√úbergewicht bei Kindern: Lieber vorbeugen als behandeln

Autor/in: , Redaktion: Dr. Julia Kluthe-Lebek
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Freitag, 9. November 2012

Sind die √ľberfl√ľssigen Pfunde erst einmal da, halten sie sich hartn√§ckig, auch bei Kindern. Speziell f√ľr Kinder entwickelte Gewichtsabnahmeprogramme verzeichnen meist nur kurzfristige Erfolge. Statt Reduktion also besser Pr√§vention, k√∂nnte das Fazit einer Langzeitstudie lauten, die von der Bundeszentrale f√ľr gesundheitliche Aufkl√§rung (BZgA) in Auftrag gegeben wurde.

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© c.miles

Kinder sollten fr√ľhzeitig zu ausreichend Bewegung angeregt werden.

„EvAKuJ – Beobachtungsstudie Evaluation Adip√∂ser Kinder und Jugendlicher“ ‚Äď so lautet der Name der Studie, die im Auftrag der BZgA von 2005-2010 durchgef√ľhrt wurde. Die Ergebnisse dieser Studie sollen zur Verbesserung aktuell vorhandener Programme zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit √úbergewicht und Adipositas beitragen. In der Studie wurden verschiedene pr√§ventive und therapeutische Ans√§tze zur Versorgung von √ľbergewichtigen, z. T. adip√∂sen, Kindern und Jugendlichen innerhalb von Deutschland miteinander verglichen. Zentrale Fragen waren: Welche Ergebnisse erzielen Kinder, die ambulant (ein Jahr) oder station√§r (sechs Wochen) an verschiedenen Gewichtsabnahmeprogrammen teilnehmen? Gelingt es, das verringerte Gewicht auch √ľber ein bis zwei Jahre zu halten? Welche Faktoren beeinflussen das Therapieergebnis? Gibt es Unterschiede zwischen verschiedenen Therapiekonzepten? Und: Hat die Intensit√§t der Behandlung Einfluss auf den Therapieerfolg?

An der Studie teilnehmen konnten alle ambulanten und station√§ren Einrichtungen, die √ľber ein qualifiziertes Angebot f√ľr √ľbergewichtige und adip√∂se Kinder oder Jugendliche verf√ľgen, einschlie√ülich eines schriftlich fixierten Behandlungskonzepts. Au√üerdem mussten die Einrichtungen sich dazu bereit erkl√§ren, die Nachuntersuchung der nach dem Losverfahren ermittelten Probanden aus eigenen Mitteln zu finanzieren.

Insgesamt nahmen knapp 48 Behandlungseinrichtungen mit 1916 Kindern und Jugendlichen im Alter von acht bis 16 Jahren an der Beobachtungsstudie teil. Während der aktiven Behandlungszeit konnten mehr als die Hälfte der Teilnehmer (56 Prozent) ihr Übergewicht gemessen am BMI reduzieren. Dabei schnitten stationäre Behandlungsprogramme deutlich besser ab als ambulante Konzepte. Die Gewichtsabnahme war allerdings meist nur von kurzer Dauer: Bereits nach einem Jahr hatten lediglich 13 Prozent der Teilnehmer einen geringeren BMI als zu Studienbeginn. Wer seinen BMI ein Jahr nach Ende des Programms erfolgreich verteidigt hatte, schien es dann aber geschafft zu haben: Der Anteil der Probanden mit Abnahmeerfolg blieb auch nach zwei Jahren konstant (14 Prozent). Unterm Strich profitierte damit jedoch nur jeder sechste Teilnehmer im Kindes- oder Jugendalter von einem strukturierten Gewichtsabnahmeprogramm.

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© USDAgov

Wie ist dies zu erkl√§ren? Die Studie zeigte auch, dass wesentliche Elemente eines erfolgreichen Gewichtsmanagements im Alltag der Kinder und Jugendlichen h√§ufig zu kurz kommen. Zwei Jahre nach Ende der Programme gab nur einer von sechs bis zehn der Probanden (10-15 Prozent) an, weiterhin auf eine ges√ľndere Ern√§hrung zu achten, sich mehr zu bewegen oder weniger Zeit vor Fernseher und Computer zu verbringen als vor Behandlungsbeginn. Eine langfristige √Ąnderung ungesunder Gewohnheiten scheint demnach schon Kindern schwer zu fallen.

Deshalb empfehlen Experten, die Lebensumst√§nde von Kindern m√∂glichst von klein auf g√ľnstig zu gestalten. Bedingt durch die fr√ľhkindliche Pr√§gung scheinen Kinder, die sich von klein auf gesund und abwechslungsreich ern√§hren, dieses Verhalten auch im Erwachsenenalter beizubehalten. Auf diese Weise kann der Entstehung von √úbergewicht bereits im (Klein-)Kindesalter vorgebeugt werden. Wichtig ist dabei, dass Eltern mit gutem Beispiel vorangehen, so Harald Seitz, Ern√§hrungswissenschaftler vom aid infodienst. „Wer mit seinem Kind Lebensmittel einkauft, gemeinsam kocht und zusammen am Tisch sitzt, vermittelt Spa√ü am Essen. Damit lassen sich g√ľnstige Ern√§hrungsgewohnheiten leichter erlernen und beibehalten, und auch Gewichtsprobleme sind seltener.“

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verfasst von am 9. November 2012 um 06:54

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