Veränderte Darmbesiedlung bei Flaschenkindern

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Dienstag, 8. März 2016

Säuglinge, die nach ihrer Geburt ausschließlich oder teilweise Säuglingsanfangsnahrung erhalten, haben eine andere Darmbesiedlung als ausschließlich gestillte Kinder. Dies ergab eine fortlaufende Beobachtungsstudie, deren Ergebnisse aktuell in der Fachzeitschrift JAMA Pediatrics veröffentlicht wurden.

In die Studie gingen Daten von insgesamt 102 reifgeborenen Säuglingen ein. Gut zwei Drittel der Kinder (69 Prozent) wurden auf natürlichem Weg geboren, die anderen Kinder kamen per Kaiserschnitt zur Welt. Nach ihrer Geburt wurden 70 Säuglinge (69 Prozent) ausschließlich gestillt, 26 (25 Prozent) erhielten eine Kombination aus Muttermilch und Säuglingsanfangsnahrung und 6 Säuglinge (6 Prozent) wurden ausschließlich mit Säuglingsanfangsnahrung ernährt. Im Alter von sechs Wochen wurde bei allen Kindern die bakterielle Zusammensetzung der Darmflora per DNA-Sequenzierung bestimmt.

Die Wissenschaftler konnten insgesamt 241 Bakteriengattungen nachweisen, der weitaus größte Teil der sequenzierten DNA (über 90 Prozent) stammte allerdings von lediglich zehn Bakteriengattungen. Hier waren Bifidobacterien und Bacteroides besonders stark vertreten. Paarweise Vergleiche zeigten einen Zusammenhang zwischen der Ernährung der Säuglinge und der bakteriellen Besiedlung ihres Darms, wobei allerdings kein Unterschied bestand zwischen Kindern, die teilweise oder ausschließlich Säuglingsanfangsnahrung erhielten. Dies mag auch darauf zurückzuführen sein, dass die Gruppe der Säuglinge, die ausschließlich Säuglingsanfangsnahrung erhielten, mit sechs Kindern sehr klein besetzt war. Verglichen mit ausschließlich gestillten Säuglingen waren bei den anderen beiden Säuglingsanfangsnahrungs-Gruppen vor allem mehr Laktokokken im Darm vertreten.

Die Wissenschaftler stellten außerdem fest, dass die ernährungsbedingten Unterschiede der Darmbesiedlung vergleichsweise gering ausfielen, wenn sie Unterschieden gegenübergestellt wurden, die sich aus der Entbindungsart ergaben. Kinder, die auf natürliche Weise zur Welt kamen (vaginale Entbindung) hatten einen vergleichsweise hohen Anteil Bacteroides und Pectobacterien, jedoch weniger Staphylokokken, Rothia- und Propionibacterien als per Kaiserschnitt entbundene Kinder.

Derzeit wird davon ausgegangen, dass Abweichungen in der mikrobiellen Darmbesiedlung mit verschiedenen Erkrankungen wie Asthma, Übergewicht/Adipositas und Diabetes sowie weiteren Stoffwechsel- und neurologischen Erkrankungen assoziiert sind. Stichhaltige Belege für diese Vermutungen fehlen bislang allerdings weitgehend.

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verfasst von am 8. März 2016 um 07:28

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