Warmes Mittagessen für Senioren – Stiftung Warentest testet „Essen auf Rädern“

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Freitag, 4. November 2011

Mit zunehmendem Alter fallen Alltagstätigkeiten wie Einkaufen gehen, Putzen, Wäschepflege und die Zubereitung von Mahlzeiten schwerer. Für Menschen, die dennoch in ihrer häuslichen Umgebung bleiben möchten und keine Angehörigen im näheren Umfeld haben, die sie unterstützen, bieten mobile Dienstleister Hilfe im Alltag. Das etablierteste Angebot in diesem Bereich dürfte das „Essen auf Rädern“ sein. Doch wie gut sind die Speisen von mobilen Essenslieferdiensten? Und stimmt der Service? Die Stiftung Warentest prüfte eine Stichprobe von sechs Menüdiensten in Berlin.

Essen
© Gene Hunt

Für ihren Test bestellten sechs Testpersonen in Berlin 14 Tage eine verzehrfertige Standard-Mittagsmahlzeit („Normalkost“) mit Dessert oder Kuchen. Das Aussehen der Speisen, Geruch, Geschmack und Mundgefühl wurden sensorisch von mindestens drei geschulten Prüfern bewertet (25 Prozent der Gesamtnote). Bei der ernährungsphysiologischen Prüfung wurden die in den Speisen enthaltenen Inhaltsstoffe mit den D-A-CH-Referenzwerten und dem Qualitätsstandard für „Essen auf Rädern“ der Deutschen Gesellschaft für Ernährung verglichen. Die Angebotsvielfalt wurde anhand des Speiseplans von sechs Wochen beurteilt. Die ernährungsphysiologische Qualität machte ein Viertel der Gesamtbewertung aus, das Ergebnis der mikrobiologischen Prüfung 5 Prozent. Großen Wert legte die Stiftung Warentest auf Kundenservice und das Beratungs- und Informationsangebot der Anbieter. Der Kundenservice beinhaltete den Bestellservice (Flexibilität der Anbieter) und Lieferservice (u. a. Einhaltung der angekündigten Lieferzeiten, Angebot von Wärmeboxen, Essenstemperatur zum Liefer- und Verzehrzeitpunkt). Der Kundenservice wurde mit 35 Prozent, Beratung und Information des Anbieters mit 10 Prozent in der Gesamtnote berücksichtigt.

In den Teilbereichen konnten die Anbieter unterschiedlich gut punkten. Lobend erwähnt wurde das vielseitige Angebot der Bringdienste. Es sei vergleichbar mit dem Angebot von Kantinen und ermögliche Senioren, sich trotz gesundheitlicher Einschränkungen selbstständig zuhause zu versorgen und – bei entsprechender Auswahl aus dem Speiseplan – vielseitig zu ernähren. Auch der Bestellservice war meist gut. Hinsichtlich des Gehalts von Krankheitserregern können Kunden weitgehend unbesorgt sein: Die mikrobiologische Qualität der Speisen aller Anbieter wurde – mit einer Ausnahme – „gut“ beurteilt.

Kritisiert wurden allerdings die Beratungsleistung und die ernährungsphysiologische Qualität der Speisen. Gemessen an den Referenzwerten der Deutschen Gesellschaft für Ernährung enthielten die Speisen häufig zu viel Fett, Salz und Energie. Auch der Lieferservice sei verbesserungsbedürftig. So kam es vor, dass die Mittagsmahlzeit bei einem Anbieter, je nach Route des Fahrers, zwischen 10:30 Uhr und ca. 13 Uhr ausgeliefert wurde, obwohl der Liefertermin im Voraus festgelegt wurde und maximal um 30 Minuten schwanken sollte. Unter solchen Voraussetzungen ist eine Planung des Vormittags kaum möglich. Verbesserungsbedarf gab es auch bezüglich der Temperatur der Speisen. Bei Anlieferung sollte das Essen wenigstens 65 °C warm sein, zur Mittagszeit um 12 Uhr sollte die Temperatur mindestens 50 °C betragen. Zwei der sechs Anbieter konnten diese Bedingungen nicht erfüllen.

