Starkes √úbergewicht macht Brustkrebs aggressiver

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Mittwoch, 24. Januar 2018

Wissenschaftler verschiedener deutscher Universit√§ten haben einen eine neue Erkl√§rung daf√ľr gefunden, weshalb der Verlauf von Brustkrebs bei fettleibigen Menschen h√§ufig aggressiver ist.

Zwischen 1975 und 2016 hat sich die Zahl der Erwachsenen mit starkem √úbergewicht (Adipositas) weltweit versechsfacht, bei Kindern und Jugendlichen sogar verzehnfacht. Adipositas beg√ľnstigt die Entstehung zahlreicher Erkrankungen, darunter Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs. Bisherige Studien haben gezeigt, dass Brustkrebs bei Menschen mit einer Adipositas h√§ufig aggressiver verl√§uft und √∂fter metastasiert. Dies wurde bislang damit erkl√§rt, dass die Aktivierung der Fetts√§uresynthese bei Adipositas die Krebszellen unabh√§ngig von der Versorgung mit extrazellul√§ren Fetten macht. Nun haben Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums M√ľnchen, der Technischen Universit√§t M√ľnchen und des Universit√§tsklinikums Heidelberg einen alternativen Mechanismus entdeckt, der unabh√§ngig von der Fetts√§uresynthese ist und neue Therapieoptionen er√∂ffnet. Ihre Ergebnisse wurden aktuell in der Fachzeitschrift „Cell Metabolism“ publiziert.

Dreh- und Angelpunkt dieses Mechanismus ist das Enzym Acetyl-CoA-Carboxylase 1, kurz ACC1. „ACC1 ist eine zentrale Komponente der Fetts√§uresynthese“, erl√§utert Dr. Berriel Diaz, stellvertretender Direktor des Instituts f√ľr Diabetes und Krebs (IDC) am Helmholtz Zentrum M√ľnchen und einer der beiden Studienleiter. „Allerdings kann es durch die Botenstoffe Leptin und TGF-ő≤ an seiner Arbeit gehindert werden.“ Diese Botenstoffe sind im Blut von stark √ľbergewichtigen Menschen besonders zahlreich. Die Hemmung des Enzyms ACC1 f√ľhrt wiederum dazu, dass sich eine Fetts√§urevorstufe (Acetyl-CoA) in den Zellen ansammelt und dort bestimmte Genschalter (sogenannte Transkriptionsfaktoren) aktiviert. Als Folge davon werden vor allem Gene abgelesen, die die F√§higkeit der Krebszellen zu metastasieren verst√§rken. Dementsprechend war ACC1 in menschlichen Gewebeproben aus Brustkrebsmetastasen signifikant weniger aktiv, wie der Erstautor der Studie, Marcos Rios Garcia, berichtet.

Wurde der neu entdeckte Signalweg experimentell durch einen Antik√∂rper blockiert, reduzierte sich die Ausbreitung der Brustkrebsmetastasen deutlich. Ob sich auf diese Weise k√ľnftig Brustkrebs (mit) therapieren l√§sst, m√ľsse sich zeigen, so die Forscher zur√ľckhaltend. Sie planen nun, die aktuelle Datenlage durch weitere Studien zu erh√§rten und au√üerdem nach zus√§tzlichen therapeutischen Eingriffsm√∂glichkeiten zu suchen. „Die Blockade der genannten Signalwege beziehungsweise das Abschalten der Metastasierungsgene k√∂nnten einen therapeutischen Angriffspunkt darstellen“, blickt der zweite Studienleiter Prof. Dr. Stephan Herzig, Direktor des Institut f√ľr Diabetes und Krebs am Helmholtz Zentrum M√ľnchen, in die Zukunft. „Im Rahmen einer sogenannten neo-adjuvanten Therapie1 k√∂nnte man schon vor der operativen Entfernung des Tumors das Risiko von Metastasen beziehungsweise des Wiederauftretens von Tumoren reduzieren.“

1 Therapie vor einer geplanten operativen Tumorbehandlung, mit dem Ziel eine bessere Ausgangssituation f√ľr die Operation zu erreichen, eine Erkrankung √ľberhaupt operabel zu machen oder auf verst√ľmmelnde Eingriffe verzichten zu k√∂nnen.

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verfasst von am 24. Januar 2018 um 09:12

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Ein Kommentar zu “Starkes √úbergewicht macht Brustkrebs aggressiver”

  1. Frank sagt:

    Hallo zusammen,
    dies ist ein sehr informativer Artikel.
    Brustkrebs muss man behandeln.
    √úber diese Thematiken habe ich oft nachgedacht.
    Es ist schwer gute Infos im Internet dar√ľber zu finden.
    Dies wird mir bei meiner Recherche zu dieser Materie sehr weiterhelfen.
    Vielen Dank daf√ľr.

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