Sollten Eltern Kinder auf ihr Gewicht ansprechen?

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Mittwoch, 14. August 2013

Ist es für Eltern ratsam, ihre Kinder auf ihr Gewicht anzusprechen? Immerhin erkranken stark übergewichtige Kinder häufiger an Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Prädiabetes. Sie haben häufiger Knochen- und Gelenkprobleme. Sie leiden eventuell unter einer Schlafapnoe. Und sie könnten wegen ihres Übergewichts schnell zum Außenseiter werden. Grund zur Besorgnis ist also vorhanden. Um ihre Kinder jedoch tatsächlich zu unterstützen, sollten sich Eltern mit Kritik zurückhalten.

Mädchen auf Waage

Heranwachsende haben häufig Probleme, die mit dem Gewicht in Verbindung stehen. In dieser Lebensphase nehmen sie schnell viel an Gewicht zu. Ihr Körper verändert sich ständig, und diese Veränderung verlangt nach einer permanenten Anpassung ihres Selbstbilds und forciert eine Identitätssuche, keine ganz leichte Aufgabe. Manche Kinder und Jugendliche setzen eine Diät als Strategie ein, um dieser Veränderung zu entgehen. Von einer Diät zu einer Essstörung ist der Weg jedoch oft nicht weit.

Essstörungen gehören zu den häufigsten chronischen Erkrankungen von Kindern und Jugendlichen. Es sind vor allem Mädchen, die eine Essstörung entwickeln. Für Mädchen bedeutet eine Essstörung, dass sie über diese anerkannte Werte und Ideal erfüllen können: sie erbringen Leistung, zeigen Selbstdisziplin und bekommen dafür Anerkennung. „Essens-, Figur-, Gewichts- oder Schönheitsprobleme sind ‚lediglich‘ Symptome, deren Ursache ein Identitätsproblem ist“, meint der Sportsoziologe Robert Gugutzer, der einen ausführlichen Artikel zu diesem Thema geschrieben hat. Wie können Eltern nun ihre Bedenken über das Gewicht ihrer Kinder ansprechen, ohne die Problematik einer Identitätskrise zu verschärfen oder sie vielleicht gar erst einzuleiten?

Die Themen „Diät“ und „Abnehmen“ sollten Eltern am besten gänzlich außen vor lassen, meinen Wissenschaftler um Jerica Berge von der University of Minnesota Medical School in Minneapolis. Die Forscher haben sich mit den Auswirkungen von elterlichen Gesprächen über Gewicht und eine gesunde Ernährung in einer Studie auseinander gesetzt. In Familien, in denen die Jugendlichen darauf angesprochen wurden, abzunehmen, machten diese vergleichsweise häufiger Diätversuche und setzen ungesunde Methoden zur Gewichtskontrolle ein. Ob diese Gespräche über Abnehmen und Körpergewicht allerdings tatsächlich zu einer Essstörung führten, konnte anhand der Studie nicht belegt werden, auch wenn beides gehäuft in Kombination auftrat.

Stattdessen sollten die Eltern, im günstigsten Fall beide, mit ihren Kindern darüber sprechen, wie man sich gesund ernährt. Dadurch verringere sich die Gefahr, dass die Kinder eine Essstörung entwickeln, und diese werden in einem gesunden Essverhalten unterstützt. „Es ist wichtig, dass sich Gespräche auf eine gesunde Ernährung als Ursache für einen gesunden Körper und starke Knochen konzentrieren und weniger auf eine gesunde Ernährung als Ursache für das Körpergewicht und den -umfang“, sagt Jerica Berge dazu der Nachrichtenagentur Reuters Health. Ganz wichtig sei auch die Bereitschaft des Kindes, ein solches Gespräch zu führen, gibt Alison Field laut Reuters Health zu Bedenken. Die Kinderärztin forscht am Bostoner Kinderkrankenhaus zu Gewicht, Essstörungen und gesunder Ernährung.

Quellen einblenden

  • Berge JM, Maclehose R, Loth KA, Eisenberg M, Bucchianeri MM, Neumark-Sztainer D: Parent Conversations About Healthful Eating and Weight: Associations With Adolescent Disordered Eating Behaviors.JAMA Pediatr. 2013;167(8):746-753. doi:10.1001/jamapediatrics.2013.78.
  • Pittman G (Reuters Health, 25.06.2013): Family weight talks tied to dieting, laxative use
  • Castillo M (CBSNEWS, 25.06.2013): Talking weight loss with kids may increase their unhealthy eating behavior
  • Gugutzer R: Essstörungen, Sport und Schule. Soziosomatische Aspekte einer jugendspezifischen Form der Selbstthematisierung. Schulpädagogik heute, Heft 6 (2012), 3. Jahrgang

verfasst von am 14. August 2013 um 06:25

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