Was Binge Eating bei Kindern begünstigt

Autor/in: , Redaktion: Dr. Bertil Kluthe
© Kluthe-Stiftung Ernährung und Gesundheit

Mittwoch, 10. August 2016

Gerade in jungen Jahren übt die Familie einen großen Einfluss auf die psychische Entwicklung von Kindern aus. Im Rahmen einer Literaturzusammenschau haben Wissenschaftler daher familiäre Einflussfaktoren zusammengetragen, die die Entstehung von Binge Eating bereits bei Kindern bis zum Alter von 12 Jahren begünstigen.

Wiederholte Essattacken, die nicht durch gegensteuernde Maßnahmen wie Hungern, Erbrechen oder extremen Sport, ausgeglichen werden, kennzeichnen die Binge Eating-Störung beziehungsweise Binge Eating Disorder (BED). In Deutschland waren 2013 laut der repräsentativen DEGS1-Studie (Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland) jeweils 0,1 Prozent der 18-79jährigen Frauen und Männer von einer BED betroffen, zur Altersgruppe der unter 18-Jährigen fehlen entsprechende Daten. Vereinzelt wurde auch schon über Fälle von fünfjährigen erkrankten Kindern berichtet. In den USA ist die BED die häufigste Essstörung – unabhängig von Alter, ethnischer Zugehörigkeit und Geschlecht. Zugleich ist sie auch die am wenigsten erforsche Essstörung, was möglicherweise darauf zurückzuführen ist, dass sie erst 1994 als eigenständige Erkrankung definiert wurde.

Im Rahmen einer systematischen Übersichtsarbeit haben Wissenschaftler der Universität von Illinois familiäre Faktoren zusammengetragen, die die Entstehung einer BED im Kindesalter begünstigen. Für ihre Recherche verwendeten die Wissenschaftler zusätzlich zum eigentlichen Begriff „Binge Eating Disorder“ den Begriff „unkontrolliertes Essen“ (loss of control eating), da dieser, so die Wissenschaftler, als Proxy (Stellvertreter) für die BED in dieser Altersgruppe anzusehen ist.

Von den potentiell infrage kommenden 736 Studien zu Beginn der Literaturreche (Zeitraum 1980-2015) blieben nach Anwendung der Einschlusskriterien zu Alter, Thematik und verwendeten Erhebungsinstrumenten lediglich 15 Studien übrig, die für die eigentliche Arbeit geeignet erschienen. Neun der Studien waren Querschnittsstudien (Erhebung zu einem Zeitpunkt), sechs Studien longitudinal (gemeinsame Auswertung mehrere Erhebungen).

Nach Auswertung der Inhalte dieser Studien kristallisierte sich heraus, dass insbesondere elterliches Desinteresse, fehlende Anteilnahme und Nicht-Ansprechbarkeit der Eltern sowie Hänseleien in der Familie über das Gewicht eines Kindes mit der Entstehung einer BED in jungen Jahren korrelierten. Interessanterweise waren weder das Gewicht der Eltern noch ihre Bildung, der sozioökonomische Status und ihre ethnische Zugehörigkeit mit einer kindlichen BED assoziiert. „In dieser Studie stellte sich heraus, dass kindliches Binge Eating in Wirklichkeit mit den gewichtsbezogenen Überzeugungen der Eltern zusammenhängt, jedoch nicht ihrem tatsächlichen Gewicht sowie ihrer emotionale Präsenz, aber nicht unbedingt ihrem Einkommen“, betont Jaclyn Saltzman, Erstautorin der Übersichtsarbeit. Zugleich warnt Saltzman davor, Eltern erkrankter Kinder vorschnell zu verurteilen. „Wir wollen Eltern gegenüber hervorheben, dass das Gewicht nicht ‚alles im Leben‘ ist und dass ein zu starker Fokus auf das Gewicht schaden kann“, erläutert Saltzman. Stattdessen, so Saltzman weiter, sollten Eltern lieber überlegen, welche Unterstützung ihre Kinder benötigen, damit sie mit ihren Gefühlen (insbesondere in Bezug auf Essen und Gewicht) besser umgehen können. Auf diese Weise werden die Bewältigungskompetenzen der Kinder gestärkt, sodass sie das Binge Eating weniger benötigen.

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verfasst von am 10. August 2016 um 06:28

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