Silikon in der K√ľche – ein (fast) ungetr√ľbter Genuss

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Freitag, 2. Mai 2014

Silikon als Bestandteil von Brustimplantaten sorgte Anfang dieses Jahres f√ľr viele Schlagzeilen. Das flexible Material wird jedoch l√§ngst nicht mehr nur im Baugewerbe und in der Medizin verwendet, es hat auch die heimischen K√ľchen erobert. Backformen, Eisw√ľrfelbeh√§lter und Babysauger sind nur wenige Beispiele. Und so mancher fragt sich vielleicht: Wie sicher ist Silikon in der K√ľche?

Silikonbackform

© comedy_nose

Auskunft hierzu gibt das Chemische und Veterin√§runtersuchungsamt (CVUA) Stuttgart, wo regelm√§√üig K√ľchenhelfer aus Silikon (sog. Bedarfsgegenst√§nde) gepr√ľft werden. Ein wichtiges Kriterium bei den Untersuchungen ist, wie viele fl√ľchtige organische Bestandteile von den Bedarfsgegenst√§nden abgegeben werden. Wenn der Richtwert von 0,5 Prozent √ľberschritten wird, gehen Experten des Bundesinstituts f√ľr Risikobewertung davon aus, dass diese organischen Bestandteile auf das Lebensmittel √ľbergehen und den Geschmack beeintr√§chtigen.

Normalerweise findet am Ende der Fertigung ein Ausheizvorgang statt, bei dem die Silikongegenst√§nde stark erhitzt werden. Dadurch entweichen die fl√ľchtigen organischen Bestandteile, bevor der Gegenstand mit Lebensmitteln in Kontakt kommt.

Beim Vergleich der Untersuchungsergebnisse der letzten Jahre stellte das CVUA fest, dass die Abgabe fl√ľchtiger organischer Verbindungen w√§hrend des Erhitzens sp√ľrbar zur√ľckgegangen war: Bei der Pr√ľfung von Backf√∂rmchen, Backmatten und Spiegeleiformen wurde 2013 lediglich eine von 26 Proben beanstandet (4 Prozent), 2012 lag jede dritte Probe √ľber dem Grenzwert (32%), 2011 jede sechste (17 Prozent). Die hohe Rate an Beanstandungen 2012 begr√ľnden die Pr√ľfer damit, dass damals auch gezielt Verdachtsf√§lle untersucht wurden.

Eisw√ľrfelform aus Silikon

© jen_rab

Viel h√§ufiger als Silikonformen, die Hitze ausgesetzt sind, wird eine andere Produktgruppe bem√§ngelt, und zwar Eisw√ľrfelformen. Nachdem den Pr√ľfern 2012 auffiel, dass die darin gefrorenen Eisw√ľrfel ein Fehlaroma aufwiesen, wurden im Jahr 2013 zehn Silikoneisw√ľrfelformen unter standardisierten Bedingungen getestet. Beim Vergleich mit Eisw√ľrfeln, die in einem sensorisch unauff√§lligen Beh√§ltnis zubereitet worden waren, wiesen 7 Proben (70 Prozent) einen Fehlgeschmack auf und wurden deshalb als nicht verkehrsf√§hig eingestuft.

Fazit: W√§hrend die Qualit√§t der zum Erhitzen bestimmten Silikonformen sich im Laufe der letzten Jahre scheinbar verbessert hat, bestehen weiterhin M√§ngel bei Eisw√ľrfelbeh√§ltern aus Silikon. Die Pr√ľfer vermuten, dass hier bei der Herstellung der Produkte auf den Ausheizvorgang verzichtet wurde und beabsichtigen, die Gegenst√§nde auch zuk√ľnftig regelm√§√üig zu pr√ľfen. Verbrauchern wird empfohlen, beim Kauf von Silikonwaren die Nase mit entscheiden zu lassen: Produkte, die geruchlich auffallen, f√ľhren h√§ufig auch zu einer geschmacklichen Beeintr√§chtigung von Lebensmitteln.

Quelle:
Chemischen und Veterin√§runtersuchungs√§mter Stuttgart (2014): Silikon ‚Äď der flexible Helfer in der K√ľche. Ein Bericht aus dem Laboralltag.

verfasst von am 2. Mai 2014 um 06:29

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3 Kommentare zu “Silikon in der K√ľche – ein (fast) ungetr√ľbter Genuss”

  1. Claudia sagt:

    Hallo,
    wie sieht es denn neben den geschmacklichen Beeinträchtigungen auch mit den möglichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen aus? Nicht alle Schadstoffe, die eventuell aus den Silikonbehältern austreten könnten, treten geschmacklich in Erscheinung.

    Gr√ľsse Claudia

    • Christina B√§chle sagt:

      Bislang fehlen ausreichende Daten um allgemeing√ľltige Aussagen zu den gesundheitlichen Auswirkungen der R√ľckst√§nde in Lebensmitteln treffen zu k√∂nnen. Es gibt Hinweise auf eine Sch√§digung von Leber, Lunge und Niere durch die fl√ľchtigen Verbindungen (Siloxane), ebenso auf eine krebserzeugende Wirkung.

      Siloxane sind auch in Kosmetika, Pflege- und Konservierungsmittel enthalten. Aufgrund der zyklischen Struktur der Siloxane, k√∂nnen sie sich in Geweben anh√§ufen und innerhalb der Nahrungskette anreichern. Die langfristigen Folgen f√ľr Mensch und Umwelt lassen sich derzeit wohl noch nicht absch√§tzen.

  2. Lisa sagt:

    Hallo,
    eine sehr interessante Thematik! Ich achte bei Haushaltsprodukten eigentlich immer darauf, dass Sie auch PBA-frei sind. BPA ist eine gesundheitsgef√§hrdende Hormon-Chemikalie, welche sich im K√∂rper anreichern kann und deshalb sehr gef√§hrlich f√ľr Kinder ist. Eigentlich gibt es ja entsprechend strenge Regularien in Deutschland oder auch in der EU – aber ganz sicher sein kann man sich wahrscheinlich nie. Und schmecken kann man das ja auch nicht…
    Viele Gr√ľ√üe!

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