Warum schmeckt teurer Wein besser?

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung ErnĂ€hrung und Gesundheit

Dienstag, 5. September 2017

Ist ein Wein mit teurerem Preisschild ausgezeichnet, schmeckt er vielen Menschen besser – unabhĂ€ngig von seiner tatsĂ€chlichen QualitĂ€t. Dies lĂ€sst sich möglicherweise durch die Aktivierung des Belohnungszentrums im Gehirn erklĂ€ren, berichten Wissenschaftler der INSEAD Business School Paris und der UniversitĂ€t Bonn.

Wussten Sie, dass der Placebo-Effekt nicht nur bei der Einnahme von Medikamenten, sondern auch beim Verzehr von Lebensmitteln und Genussmitteln wie Schokolade oder Wein auftreten kann? Als sogenannten „Marketing-Placebo-Effekt“ bezeichnen Experten das PhĂ€nomen, dass eigentlich identische Produkte unterschiedlich schmecken, wenn ihre Preise sich unterscheiden. Der teurere Preis weckt die Erwartung, dass das entsprechende Produkt eine bessere QualitĂ€t haben muss – QualitĂ€t hat eben ihren Preis, oder? WĂ€hrend der Marketing-Placebo-Effekt in der Wissenschaft bereits seit lĂ€ngerem bekannt ist, war bislang nicht klar, auf welchem Weg die Preisinformation im Gehirn dazu fĂŒhrt, dass hochpreisiger Wein als besser schmeckend eingestuft wird. Daher haben sich die Wissenschaftler aus Paris und Bonn eingehend mit dieser Frage befasst.

An der UniversitĂ€t von Bonn ließ das Forscherteam jeweils 15 MĂ€nner und Frauen im Alter von durchschnittlich 30 Jahren denselben französischen Rotwein mehrfach verkosten, wobei die Probanden vorher unterschiedliche Angaben zum Preis des Weins (3, 6 und 18 €) erhielten. Eigentlich war der Wein etwa 12 € wert. Das Besondere an dieser Weinprobe: Sie fand nicht in einem Weinkeller oder einer vergleichbaren RĂ€umlichkeit statt, sondern alleine liegend in einem Kernspintomographen. Vor jeder Probe wurde der fiktive Preis des Weins eingeblendet. Dabei beschrĂ€nkten sich die Wissenschaftler auf realistische Preise, da zu hohe Preise das Ergebnis verfĂ€lschen könnten. „Der Marketing-Placebo-Effekt hat seine Grenzen: Wenn zum Beispiel eine Plörre fĂŒr 100 € angeboten wĂŒrde, bliebe der Effekt absehbar aus“, erklĂ€rt Prof. Bernd Weber, GeschĂ€ftsfĂŒhrender Direktor des Center for Economics and Neuroscience (CENs) der UniversitĂ€t Bonn. Über einen Schlauch erhielten die Probanden jeweils etwa einen Milliliter des zu testenden Rotweins. Anschließen sollten sie auf einer Skala von 1 bis 9 angeben, wie gut ihnen der jeweilige Wein geschmeckt hat. Bevor die Weinprobe mit dem nĂ€chsten Wein fortgesetzt wurde, wurde der Mund mit einer neutralen FlĂŒssigkeit gespĂŒlt.

„Wie erwartet gaben die Probanden an, dass der Wein mit dem höheren Preis besser schmeckt als ein scheinbar gĂŒnstigerer“, erlĂ€utert Prof. Dr. Hilke Plassmann von der INSEAD Business School. „Jedoch spielte es keine Rolle, ob die Testpersonen den Wein auch [fiktiv] bezahlen mussten, oder ob sie ihn umsonst bekamen.“ Demnach fĂŒhrte die Erwartung, dass ein höherpreisiger Wein zu einem besseren geschmacklichen Erlebnis fĂŒhren muss, dazu, dass dieser Wein im Gehirn tatsĂ€chlich als wohlschmeckender wahrgenommen wurde als ein vermeintlich gĂŒnstigerer Wein. Die Messungen im Kernspintomographen offenbarten, dass bei der Probe von Weinen mit vermeintlich höheren Preisen vor allem das Frontalhirn und außerdem auch das ventrale Striatum stĂ€rker aktiviert wurden. Prof. Weber und seine Kollegen gehen davon aus, dass das Frontalhirn insbesondere am Preisvergleich und damit verbundenen Erwartungen beteiligt ist, wĂ€hrend das ventrale Striatum Teil des Belohnungs- und Motivationssystems ist. „Das Belohnungssystem wird bei höheren Preisen deutlich stĂ€rker aktiviert und verstĂ€rkt auf diese Weise offenbar das Geschmackserlebnis“, folgert Prof. Weber.

Auf die Frage, wie sich diese Art des Placebo-Effekts eindĂ€mmen lĂ€sst, antwortet Dr. Liane Schmidt von der INSEAD Business School: „Letztlich spielt uns das Belohnungs- und Motivationssystem einen Streich.“ Denn es gaukle uns durch höhere Preise einen Geschmack vor, der durch den Wein selbst an sich nicht gerechtfertigt sei, weil es sich ja bei allen Verkostungen objektiv um das identische Produkt handele. „Die spannende Frage ist nun“, ergĂ€nzt Prof. Weber, „ob man das Belohnungssystem trainieren kann, damit es weniger empfĂ€nglich fĂŒr solche Placebo-Marketing-Effekte wird“. Möglicherweise könnte dies dadurch gelingen, dass die eigene Körperwahrnehmung – wie zum Beispiel der Geschmack – stĂ€rker geschult werde.

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verfasst von am 5. September 2017 um 08:38

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Ein Kommentar zu “Warum schmeckt teurer Wein besser?”

  1. Roli Barolo sagt:

    So etwas hatte ich frĂŒher schon immer vermutet, darum kaufe ich meinen Wein im Weinhandel, nach ich die Weine degustieren konnte, und nehme dann das, was mir wirklich schmeckt und lasse mich nicht vom Preis leiten.

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