesetzter Zucker’, sondern vor allem auch der Gesamtzuckergehalt ist verantwortlich fĂŒr unerwĂŒnschte gesundheitliche Auswirkungen beim Kind.“

HĂ€ufig enthalten Quetschies FruchtsĂ€uren wie zum Beispiel Zitronensaftkonzentrat, um die Haltbarkeit zu verlĂ€ngern. Doch die SĂ€ure kann den pH-Wert des Speichels vermindern und damit den Zahnschmelz anfĂ€lliger fĂŒr Karies machen. Dies gilt umso mehr, wenn Kinder an Quetschies nuckeln, da das FruchtpĂŒree und damit Zucker und FruchtsĂ€ure die ZĂ€hne dann lĂ€nger umspĂŒlen. Verglichen mit frischem Obst enthalten die meisten Quetschies ĂŒbrigens aufgrund der Erhitzung bei der Herstellung und lĂ€ngeren Lagerung wenig Vitamin C, auch wenn hĂ€ufig mit dem Vitamin C-Gehalt geworben wird. Hinzu kommt, dass das trinkfertige FruchtpĂŒree durch seine Konsistenz schnell in den Darm gelangt und diesen ĂŒberfordern kann. Dies kann bei kleinen Kindern zu Bauchschmerzen, DurchfĂ€llen und BlĂ€hungen fĂŒhren.

Der hĂ€ufige Verzehr von Quetschies kann sich zudem negativ auf die Essfertigkeiten und Lebensmittelakzeptanz von SĂ€uglingen auswirken. „Wenn SĂ€uglinge Beikost vorwiegend durch das Saugen aus einem Beutel aufnehmen, kann dadurch das Lernen des Essens von einem Löffel bzw. von festeren NahrungsstĂŒcken aus der Hand verzögert und erschwert werden“, gibt Prof. Koletzko zu bedenken. Außerdem kann das Erkunden der Nahrung mit den Lippen, der Zunge und den HĂ€nden sowie das EinĂŒben des Kauens und Beißens nachteilig beeinflusst werden, so Koletzko. „Das kann dazu fĂŒhren, dass das Kind spĂ€ter festere Nahrung wie GemĂŒse und Obst ablehnt“. FĂŒttern Eltern dagegen ihre Kinder mit dem Löffel oder isst es Nahrung aus der Hand, fördert dies die Kommunikation zwischen Eltern und Kind. Das Kind beobachtet, was und wie Eltern und Geschwister essen und wird zum Probieren neuer Lebensmittel angeregt.

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verfasst von am 8. Mai 2019 um 09:07

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