Schlaf und Übergewicht – eine Frage der Erziehung

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Donnerstag, 21. März 2013

Wer schläft, sündigt nicht. In punkto Essen trifft diese Aussage bestimmt zu. Bei Kindern gilt: Wer länger schläft, ist seltener übergewichtig. Das Gute daran: die Zeitdauer, die ein Kind schläft, ist beeinflussbar.

Kinder, die länger schlafen, sind seltener übergewichtig. Diese Beobachtung wurde in  mehreren Studien bestätigt. Über die genauen Ursachen für diesen Zusammenhang wird noch spekuliert: Liegt es daran, dass Kinder, die länger wach sind, mehr Zeit zum Essen haben? Oder bewegen sich Kinder mit kürzerer Schlafdauer aufgrund ihrer Müdigkeit weniger? Denkbar sind auch Änderungen der Konzentration appetitregulierender Hormone durch kindlichen Schlafmangel.

Mädchen auf Waage

Eltern dürfte indessen auch interessieren, ob und wie sich die Schlafdauer von Kindern beeinflussen lässt. Wissenschaftler haben diese Frage aufgegriffen. In der niederländischen „CheckKid 2006“-Studie wurde bei über 5000 niederländischen Kindern im Alter von vier bis 13 Jahren Größe, Gewicht und Bauchumfang bestimmt. Vier Fünftel der Eltern füllten einen Fragebogen zu den Schlafgewohnheiten ihrer Kinder, Regeln und Routinen in der Familie, familiären Ernährungsgewohnheiten sowie soziodemografischen Rahmenbedingungen aus.

Auch in dieser Studie wurde ein Zusammenhang zwischen der Schlafdauer und dem Gewicht der Kinder festgestellt. Vier- bis achtjährige Jungen mit einer Schlafdauer von elf Stunden oder weniger waren mehr als dreimal so häufig übergewichtig (adjustiertes Odds Ratio 3,1) als gleichaltrige Jungen mit einer Schlafdauer von mindestens 12 Stunden pro Nacht. Diese Berechnung wurde bereits um den Einfluss sozioökonomischer Unterschiede zwischen den Familien, Unterschiede in der Familienstruktur, der Ernährung und das Vorliegen von mütterlichem Übergewicht bereinigt. Vier- bis achtjährige Mädchen mit kurzer Schlafdauer waren dagegen nicht häufiger von Übergewicht betroffen als gleichaltrige Mädchen, die länger schliefen. Anders sah es in der Altersgruppe der Neun- bis 13-Jährigen aus: In dieser Altersklasse waren sowohl die Jungen als auch die Mädchen mit einer geringen Schlafdauer (unter 10,25 Stunden) fünfmal häufiger von Übergewicht betroffen als Jungen und Mädchen mit längerer Schlafdauer (11,25 Stunden und mehr).

Wie lässt sich die Schlafdauer von Kindern in diesem Alter beeinflussen? Zwar waren die Ergebnisse bei Jungen und Mädchen und zwischen den beiden Altersklassen nicht eindeutig, bei der Auswertung der Studie kristallisierten sich jedoch einige Faktoren heraus, die mit einer verkürzten Schlafenszeit von Kindern zusammenhängen:

  • spätes Zubettgehen
  • keine gemeinsamen körperlichen Aktivitäten mit den Eltern (z. B. Spazieren gehen, Fahrradfahren, Spiele im Freien)
  • die lange Nutzung von Computern und Fernsehern (länger als eine Stunde täglich)
  • Fernsehschauen während der Mahlzeiten
  • freier Zugang zu Süßigkeiten

Die Studienorganisatoren empfehlen, diese Ergebnisse in fortlaufenden (prospektiven) Studien zu überprüfen. Da Kinder in den Niederlanden im Vergleich zu Kindern aus anderen Ländern relativ lang schlafen, sollte außerdem die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf andere Länder überprüft werden. Für den Fall, dass die bisherigen Erkenntnisse in weiteren Studien untermauert werden, raten die Wissenschaftler zu Maßnahmen zur Verlängerung der Schlafdauer von Kindern. Denn dadurch ließe sich das Auftreten von frühem Übergewicht reduzieren, so die Hoffnung.

Quelle:
E. de Jong, T. Stocks, T.L.S. Visscher, R.A. HiraSing, J.C. Seidell, C.M. Renders (2012): Association between sleep duration and overweight: the importance of parenting. International Journal of Obesity 36, Seite 1278-1284

verfasst von am 21. März 2013 um 07:35

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Ein Kommentar zu “Schlaf und Übergewicht – eine Frage der Erziehung”

  1. Annika sagt:

    Interessanter Beitrag! Zahlreiche weitere Studien beweisen, dass Schlafmangel nicht nur bei Kindern zu Übergewicht führt. Eine aktuelle Studie der University of Colorado lässt zum Beispiel vermuten, dass bei Erwachsenen vor allem nächtliche Snacks an schlaflosen Nächten das Überessen fördern. Außerdem hemmt Schlafmangel nachweislich die Insulinsensitivität.
    Im besten Fall sollen Kinder also schon früh lernen, dass eine lange Schlafdauer wichtig ist, damit sie auch später keine gesundheitlichen Probleme haben.

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