Quo vadis Lebensmittelmarkt?

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Freitag, 18. Juli 2014

Einkaufstasche mit Lebensmitteln

© the Italian voice

Die moderne Welt macht auch vor Lebensmittelm√§rkten nicht halt. Damit, dass landwirtschaftliche Kleinbetriebe heutzutage kaum eine √úberlebenschance haben, haben wir uns (leider) schon fast abgefunden und auch Tante Emma-L√§den sind heutzutage eine echte Rarit√§t. Doch auch scheinbar supermoderne Einkaufzentren auf der gr√ľnen Wiese werden es schwer haben. Anl√§sslich der diesj√§hrigen Tiefk√ľhltagung in Dresden wagte Karen Ferdinand von der KPMG AG Wirtschaftspr√ľfungsgesellschaft einen Blick in die Zukunft.

Der Status quo

Aktuell sieht Karen Ferdinand vier verschiedene Typen von Lebensmittelmärkten, die sie folgendermaßen charakterisiert:

  • ‚ÄěAll Mart‚Äú: Lebensmittelgesch√§fte, die das volle Sortiment anbieten und darauf vertrauen, dass der Kunde gr√∂√üere Wegstrecken in Kauf nimmt, weil er emotional an dem Laden gebunden ist und den physischen Einkauf vor Ort vorzieht.
  • ¬†‚ÄěSmall Mart‚Äú: sozusagen die Enkel der fr√ľheren Tante Emma-L√§den. Sie liegen zentral und sind leicht zu erreichen. Ihre Kunden sind h√§ufig nur eingeschr√§nkt mobil und sch√§tzen den sozialen Kontakt vor Ort.
  • ‚ÄěCall Mart‚Äú: Die Einkaufsl√∂sung f√ľr Menschen mit wenig Zeit und hoher Technik-Affinit√§t. Lebensmittel werden online bestellt und f√ľr ein geringes Entgelt direkt nach Hause geschickt.
  • ‚ÄěSmart Mart‚Äú: Ein Hybrid zwischen Onlinehandel und physischem Lebensmittelgesch√§ft. Wenn Kunden dies w√ľnschen, k√∂nnen sie ihre Lebensmittel online bestellen und den Einkauf dann fertig verpackt vor Ort oder an Abholstellen in Empfang nehmen.

Neue Herausforderungen

Die Zukunft wird zeigen, welche dieser Markttypen am besten mit den Herausforderungen unserer Zeit umgehen k√∂nnen. Hierzu z√§hlen der demographische Wandel, die Energiepreise mit ihren Auswirkungen auf die individuelle Mobilit√§t, der Wandel der Wertsch√§tzung von Essen und Ern√§hrung sowie neue technologische Entwicklungen. Welche Perspektiven ergeben sich daraus f√ľr den Lebensmittelhandel? Ferdinand geht davon aus, dass die Struktur des Lebensmittelhandels sich √§ndern wird und neue Akteure in den Markt einsteigen werden. Neue Kompetenzprofile werden geschaffen, vorangetrieben durch den ‚ÄěHunger nach Sozialit√§t‚Äú: Der Lebensmitteleinzelhandel wird sozialer und der individuelle Kunde r√ľckt in den Mittelpunkt des Geschehens. Durch das zunehmende Vertrauen in neue benutzerbezogene Technologien wird dieser Prozess weiter beschleunigt.

Der Lebensmittelhandel der Zukunft

Wo werden wir in 10 Jahren unsere Lebensmittel einkaufen? F√ľr die Zukunft stellt die Marktforscherin folgende Thesen auf:

  • Trotz der gro√üen Flexibilit√§t durch den Online-Einkauf von Lebensmitteln wird der Marktanteil, den diese Sparte einnimmt, wohl eher moderat bleiben. Denn: das Bed√ľrfnis nach Verf√ľgbarkeit und Spontaneit√§t scheint f√ľr Kunden wichtiger als die Vorteile, die der Onlinekauf von Lebensmitteln mit sich bringt.
  • Biolieferdiensten und der Produktion von Lebensmitteln direkt im Laden wird eine gute Prognose ausgesprochen: sie entsprechen dem zunehmendem Wunsch nach ‚Äěsicheren‚Äú und authentischen Nahrungsmitteln.
  • Zeitliche Flexibilit√§t wird immer wichtiger: Fr√ľher musste sich der Kunde nach starren √Ėffnungszeiten richten, mittlerweile zeichnet sich ein Trend zu Einkaufsm√∂glichkeiten rund um die Uhr und m√∂glichst in der N√§he des Wohn- und Arbeitsortes ab.
  • Gro√üe Einkaufzentren ‚Äěauf der gr√ľnen Wiese‚Äú sind vielleicht schon bald ein Auslaufmodell. Sie werden wohl mittelfristig dem Ausbau von Online-Kan√§len, den zunehmenden Kosten f√ľr Mobilit√§t und dem Trend zu urbanem Wohnen und Einkaufen vor Ort zum Opfer fallen.
  • Auch das Lebensmittelangebot wird sich √§ndern: Im Lebensmittelhandel wird das Sortiment zum Direktverzehr ausgebaut und der Gastronom um die Ecke wird wohl zuk√ľnftig auch ausgew√§hlte Lebensmittel verkaufen. Wenn standardisierte Lebensmittel zuk√ľnftig vor allem online bestellt werden, gibt es in den Gesch√§ften freie Fl√§chen f√ľr Naturprodukte. Denn das Angebot ‚Äěgesunder‚Äú Lebensmittel wird f√ľr den Lebensmitteleinzelhandel immer wichtiger.

Hier endet unser kleiner Exkurs in die Zukunft des Lebensmittelhandels. Wir sind gespannt, welche Prognosen eintreffen werden, und welche Auswirkungen diese Entwicklungen auf andere Sparten wie die Landwirtschaft oder die Gastronomie haben werden.

verfasst von am 18. Juli 2014 um 07:39

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