Rauchentwöhnung: Abrupter Stopp erfolgreicher als langsames Ausschleichen

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Mittwoch, 27. April 2016

Obwohl die meisten Entwöhn-Programme einen „kalten Entzug“ von Zigaretten empfehlen, wählen viele Raucher die sanftere Methode der Entwöhnung und reduzieren langsam ihre Nikotin-„Dosis“. Welche Variante ist langfristig erfolgversprechender?

Dieser Frage gingen Wissenschaftler der Universität von Oxford nach. An ihrer Studie nahmen insgesamt 697 erwachsene Raucher teil. Zu Beginn der Studie rauchten alle Probanden mindestens 15 Zigaretten täglich. Bei Studienbeginn wurden die Teilnehmer nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen geteilt. Die eine Gruppe sollte an einem vorab bestimmten Stichtag abrupt mit dem Rauchen aufhören („kalter Entzug“), während die Mitglieder der anderen Gruppen zunächst über einen Zeitraum von zwei Wochen ihren Zigarettenkonsum schrittweise reduzierten, um anschließend am Stichtag das Rauchen ganz einzustellen. Unabhängig von der Gruppenzugehörigkeit wurden alle Teilnehmer professionell unterstützt und erhielten um den Zeitpunkt des vollständigen Verzichts Nikotinersatzprodukte.

Jeweils vier Wochen und sechs Monate nach dem endgültigen Rauchstopp verglichen die Wissenschaftler den Anteil der Probanden jeder Gruppe, die noch abstinent waren. Nach vier Wochen waren noch knapp zwei von fünf Teilnehmern der Gruppe mit gradueller Entwöhnung (39 Prozent) abstinent, in der Gruppe mit dem „kalten Entzug“ hatte dies sogar annähernd jeder zweite Teilnehmer (49 Prozent) geschafft. Fünf Monate später waren die Erfolgsraten deutlich geringer, allerdings war die Methode des „kalten Entzugs“ (22 Prozent der Teilnehmer ohne Rückfall) dem graduellen Entzug (16 Prozent der Teilnehmer ohne Rückfall) nach wie vor deutlich überlegen.

Die Wissenschaftler stellten außerdem fest, dass die Art der Rauchentwöhnung, die die Teilnehmer von sich aus zu Beginn der Studie gewählt hätten (unabhängig von ihrer tatsächlichen Gruppenzugehörigkeit), mit dem Entwöhnungserfolg assoziiert war: Probanden, die von sich aus lieber nach und nach aufgehört hätten, waren vier Wochen nach einer abrupten Entwöhnung seltener abstinent als Probanden, die zu Beginn von einem kalten Entzug überzeugt waren (38 Prozent vs. 52 Prozent). Ein ähnliches Bild zeigte sich auch in der anderen Gruppe mit dem graduellen Entzug. Daher gehen die Wissenschaftler davon aus, dass die Motivation zur Nikotinabstinenz bei Menschen, die lieber schrittweise mit dem Rauchen aufhören möchten als durch einen „kalten Entzug„, geringer ist.

Diese Ergebnisse legen nahe, dass Leute in der klinischen Praxis dazu angehalten werden sollten, abrupt mit dem Rauchen aufzuhören und nicht nach und nach„, folgern die Autoren, deren Artikel kürzlich in der Fachzeitschrift „Annals of Internal Medicine“ veröffentlich wurde. Programme, die das langsame Aufgeben unterstützen, könnten sich allerdings dann lohnen, wenn sie die Zahl derer erhöhen, die immerhin einen ernsthaften Versuch unternehmen, so die Wissenschaftler weiter. „Wir kommen zu dem Schluss, dass es eine nützliche Möglichkeit sein könnte, auch die langsame Entwöhnung zu unterstützen, damit überhaupt mehr Leute versuchen, mit dem Rauchen aufzuhören. Doch abrupt aufzuhören ist die effizientere Methode – selbst bei denjenigen, die dies eigentlich nicht bevorzugen würden.

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verfasst von am 27. April 2016 um 06:22

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