Verbraucherzentralen fordern Klartext bei Nahrungsergänzungsmitteln

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Dienstag, 28. Februar 2017

Mit dem neuen Internetportal „Klarheit Nahrungserg√§nzung“¬† m√∂chten die Verbraucherzentralen mehr Transparenz in den un√ľbersichtlichen Markt von Nahrungserg√§nzungsmitteln bringen. Au√üerdem k√∂nnen Nutzer ihre Anliegen und Beschwerden hier direkt √§u√üern.

Vor kurzem haben wir √ľber den hohen Umsatz von Nahrungserg√§nzungsmitteln berichtet. Zwischen April 2015 und M√§rz 2016 wurden nach Angaben des Bundesverbands f√ľr Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL) insgesamt 177 Millionen Verpackungen Nahrungserg√§nzungsmittel verkauft, was einem Umsatz von 1,175 Milliarden ‚ā¨ entspricht. Tendenz steigend…

Umfragen zufolge kauft mittlerweile etwa jeder dritte Bundesb√ľrger Vitamin- und Mineralstoffpr√§parate und andere Nahrungserg√§nzungsmittel, h√§ufig allerdings ohne tats√§chlichen Bedarf. ‚ÄěDie Vitaminversorgung ist gesichert. Nahrungserg√§nzungsmittel sind f√ľr gesunde Menschen nicht notwendig‚Äú, erkl√§rt Professor Dr. Helmut Heseker vom Institut f√ľr Ern√§hrung, Konsum und Gesundheit an der Universit√§t Paderborn. Wirklich Sinn mache nur eine Gabe von Folat f√ľr Schwangere zur Verhinderung von Neuralrohrdefekten, eine Vitamin-D-Supplementation zur Rachitis-Pr√§vention (sog. Knochenerweichung) und Erg√§nzungen bei individuellen Defiziten nach R√ľcksprache mit dem Arzt. F√ľr alle anderen Personen bestehe eher das Risiko der √úberversorgung. Dies gilt insbesondere dann, wenn mehrere Nahrungserg√§nzungsmittel zugleich eingenommen werden. Nach Angaben des BLL verwenden knapp ein Drittel¬† der Nahrungserg√§nzungsmittel-Anwender mindestens zwei Pr√§parate parallel. Im besten Fall wird die zu viel aufgenommene Menge eines Supplements einfach ausgeschieden. Deutlich weniger angenehm sind k√∂rperliche Reaktionen wie beispielsweise Durchf√§lle und Magen-Darm-Beschwerden bei einer erh√∂hten Magnesiumaufnahme (ab 300 Milligramm in Nahrungserg√§nzungsmitteln, die empfohlene Tagesmenge von Magnesium in Nahrungserg√§nzungsmitteln liegt bei insgesamt 250 Milligramm).

Nach wie vor ist der Markt f√ľr Nahrungserg√§nzungsmittel kaum reguliert. Im Unterschied zu Arzneimitteln durchlaufen Nahrungserg√§nzungsmittel kein Zulassungsverfahren. Ihre Wirksamkeit und Sicherheit sowie das Zutreffen von Werbeaussagen werden bislang nicht unabh√§ngig √ľberpr√ľft. Die Verbrauchersch√ľtzer setzen sich daher f√ľr eine H√∂chstmengenregelung und eine Positivliste f√ľr Nahrungserg√§nzungsmittel ein, bis zu deren Ausgestaltung ein nationales Zulassungsverfahren eingerichtet werden sollte. Au√üerdem fordern sie eine Meldestelle f√ľr bislang unerkannte Nebenwirkungen von Nahrungserg√§nzungsmitteln.

Mit dem neu eingerichteten Internetportal „Klarheit Nahrungserg√§nzungsmittel“¬† m√∂chten die Verbraucherzentralen Nutzern von Nahrungserg√§nzungsmitteln vorab die M√∂glichkeit geben, sich unabh√§ngig √ľber Nahrungserg√§nzungsmittel zu informieren, die f√ľr breite Anwendungsgebiete und Zielgruppen angeboten werden. Au√üerdem besteht die M√∂glichkeit, eigene Fragen an Ern√§hrungsexperten zu stellen und Produktbeschwerden einzureichen.

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verfasst von am 28. Februar 2017 um 07:27

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