Unter Berücksichtigung aller Kriterien schnitten zwei der Menüdienste knapp „gut“ ab (Gesamtnote 2,5). Die Stärken dieser Anbieter lagen jedoch in unterschiedlichen Bereichen: Während ein Lieferdienst hinsichtlich der Ausgewogenheit seiner Speisen überzeugte, bot der andere den besten Bestell- und Lieferdienst. Das Angebot aller anderen Anbieter wurde mit „befriedigend“ (Gesamtnote 2,6-3,2) bewertet.

Mittagessen
© Moe_

Es ist nicht einfach, den geeigneten mobilen Bringdienst in der eigenen Umgebung zu finden. Bei der Auswahl des Anbieters können Ihnen folgende Tipps weiterhelfen:

  • Anbietersuche: Bei der Suche von Anbietern kann man sich außer bei den geläufigen Anbietern wie Caritas, Diakonie, Rotes Kreuz und Johanniter auch bei Gasthöfen, Pflegeheimen, Krankenhäusern oder Metzgereien vor Ort erkundigen.
  • Nachfragen: Bei einem Informationsgespräch sollte auch geklärt werden, ob es Spezialmenüs bei evtl. vorliegenden Unverträglichkeiten oder Krankheiten (z. B. Milchzuckerunverträglichkeit, Diabetes) gibt, wann die Lieferungen erfolgen und ob am Wochenende ein Extrazuschlag fällig wird. Fragen Sie auch gezielt nach Informationsmaterial zum Nährwertgehalt der Mahlzeiten und anderen Dingen, die für Sie von Interesse sind.
  • Essen probieren: Bevor man sich festlegt, sollte ein Probeessen von Anbietern der engeren Wahl angefordert und verglichen werden.
  • Wärmebox erbitten: Da häufig einige Zeit zwischen dem Liefertermin und dem Verzehr des Essens liegt, lohnt es sich, eine Wärmebox anzufordern (kostet ggf. extra). Es gibt auch Anbieter, die tiefgekühlte Mahlzeiten liefern, welche bei Bedarf in der Mikrowelle erhitzt werden können. Diese haben den Vorteil, dass der Vitamingehalt höher ist als bei lange warmgehaltenen Speisen.
  • Gesunde Speisen auswählen: Achten Sie auf eine gesunde Zusammenstellung der Speisen. Jedes Essen sollte entweder Gemüse oder Salat enthalten. Sind die Speisen des Anbieters sehr reich an Kalorien, sollten Sie wenigstens an Wochentagen lieber auf den Nachtisch verzichten.
  • Nicht nachsalzen: Im Test war der Salzgehalt der Speisen vergleichsweise hoch. In den meisten Mittagessen war annähernd die Menge enthalten, die insgesamt an einem ganzen Tag maximal verzehrt werden sollte. Deshalb sollte auf Nachsalzen möglichst verzichtet werden. Wenn die Speisen nicht würzig genug sind, besser zu getrockneten oder tiefgekühlten Kräutern greifen.
  • Reste nicht lange aufbewahren: Auch wenn es schwer fällt: Was beim Mittagessen übrig bleibt, sollte höchstens bis abends aufbewahrt werden. Dann aber sofort nach dem Mittagessen kühlen, sonst vermehren sich Keime darin schnell.
  • Anbieterwechsel: Wenn Sie mit dem Anbieter, für den Sie sich entschieden haben, doch nicht zufrieden sein sollten, wechseln Sie. Da meist vorher kein Vertrag abgeschlossen wurde, ist keine schriftliche Kündigung nötig.

Quelle:

Stiftung Warentest: Essen auf Rädern: Wie sind Essensqualität, Bestell- und Lieferservice von Menüdiensten? Test 11/2011, Seite 22-26.

verfasst von am 4. November 2011 um 07:14

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Ein Kommentar zu “Warmes Mittagessen für Senioren – Stiftung Warentest testet „Essen auf Rädern“”

  1. Lisa sagt:

    Ich bin total froh, dass es solch eine tolle Möglichkeit gibt, älteren Menschen warmes Essen nach Hause zu liefern. Als Angehöriger weiß man, dass zum Beispiel die Eltern jeden Tag mit frischen Mahlzeiten versorgt werden.

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