√úbergewicht: Betroffene leiden unter Stigmatisierung

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Freitag, 20. September 2013

Vorurteile √ľber Menschen mit √úbergewicht sind weit verbreitet. Undiszipliniert sollen sie sein, gefr√§√üig, faul, in der Folge krank und an allem selber schuld. F√ľr die Betroffenen vergr√∂√üert sich dadurch die Krankheitslast: Viel schwerer als m√∂gliche k√∂rperliche Folgen sind h√§ufig die psychischen Verletzungen durch soziale Stigmatisierungen.

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Vorurteile haben eine wichtige Funktion in unserer Gesellschaft. Sie vereinfachen die komplexe Realität und fördern den sozialen Zusammenhalt. Wenn Vorurteile allerdings diskriminierend werden, leiden Betroffene häufig sehr unter der dadurch eingeleiteten sozialen Ausgrenzung, psychische Erkrankungen können die Folgen sein.

Welche Konsequenzen haben negative gewichtsbezogene Meinungen und Vorurteile f√ľr Menschen mit √úbergewicht? Wissenschaftler der Universit√§tsmedizin und des Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrums (IFB) Adipositas-Erkrankungen in Leipzig befragten 1158 Probanden mit √úbergewicht oder Adipositas, um herauszufinden, wie die Probanden mit gewichtsbezogenen Vorurteilen, denen sie h√§ufig im Alltag begegnen, umgehen. Stigmatisierungen aus dem Umfeld k√∂nnen dazu f√ľhren, die fremden Meinungen zu √ľbernehmen und sich mit der Zeit selbst zu stigmatisieren. Diese Zusammenh√§nge konnten die Wissenschaftler belegen und m√∂gliche Folgen aufzeigen: Die Probanden mit st√§rkerer Selbststigmatisierung hatten einen geringeren Selbstwert, sch√§tzten ihre Gesundheit schlechter ein und zeigten h√§ufiger Anzeichen von √Ąngsten und Depressionen als die Personen, die sich nicht selbst verurteilten.

Menschen, die sich selbst stigmatisieren, haben h√§ufig auch das Gef√ľhl, selbst nicht wirklich etwas an ihrem Zustand ver√§ndern zu k√∂nnen (verminderte Selbstwirksamkeit) und Hilfe zu ben√∂tigen. Dementsprechend wurde in der Leipziger Studie beobachtet, dass √ľbergewichtige und adip√∂se Probanden mit Selbststigma h√§ufiger den Arzt aufsuchen als Probanden, die sich nicht stigmatisieren. Allerdings handelt es sich bei diesem Ergebnis um eine Einzelbeobachtung. Andere Studien berichten √ľber eine schlechtere Gesundheitsversorgung von Probanden mit starkem √úbergewicht. Sie nahmen seltener an Vorsorgeuntersuchungen teil, vielleicht aus der Angst heraus, aufgrund ihres Gewichts auf Ablehnung zu sto√üen.

Wie lassen sich verletzende Vorurteile und Klischees abbauen? Die Professorin Steffi Riedel-Heller vom IFB erl√§utert: „Am wichtigsten ist es wohl, daf√ľr zu sorgen, ein realistisches Bild von den m√∂glichen Ursachen von √úbergewicht zu kommunizieren. √úbergewicht ist selbstverst√§ndlich eine Folge von einer konstant positiven Energiebilanz. Es werden also mehr Kalorien aufgenommen als ben√∂tigt. Aber die Frage ist dann ja, was die Ursache f√ľr dieses Zuviel an Kalorien ist. Daf√ľr finden sich unz√§hlige Einflussfaktoren. Au√üerdem ist es nat√ľrlich immer wichtig, klar zu machen, welche Konsequenzen Diskriminierung f√ľr die Betroffenen hat. Wir haben es in der Hand, ob wir ein Vorurteil n√§hren und vor allem, ob wir es handlungswirksam werden lassen.“

Quellen einblenden

  • IFB Adipositas Erkrankungen: Der Teufelskreis der Ausgrenzung.
  • A. Hilbert, E. Braehler, W. H√§user, M. Zenger (2013): Weight bias internalization, core self-evaluation, and health in overweight and obese persons. Obesity, Online-Vorabver√∂ffentlichung

verfasst von am 20. September 2013 um 10:30

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