Stresshormone bei Kindern – auch eine Frage der Ernährung ?!

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Donnerstag, 8. September 2016

Wissenschaftler der Universitäten Bonn und Gießen beschreiben erstmals einen hormonellen Mechanismus, über den die Ernährungsqualität den Stresshormonspiegel von Kindern beeinflusst.

Eine dauerhaft mineralstoffarme Ernährung erhöht die Säurebelastung des Körpers. Der daraus resultierende Anstieg des Stresshormonspiegels kann schon bei Kindern zu einer verringerten Knochenstabilität und erhöhten Blutdruckwerten führen. Diese Zusammenhänge wurden bereits in Studien beschrieben, bislang war aber nicht bekannt, ob und gegebenenfalls über welchen Mechanismus sich die Qualität der Ernährung auf den Stresshormonspiegel und die Gesundheit von Kindern auswirkt.

Für die aktuelle Studie, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert wurde, wählten die Wissenschaftler aus den Probanden der deutschen DONALD-Studie gezielt jeweils 100 sechs- bis zehnjährige Kinder mit einer niedrigen beziehungsweise hohen renalen Säureausscheidung (Net Acid Excretion, NAE) aus. Die NAE wurde im 24-Stunden-Urin der Probanden gemessen und gilt als verlässlicher Indikator für die Nettosäurebelastung des gesamten Organismus. Die Kinder und ihre Eltern hatten im Vorfeld keine besonderen Ernährungsvorgaben erhalten. Die Ernährung der Kinder lag vielmehr, so die Wissenschaftler, vollständig im Bereich der hierzulande üblichen Ernährungsgewohnheiten.

Nachdem die Ergebnisse um Störeinflüsse wie Unterschiede in der Urinmenge und der Eiweißaufnahme korrigiert wurden, stellten die Wissenschaftler einen positiven Zusammenhang zwischen der NAE der Kinder und deren Stresshormonspiegel fest: Die Kinder mit einer hohen NAE hatten nicht nur eine vergleichsweise hohe Sekretion des Stresshormons Cortisol, auch die Konzentration von Umbauprodukten des Cortisols im Urin war erhöht.

„Diese Ergebnisse legen nahe, dass Cortisol auch bereits unter einer weniger stark ausgeprägten, lediglich durch die Ernährung beeinflussten Säurebelastung in Zielgeweben wie der Niere oder den Knochenzellen wirkt“, erläutert der an der Studie beteiligte Bonner Wissenschaftler Prof. Dr. Thomas Remer. „Wir gehen davon aus, dass den Glucocorticoid-Hormonen, also dem Cortisol und Cortison, eine wichtige Rolle bei der Vermittlung von langfristigen ungünstigen Ernährungseinflüssen auf das Skelettsystem und auf andere relevante Gesundheits-Parameter zukommt. Auffällig bei unseren Untersuchungen war, dass sich die signifikanten Zusammenhänge in keiner Weise abschwächten, als wir die sogenannte potenzielle renale Säurelast (PRAL) im Urin bestimmten und mit den Hormonmesswerten verglichen.“ Im Vergleich zur NAE ist die potenzielle renale Säurelast (PRAL) ein noch spezifischerer Säure-Biomarker der ernährungsabhängigen Mineralstoffzufuhr und des Eiweißabbaus.

„Wir sind gespannt, ob sich die Ergebnisse im Wesentlichen bestätigen lassen, wenn wir nun gezielt das Hormonsystem von gesunden Kindern der DONALD Studie analysieren, die spezifisch danach ausgewählt wurden, ob sie besonders reichlich Obst und Gemüse verzehrten oder nur sehr wenig“, kündigt der Laborleiter Prof. Dr. Stefan Wudy den nächsten Studienabschnitt an. Die an der Studie beteiligten Wissenschaftler gehen bislang davon aus, dass insbesondere der Kalium- und Magnesiumgehalt von Obst und Gemüse die Säurebelastung des Stoffwechsels neutralisieren kann.

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verfasst von am 8. September 2016 um 06:00

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