Schreikinder – Alarm im Babybett

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Mittwoch, 13. März 2013

Was tun, wenn das Kind nicht aufh√∂ren will zu schreien? Exzessives Weinen des eigenen Kindes ist nicht nur nervenaufreibend f√ľr Eltern und Kind, sondern gef√§hrdet auch die kindliche Entwicklung. Verschiedene Ma√ünahmen versprechen Abhilfe.

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Nicht jedes Kleinkind, das √∂fter mal weint, ist gleich ein Schreikind. Von einem „Schreikind“ sprechen Experten, wenn ein Kind √ľber mindestens drei Wochen lang an mindestens drei Tagen pro Woche mindestens mehr als drei Stunden weint. Obwohl Schreikinder k√∂rperlich gesund sind, weinen sie ohne erkennbaren Grund und lassen sich nicht beruhigen. Ursachen k√∂nnen zum Beispiel Wahrnehmungsst√∂rungen und andere Einschr√§nkungen des Kindes, Probleme seiner Eltern und famili√§re Konflikte, beispielsweise fehlende Unterst√ľtzung, sein.

Eltern von Schreikindern sind dankbar f√ľr einen Rat. Doch nicht jeder gut gemeinte Tipp ist wirklich sinnvoll. Im Auftrag des Deutschen Instituts f√ľr Medizinische Dokumentation und Information untersuchten Wissenschaftler die Effektivit√§t verschiedener Interventionen zur Verminderung exzessiven Schreiens. Beurteilt wurde au√üerdem die Wirksamkeit von Schreiambulanzen.

Insgesamt 22 Studien wurden analysiert. Die meisten Studien stammten aus den USA und Gro√übritannien (jeweils f√ľnf), nur eine Studie wurde in Deutschland durchgef√ľhrt. Obwohl die Studienlage insgesamt sehr l√ľckenhaft war, konnten die Wissenschaftler drei Bereiche mit sinnvollen Interventionsm√∂glichkeiten identifizieren:

  • Ern√§hrung: Verzicht der Mutter auf Kuhmilchprodukte oder die Verwendung von hydrolysierter Kost f√ľr das Kind, Einnahme einer Fenchelsamen-Emulsion vor den Mahlzeiten sowie Einnahme einer phytotherapeutischen Mischung aus Fenchel, Kamille und Melisse k√∂nnen das Schreien von Kindern signifikant reduzieren.
  • Akupunktur: Akupunktur konnte in zwei schwedischen Studien die Dauer und Intensit√§t des Schreiens verringern.
  • Therapeutische Angebote: Entwicklungsberatung, psychotherapeutische Gespr√§che und Kommunikationsanleitungen helfen, das Schreien der Kinder zu reduzieren und die Eltern zu stabilisieren.

Die Wirksamkeit chiropraktischer Ma√ünahmen l√§sst sich bislang nicht eindeutig belegen. √Ąhnliches gilt f√ľr den Erfolg von Schreiambulanzen. Hier ist die Studienlage so d√ľrftig, dass die Forscher keine Schlussfolgerung ziehen konnten.

Um langfristige Nachteile f√ľr Eltern und Kind zu verhindern, sollten √ľberlastete Familien au√üerdem fr√ľhzeitig geeignete Hilfe von au√üen erhalten. Hierf√ľr sei eine Verbesserung der Zusammenarbeit von Kinder√§rzten, Kliniken, Beratungsstellen, der Jugendhilfe und weiteren Akteuren erforderlich, so der Rat der Autoren. Au√üerdem sei eine Aus- und Weiterbildung von Fachkr√§ften, die die Eltern unterst√ľtzen, notwendig.

Quellen einblenden

  • Deutschen Instituts f√ľr Medizinische Dokumentation und Information (2013): HTA-Bericht zu Schreiambulanzen: Was hilft Eltern und Babys? Pressemitteilung vom 14.01.2013.
  • D. Korczak, C. Kister, C. Krause-Girth (2012): Effektivit√§t und Effizienz von psychologischen, psychiatrischen, sozialmedizinischen und komplement√§rmedizinischen Interventionen bei Schreibabys (z. B. regulative St√∂rung) in Schreiambulanzen. Schriftenreihe health Technology Assessment (HTA) in der Bundesrepublik Deutschland

verfasst von am 13. März 2013 um 07:18

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