Risiko Schichtarbeit

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Dienstag, 23. Oktober 2012

Sie arbeiten, wenn andere schlafen: Schichtarbeiter. Etwa jeder f√ľnfte Berufst√§tige in Europa arbeitet im Schichtdienst. Schichtarbeit ist k√∂rperlich anstrengend und birgt ein erh√∂htes Erkrankungssrisiko. Deshalb sollten Besch√§ftigte im Schichtdienst spezielle Ern√§hrungsempfehlungen ber√ľcksichtigen.

Wecker
© alancleaver_2000

Es l√§sst sich leicht nachvollziehen, dass sich die Ern√§hrung und damit auch die Energieaufnahme im Tagesverlauf von Schichtarbeitern und Personen mit einem √ľblichen 8-Stunden-Tag unterscheiden. Schichtarbeiter essen oft alleine, bevorzugen h√§ufiger Snacks anstelle vollst√§ndiger Mahlzeiten, essen unregelm√§√üiger und nehmen sich weniger Zeit f√ľr ihre Nahrungsaufnahme.

Verglichen mit Personen mit normalen Arbeitszeiten erkranken Schichtarbeiter √∂fter an Adipositas, Typ 2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Depressionen und leiden h√§ufiger an Schlafst√∂rungen und Verdauungsproblemen. Schuld daran sind unter anderem die ver√§nderte Lebensweise und unregelm√§√üige Ern√§hrungsmuster. Hinzu kommen physiologische Schwankungen durch St√∂rungen der „inneren Uhr“, die durch die Schichtarbeit hervorgerufen werden. Der menschliche K√∂rper folgt einem 24-Stunden-Rhythmus, der durch Licht- und Temperaturver√§nderungen gesteuert wird. St√∂rungen dieses Schemas und dauerhafter Schlafmangel k√∂nnen zu einer Senkung des Grundumsatzes sowie einer Erh√∂hung des Blutzuckerspiegels f√ľhren und damit die Entstehung von √úbergewicht und Diabetes beg√ľnstigen.

Zur Erhaltung ihrer Arbeitsleistung und zum Schutz der eigenen Gesundheit sollten Schichtarbeiter besonders auf einen gesunden Lebensstil achten. Neben den Empfehlungen f√ľr eine gesunde Ern√§hrung, die auch f√ľr die Allgemeinbev√∂lkerung gelten, und den Richtlinien f√ľr den Umgang mit chronischer M√ľdigkeit gibt es Empfehlungen f√ľr Essen und Trinken w√§hrend und zwischen den Schichten speziell f√ľr Schichtarbeiter:

  • Arbeitsst√§tte: Arbeitnehmer im Schichtdienst sollten die M√∂glichkeit haben, Mahlzeiten und Getr√§nke in entspannter Atmosph√§re einnehmen zu k√∂nnen.
  • Zeit: Zwischen den Schichten sollte ausreichend Zeit sein, um eine gesunde Lebensweise mit ausreichend Schlaf, regelm√§√üigen Mahlzeiten und k√∂rperlicher Bewegung aufrechterhalten zu k√∂nnen.
  • Richtig trinken: Regelm√§√üiges Trinken verhindert eine Dehydratation, welche die M√ľdigkeit verst√§rken kann. Wer meint, koffeinhaltige Getr√§nke zum Wachbleiben zu ben√∂tigen, sollte diese m√∂glichst zu Beginn der Schicht zu sich nehmen und mit fortschreitender Schicht auf koffeinfreie Getr√§nke √ľbergehen, um Einschlafprobleme nach der Schicht zu verhindern. Alkohol sollte nicht als Einschlafhilfe nach der Schicht verwendet werden (Suchtgefahr).
  • Mahlzeiten: Auch Schichtarbeiter sollten versuchen, den Tag-Nacht-Rhythmus der Nahrungsaufnahme einzuhalten. Dies bedeutet, dass Personen, die am Nachmittag mit der Arbeit beginnen, ihre Hauptmahlzeit m√∂glichst mittags einnehmen sollten und nicht in der Mitte der Schicht. Die Hauptmahlzeit von Nachtarbeitern sollte idealerweise zur √ľblichen Abendessenszeit stattfinden. In den fr√ľhen Morgenstunden zwischen Mitternacht und sechs Uhr sollte m√∂glichst nichts gegessen werden. Mit einem kleinen Fr√ľhst√ľck vor dem Tagesschlaf kann vorzeitiges Aufwachen durch Hunger verhindert werden. Hier sollte darauf geachtet werden, dass die Essensmenge nicht zu gro√ü ausf√§llt, da gro√üe Nahrungsmengen vor dem Einschlafen den K√∂rper belasten und Schlafprobleme verursachen k√∂nnen.

Wer diese Ratschl√§ge ber√ľcksichtigt, tut sich und seiner Gesundheit Gutes und schafft optimale Voraussetzungen f√ľr ein gesundes Arbeitsleben ‚Äď trotz Schichtarbeit.

Quellen einblenden

  • R. Eberly R, H. Feldman (2010): Obesity and shift work in the general population. Internet J Allied Health Sci Prac 8(3).
  • L. C. Antunes et al. (2010): Obesity and shift work: chronobiological aspects. Nutr Res Rev 23, S.155‚Äď68.
  • A. Lowden et al. (2010). Eating and shift work ‚Äď effects on habits, metabolism and performance. Scand J Work Health 36 (2), S.150‚Äď62.
  • Thomas C & Power C. (2010). Shift work and risk factors for cardiovascular disease: a study at age 45 years in the 1958 British birth cohort. Eur J Epidemiol 25(5), S.305‚Äď14.
  • G. Atkinson et al. (2008). Exercise, energy balance and the shift worker. Sports Med 38(8), S.671‚Äď85.
  • O.M. Buxton et al. (2012). Adverse metabolic consequences in humans of prolonged sleep restriction combined with circadian disruption. Sci Transl Med 4(129), S.129ra43.
  • Dietitians of Canada (2010): Fact Sheet ‚Äď Are there special nutritional considerations for shift workers? Canadian Health Network.

verfasst von am 23. Oktober 2012 um 06:09

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