Warum langsames Essen beim Abnehmen hilft

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Freitag, 16. Mai 2014

Auf der Suche nach hilfreichen Strategien zur Gewichtsreduktion verglichen Prof. Christoph Beglinger und sein Forscherteam am Universit√§tsspital in Basel V√∂llegef√ľhl und Essverhalten von Menschen mit Normalgewicht und √úbergewicht. Ihre Beobachtung klingt paradox: Menschen mit √úbergewicht sind schneller satt als Normalgewichtige. Wieso sind sie dennoch √ľbergewichtig? Die Zeit macht‚Äôs…

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Im Rahmen einer Studie wurden jeweils zwanzig Probanden mit Normalgewicht (mittlerer BMI 22,2 kg/m2) oder starkem √úbergewicht (mittlerer BMI 38,9 kg/m2) gebeten ihr Fr√ľhst√ľck in Form eines fertig zubereiten Getr√§nks zu sich zu nehmen. Die Probanden konnten selbst entscheiden, wie schnell und wie viel sie von der Standardtrinknahrung zu sich nehmen wollten. Die Trinknahrung bestand zu 17 Prozent aus Protein, 29 Prozent aus Fett und 54 Prozent aus Kohlenhydraten, 100 Milliliter versorgten den K√∂rper mit 150 Kalorien.

‚ÄěSchon 100 t√§gliche Kilokalorien √ľber der empfohlenen Menge k√∂nnen zur Gewichtszunahme f√ľhren„, schreiben die Wissenschaftler in ihrem Artikel, der k√ľrzlich in der Zeitschrift ‚ÄěPhysiology & Behavior‚Äú erschienen ist. ‚ÄěDeshalb ist das hohe Esstempo ein Faktor, der m√∂glicherweise zum √úbergewicht beitr√§gt.

W√§hrend ihrer Trinkmahlzeiten kreuzten die Teilnehmer im Abstand von drei Minuten auf einer Skala an, wie satt sie sich inzwischen f√ľhlten. Der Versuch endete, sobald der Maximalwert erreicht wurde. Bei den Probanden mit starkem √úbergewicht war dies im Mittel bereits nach 10 Minuten der Fall, w√§hrend sich bei den Probanden mit Normalgewicht das Vollegef√ľht erst dreieinhalb Minuten sp√§ter einstellte. Die Auswertung der Trinkmenge und damit der aufgenommenen Kalorien zeichnete dagegen ein anderes Bild: Pro Minute nahmen die √ľbergewichtigen Probanden im Durchschnitt 57,5 Milliliter der Trinknahrung und damit 85 Kalorien zu sich, w√§hrend die normalgewichtigen Probanden lediglich 33,5 Milliliter des Getr√§nks (entsprechend 50 Kalorien pro Minute) aufnahmen. Unterm Strich konsumierten die Probanden mit √úbergewicht damit ca. 140 Kalorien mehr, bis sie satt waren.

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In weiteren Untersuchungen stellten die Wissenschaftler fest, dass die Magenentleerung bei Probanden mit √úbergewicht verz√∂gert war, wodurch die Plasmaspiegel der s√§ttigend wirkenden Hormone GLP-1 und PYY vermindert waren. Zugleich war die Plasmakonzentration des Appetit anregenden Hormons Ghrelin bei Probanden mit √úbergewicht erh√∂ht. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass aufgrund der verz√∂gerten Magenentleerungsrate S√§ttigungssignale erst ausgesendet werden, wenn der Magen schon st√§rker gef√ľllt ist, und die √úbergewichtigen damit mehr Nahrung zur S√§ttigung ben√∂tigen als Menschen mit Normalgewicht.

Dies ist weiterer Beleg daf√ľr, dass nicht nur die Nahrungsmittelauswahl, sondern auch dass Esstempo mit dem K√∂rpergewicht zusammenh√§ngen. √Ąhnlich wie andere Gewohnheiten l√§sst sich wohl auch das Esstempo nur m√ľhsam und mit viel Ausdauer drosseln. Hilfsmittel wie eine vibrierende Gabel k√∂nnten insbesondere Singles bei der Umstellung helfen. Und nach wie vor gilt: F√ľr eine ausgewogene Energiebilanz ist regelm√§√üige k√∂rperliche Aktivit√§t unverzichtbar.

A. C. Meyer-Gerspach, B.Wölnerhanssen, B. Beglinger, F. Nessenius, M. Napitupulu, F. H. Schulte, R. E. Steinert, C. Beglinger (2014): Gastric and intestinal satiation in obese and normal weight healthy people. Physiology & Behavior 129: S. 266-271

verfasst von am 16. Mai 2014 um 09:09

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3 Kommentare zu “Warum langsames Essen beim Abnehmen hilft”

  1. Andreas M. sagt:

    Hallo, sehr interessanter Artikel. Die Franzosen essen auch sehr langsam und sind in der Regel weniger √ľbergewichtig.

  2. Sofia sagt:

    Das von den Franzosen habe ich auch schon mal gehört, also wird wahrscheinlich was an der Sache dran sein. Mir fällt es leider trotzdem schwer langsam zu essen.

  3. Jacky sagt:

    Man sucht immer wieder nach Methoden die einem das Abnehmen erleichtern. Ich finde das ist alles nur eine Ablenkung und f√ľhrt nicht wirklich schnell zu erfolgen. Eine gesunde Ern√§hrung (am besten roh-vegan) hilft mehr beim abnehmen. Da muss man nicht drauf achten wie man isst und kann einfach „normal“ essen.

    Aber ja es stimmt schon, dass das Gehirn quasi nach 20 Minuten (nach dem ersten Bissen) dem K√∂rper ein S√§ttigungsgef√ľhl √ľbermittelt.

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