„Stille Wasser sind teuer“

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Dienstag, 23. August 2011

Worin besteht der Unterschied zwischen Tafelwasser und Leitungswasser?

Kennen Sie den Unterschied zwischen Tafelwasser, stillem Wasser und Leitungswasser? Eine Reportage auf ZDFneo ging der Sache auf den Grund. Im Supermarkt wurden die Preise von Tafelwasser bzw. stillem Wasser (1) mit denen von Leitungswasser verglichen. Das Ergebnis war verblüffend: Ein Liter Tafelwasser kostet im Schnitt 48 Cent (ohne Pfand), dieselbe Menge Leitungswasser lediglich 0,15 Cent. Das heißt, für den Preis von einem Liter Tafelwasser könnte man 320 Liter Leitungswasser bekommen – und das bei gleicher Qualität. Denn Recherchen ergaben, dass für die Herstellung von Tafelwasser auch nur Trinkwasser aus dem öffentlichen Wasserleitungsnetz verwendet wird.

Mineralwasserabfüllung
© dierk schaefer

Was rechtfertigt diesen enormen Preisunterschied? Ein hierzu befragter Trinkwasserhersteller wies auf die (angeblich) höhere Qualität von Tafelwasser hin. Bei der Herstellung werde das Leitungswasser vor der Abfüllung mehrfach filtriert, desinfiziert und entchlort. Dies garantiere eine hohe Reinheit und Lebensmittelechtheit, außerdem werde es in verbraucherfreundlichen Gebinden angeboten.

Laut der Verordnung über natürliches Mineralwasser, Tafelwasser und Quellwasser dürfen zur Herstellung von Tafelwasser außer Trinkwasser und natürlichem Mineralwasser nur natürliches salzreiches Wasser (Natursole), Meerwasser, Kochsalz und bestimmte Zusatzstoffe verwendet werden.

Ob die beschriebenen Zusätze und Prozesse bei der Herstellung von Tafelwasser oder stillem Wasser notwendig sind und den Preisunterschied rechtfertigen, sei dahingestellt. Der Verbraucher sollte jedoch wissen, dass Leitungswasser in Deutschland eines der am strengsten kontrollierten und überwachten Lebensmittel ist. Wenn nicht gravierende äußere Umstände (alte, verrostete oder schadhafte Rohre) oder besondere Ernährungsumstände (Herstellung von Säuglingsmilchnahrung) dagegen sprechen, ist die Wahl zwischen Tafelwasser, stillem Wasser oder Leitungswasser aus dem Wasserhahn wohl in erster Linie eine Frage des Geschmacks. Bei einer Blindverkostung in einem Frankfurter Einkaufszentrum entschieden sich die Tester mehrheitlich für Leitungswasser.

Um sicherzugehen, dass auf dem Weg vom Wasserwerk zum eigenen Wasserhahn keine schädlichen Stoffe in das Wasser übergetreten sind, kann man sein Wasser testen lassen. Diesen Service bieten u. a. die örtlichen Wasserwerke, die Stiftung Warentest sowie private Labors an.

(1) Auf Verpackungen werden die Begriffe „Tafelwasser“ und „stilles Wasser“ häufig synonym verwendet. Deshalb wurden bei den Vergleichen in der Reportage beide Getränke berücksichtigt. Wird der Begriff  „stilles Wasser“ im Sinne von Tafelwasser verwendet, fällt darunter jedoch kein stilles Mineralwasser. Natürliches Mineralwasser mit dem entsprechenden natürlichen Gehalt an Mineralstoffen wird aus Quellen abgefüllt.

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verfasst von am 23. August 2011 um 06:19

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5 Kommentare zu “„Stille Wasser sind teuer“”

  1. kapomuk sagt:

    Ich trinke viel Leitungswasser, häufig gemischt mit Apfelsaftkonzentrat. Nun sagte mir ein Bekannter, dass das Leitungswasser häufig verleimt sei; und zwar nicht auf dem Weg vom Wasserwerk zum Haus, sondern im Haus: Vor allem der Wasserhahn selbst und sein Sieb seien eine häufige Keimquelle.

    Wie sieht es damit aus?

  2. kapomuk sagt:

    Bei den Kosten für den Verbraucher muss berücksichtigt werden, dass man für Leitungswasser auch Abwassergebühren bezahlt – und die liegen evtl. höher als der Wasserpreis.

    Der Unterschied bleibt natürlich trotzdem enorm.

  3. Naturbach sagt:

    Interessant zu wissen. Der Preisunterschied ist ja wirklich enorm. Ich trinke auch meistens Leitungswasser und persönlich schmecke ich keinen großen Unterschied, beides schmeckt gleich gut :).

  4. Christina Bächle sagt:

    Wer in einem Haus/einer Wohnung mit älteren Wasserleitungen wohnt, sollte die Qualität des Leitungswasser prüfen lassen, insbesondere wenn Kinder oder ältere Menschen das Wasser mittrinken. Mögliche Anlaufstellen zur Analyse des eigenen Leitungswasser sind z. B. die Stadtwerke.

  5. Shivani sagt:

    Jetzt hatte ich beim Stichwort „Stille“ etwas ganz anderes erwartet, das ich hier finde. Aber Der Artikel war sehr interessant zu lesen, vielen Dank!

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