Schützt Stillen Kinder doch nicht vor Asthma?

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Dienstag, 11. Juli 2017

In einer vorausschauenden (prospektiven) Kohortenstudie hatte die Zusammensetzung der Muttermilch keinen statistisch nachweisbaren Einfluss auf das Asthmarisiko der Nachkommen bis zu ihrem 13. Lebensjahr.

Die Natur weiß, wie es geht. Muttermilch ist nach wie vor das am besten auf die Bedürfnisse von Säuglingen abgestimmte Lebensmittel. Sie stärkt das Immunsystem der Kleinsten, fördert die Reifung des Gehirns und kann unter anderem im späteren Leben vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen. Häufig wird bei der Aufzählung von Vorteilen des Stillens auch der Schutz vor Allergien und Asthma genannt. Dieser Zusammenhang konnte allerdings bislang nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden. Eine Erklärung hierfür liegt in der unterschiedlichen Zusammensetzung der Muttermilch, die beispielsweise durch unterschiedliche Ernährungsgewohnheiten oder genetische Voraussetzungen variiert.

Im Hinblick auf die Prävention von Allergie- und Asthmaerkrankungen scheint die Fettsäurezusammensetzung der Muttermilch von besonderem Interesse zu sein. Bislang wurde allerdings lediglich die absolute Konzentration bestimmter Fettsäuren bestimmt und mit dem Erkrankungsrisiko assoziiert. Wissenschaftler der Universität Ulm haben nun erstmals mit einem neuartigen Ansatz zusätzlich Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Fettsäuren der Muttermilch berücksichtigt.

Für die aktuelle Studie griffen die Wissenschaftler auf Muttermilchproben zurück, die bereits zwischen November 2000 und 2001 im Rahmen der „Ulmer Kinderstudie“ (ehemals „Ulmer Säuglingsstudie“) gewonnen wurden. In insgesamt 721 Proben von Müttern mit sechs Wochen alten Kindern und 455 Proben von Müttern mit sechs Monate alten Kindern untersuchten die Wissenschaftler den Gehalt und die Korrelation von insgesamt 28 Fettsäuren. Neben demographischen und gesundheitlichen Informationen zu sich selbst (darunter Bildung, Lebensstil, Allergien) gaben die Mütter in den 13 Jahren nach der Geburt ihres Kindes per Fragebogen Auskunft zur Gesundheit ihrer Kinder. Für die aktuelle Auswertung waren insbesondere die Fragen zum Vorliegen eines ärztlich diagnostizierten Asthmas und zur Einnahme entsprechender Medikamente relevant.

Mit verschiedenen statistischen Tests untersuchten die Wissenschaftler um PD Dr. Jon Genuneit und Chad Logan den Zusammenhang zwischen dem Fettsäuregehalt der Muttermilch und dem Asthmarisiko der Kinder, wobei sie die Fettsäuren entweder – wie bisher üblich – nach ihrer chemischen Struktur oder nach ihrer Korrelation gruppierten.

Bemerkenswerterweise führten beide Methoden zu demselben Ergebnis: Bis zum 13. Lebensjahr der Kinder konnten die Wissenschaftler keinen Zusammenhang zwischen der Fettsäurezusammensetzung der Muttermilch und einer Erkrankung an Asthma beziehungsweise Asthmasymptomen feststellen. Selbst die vielfach gelobten Omega-3-Fettsäuren schützten nicht vor einer Asthmaerkrankung.
Bei der Interpretation der Ergebnisse sollte berücksichtigt werden, dass kohortenspezifische Faktoren das Ergebnis verfälscht haben könnten. So waren die Mütter, deren Daten für die aktuelle Auswertung verwendet wurden, älter, besser gebildet und rauchten seltener als der Durchschnitt der Ulmer Kohorte. Aufschlussreich könnten zudem Langzeitstudien mit einem Vergleich von gestillten vs. nicht gestillten Kindern und gegebenenfalls die zusätzliche Untersuchung von Blutproben der Kinder sein. Die Ulmer Wissenschaftler werden das Thema im Rahmen der „Ulmer SPATZ Gesundheitsstudie“ weiter verfolgen.

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verfasst von am 11. Juli 2017 um 07:07

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