Warum macht Alkohol hungrig?

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ern√§hrung und Gesundheit

Freitag, 17. Februar 2017

Ob Karneval, Fastnacht, Fasent, Fasnet oder Fasching: F√ľr viele ist die n√§rrische Zeit ohne Alkohol kaum vorstellbar. Deftige Speisen bilden die Grundlage, dass Alkohol besser vertragen wird. Aber auch nach einem feucht-fr√∂hlichen Abend steigt der Appetit auf Deftiges. Aufschluss √ľber die zugrunde liegenden Vorg√§nge gibt ein Blick ins Gehirn.

Eigentlich paradox: Obwohl Bier, Wein, Schnaps und Lik√∂r schon reichlich Kalorien enthalten, stellt sich nach dem Genuss alkoholischer Getr√§nke kein S√§ttigungsgef√ľhl ein. Im Gegenteil: Alkohol scheint sogar appetitsteigernd zu wirken.

H√§ufig wird dieses Ph√§nomen auf gesellschaftliche Faktoren zur√ľckgef√ľhrt. Interessant ist in diesem Zusammenhang ein Experiment, bei dem Freiwilligen entweder Alkohol oder Salzl√∂sung direkt ins Blut injiziert wurde. Diejenigen, die die Alkoholinjektion erhalten hatten, reagierten nicht nur st√§rker auf Essensger√ľche, sondern verzehrten im Anschluss auch eine gr√∂√üere Portion Spaghetti Bolognese als die Kontrollgruppe mit der Salzinjektion. Demnach l√§sst sich die appetitsteigernde Wirkung nicht (nur) durch die Begleitumst√§nde erkl√§ren.

Ein weiterer Erkl√§rungsansatz geht davon aus, dass Alkohol die Selbstbeherrschung beeintr√§chtigt und Menschen, die auf einer Feier Alkohol getrunken haben, daher im Anschluss daran mehr essen als die n√ľchternen Partybesucher. Andere Hypothesen befassen sich mit der √Ąnderung des Blutzuckerspiegels und der entw√§ssernden Wirkung von Alkohol, welche sich ebenfalls auf den Appetit auswirken k√∂nnen.

Sarah Cains und ihre Kollegen vom Francis Crick Institut und der Universit√§t London gehen davon aus, dass zumindest ein Teil der appetitsteigernden Wirkung von Alkohol auf physiologische Faktoren zur√ľckzuf√ľhren ist, die das Essverhalten beeinflussen. In einer Serie von Experimenten konnten sie zeigen, wie sich die Alkoholaufnahme auf Prozesse im Hypothalamus auswirkt. Dieser Abschnitt des Zwischenhirns reguliert unter anderem die Aufnahme von Nahrung und Wasser.

Die Wissenschaftler stellten bei ihren Untersuchungen fest, dass Alkohol die sogenannten AgRP-Neuronen im Hypothalamus aktiviert, die an der Steuerung des Hungergef√ľhls beteiligt sind. Diese Wirkung war vergleichbar mit dem Stimulus, der vom Fasten oder physiologischen Hungerhormonen ausgeht.

Mit ihren aktuellen Studienergebnissen tragen Sarah Cains und ihre Kollegen zur Aufkl√§rung der appetitsteigernden Wirkung von Alkohol bei. Offen bleibt allerdings die Frage, in wieweit diese Ergebnisse auf Menschen √ľbertragbar sind und ob weitere, bislang unerkannte Stoffwechselvorg√§nge ebenfalls an der appetitsteigernden Wirkung beteiligt sind.

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verfasst von am 17. Februar 2017 um 08:28

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