Verbot von Magermodels: Frankreich im Kampf gegen extreme Schönheitsideale

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Dienstag, 20. Juni 2017

Zuk√ľnftig d√ľrfen Models in Frankreich nur noch auf den Laufsteg, wenn ein Arzt ihnen die gesundheitliche Eignung f√ľr ihre Modelt√§tigkeit schriftlich bescheinigt. Neu ist auch die Kennzeichnungspflicht f√ľr retuschierte Werbefotos ab Oktober.

„Der Kontakt von jungen Menschen mit normativen und unrealistischen K√∂rperbildern f√ľhrt zu einem Gef√ľhl der Minderwertigkeit und einem niedrigen Selbstwertgef√ľhl“, erl√§utert die franz√∂sische Ministerin f√ľr Soziales und Gesundheit Marisol Tourain. „Beides kann Einfluss auf das Gesundheitsverhalten haben.“ Bereits 2015 wurde in Frankreich beschlossen, per Gesetz gegen gesundheitsgef√§hrdende Sch√∂nheitsideale auf dem Catwalk vorzugehen. In dem nun in Kraft getretenen Erlass werden die Details aufgef√ľhrt.

Dreh- und Angelpunkt des Gesetzes ist der Body Mass Index (K√∂rpermasseindex, kurz BMI) der Models, also das Verh√§ltnis zwischen K√∂rpergewicht und (quadrierter) K√∂rpergr√∂√üe. Ein BMI unter 18,5 gilt als Indiz f√ľr Untergewicht. Urspr√ľnglich war in Frankreich geplant, direkt anhand des BMIs festzulegen, wer in der √Ėffentlichkeit modeln darf und wer nicht. Dieser Plan scheiterte aber an landesweiten Protesten seitens der Agenturen und Models. Stattdessen liegt die Deutungshoheit nun bei den √Ąrzten, die bei ihrer Beurteilung der gesundheitlichen Eignung f√ľr die Modelt√§tigkeit neben dem BMI weitere Faktoren wie Alter und Statur der Models mit ber√ľcksichtigen k√∂nnen. Eine √§rztliche Bescheinigung wird im Normalfall f√ľr zwei Jahre ausgestellt. Werden Models ohne √§rztliche Bescheinigung angestellt, drohen ein Bu√ügeld in H√∂he von 75.000 Euro und sechs Monate Gef√§ngnis.

Doch nicht nur die Models auf dem Laufsteg, sondern auch Bilder in Modezeitschriften k√∂nnen ein ungesundes Sch√∂nheitsideal pr√§gen. Denn was vor der Kamera nicht (ganz) passt, wird h√§ufig nachtr√§glich passend gemacht. Oberweite vergr√∂√üern, Muskeln forcieren, Bauch weg: Der Computer macht’s m√∂glich. Im Nachhinein l√§sst sich kaum erkennen, welche K√∂rperteile „echt“ sind und wo retuschiert wurde. Auch gegen diese Schummelei wollen die Franzosen zuk√ľnftig vorgehen. Ab Oktober m√ľssen Werbefotos mit retuschierten Models entsprechend gekennzeichnet werden.

Restriktionen f√ľr stark untergewichtige Models gibt es nicht nur in Frankreich. In Spanien und Israel gibt es √§hnliche Verbote wie zuk√ľnftig in Frankreich. In Italien haben sich alle gro√üen Modelagenturen bereits 2006 freiwillig dazu verpflichtet, keine Models mit einem BMI unter 18,5 auf den Laufsteg zu lassen und auch in anderen europ√§ischen L√§ndern wird immer wieder √ľber gesundheitliche Beschr√§nkungen diskutiert.

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verfasst von am 20. Juni 2017 um 06:59

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